Emmy

Nur der deutsche Humor kommt noch nicht an

Von Heike Hupertz

Ausgezeichnet: George, Behrendt in “Mein Vater“

Ausgezeichnet: George, Behrendt in "Mein Vater"

25. November 2003 Zwar steht die Verleihung der "International Emmy Awards", des bedeutendsten Fernsehpreises für außeramerikanische Produktionen, noch immer ein wenig im Schatten der glanzvollen Hollywoodgala der amerikanischen Emmys - zumindest was ihre Präsenz in den hiesigen Medien betrifft, wo sie schlicht ignoriert wird -, doch in diesem Jahr dürfte auch der kritteligste Beobachter wenig zu monieren gefunden haben. Wer könnte sich auch beschweren, wenn Sarah Jessica Parker ("Sex and the City"), Lorraine Bracco ("Goodfellas", "Sopranos") oder die gegenwärtig hochgehandelten Carson Kressley und Thom Filicia ("Queer Eye for the Straight Guy") die feierlichen Preisreden halten? Und vor allem: Wer wollte sich beschweren, wenn herausragende deutsche Produktionen gleich zwei der wichtigsten der in sieben Kategorien verliehenen Preise erhalten?

Was nach den ungeschriebenen Gesetzen der internationalen Emmys zudem höchst unwahrscheinlich war. Denn da im letzten Jahr Heinrich Breloer für "Die Manns" in der Kategorie "TV-Movie/Mini Series" den ersten Emmy für einen deutschen Beitrag seit "Das Boot" gewann, wäre "Mein Vater" (Colonia Media Filmproduktion für den WDR), die aufwühlende Konfrontation des alzheimerkranken Richard (Götz George) mit seinem Sohn Jochen (Klaus J. Behrendt), im Grunde nicht "dran" gewesen, so Produzentin Sonja Goslicki im Gespräch mit dieser Zeitung.

Deutsche Comedy keine Weltklasse

Um so mehr freute sie sich über die himmelstürmende Flügelstatue, die ihr und ihrem Kollegen Georg Feil nach der spannendsten Entscheidung des Abends überreicht wurde. In seiner Dankesrede widmete ein sichtlich gerührter Produzent Feil den Preis allen, die ihre alzheimerkranken Eltern und Großeltern unter schweren persönlichen Opfern pflegen, und dankte dem Schauspieler Klaus J. Behrendt im besonderen. Kurz zuvor hatten Carl Schmitt und Mark Cairns ebenso überraschend für "Das Leben geht weiter" (Star Crest Media für den Hessischen Rundfunk/Arte) den Emmy für die beste internationale Dokumentation des Jahres in Empfang nehmen dürfen. In dieser Abteilung stammten gleich zwei der vier Nominierungen aus Deutschland, "Stalingrad" vom ZDF ging leer aus.

Sind deutsche Dokumentationen bisweilen Weltklasse, so gilt das im Bereich Comedy nicht unbedingt. Selbst der ausgewählt lustige Einspieler von "Alt und durchgeknallt" (Sat.1) sorgte im Saal nur für angestrengtes Hüsteln. Deutscher Humor ist und bleibt eben ein Oxymoron. In dieser Kategorie gewann - wie immer - Großbritannien mit "The Kumars at No. 42". Auch "Der kleine Eisbär" mußte einem britischen Beitrag den Vortritt lassen. "Legend of the Lost Tribe" gewann als bestes Kinderprogramm, daneben fanden zwei weitere internationale Emmys ihren Weg auf die Insel. Neben Deutschland und Großbritannien konnte nur noch Dänemark einen Emmy feiern: Ebenso wie im vergangenen Jahr gewannen die Dänen in der Kategorie Drama. Mit "Nikolaj und Julie" zeichneten die Juroren eine fein beobachtete Scheidungs- und Liebesgeschichte aus.

Im nächsten Jahr müßte der Veranstalter, die "International Academy for Television Arts and Sciences", nur noch dafür sorgen, daß im Stockwerk unter dem Ballsaal nicht gerade die letzten Tanzproben der Cheerleader für Macy's Thanksgiving-Parade stattfinden. Aber das sei wirklich nur am Rande bemerkt.

Das Hessen Fernsehen zeigt den Film "Das Leben geht weiter" am nächsten Sonntag um 22.40 Uhr.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2003, Nr. 275 / Seite 40
Bildmaterial: WDR/Uwe Stratmann

 
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