05. September 2008 Der Held in diesem Film des kasachischen Beschleunigungsspezialisten Timur Bekmambetov (Wächter des Tages, Wächter der Nacht), Wesley Gibson, hat die Gabe, bei hohem Adrenalinspiegel seine Wahrnehmung so weit zu verlangsamen, dass er Weberschiffchen aus dem Webstuhl fischen und Pistolenkugeln um die Kurve dirigieren kann.
Nach ungefähr einer Stunde in Wanted, nach gefühlten dreitausend Schnitten, wilden Verfolgungsjagden, Messerstechereien, Schießereien, Härtetraining auf Zugdächern und so weiter ist der eigene Adrenalinpegel auf Höhen gepumpt worden, dass man glaubt, jetzt könne man das auch. Aber wozu?
Da hat er wohl was falsch verstanden
Diese Frage müsste sich Wesley Gibson (James McAvoy, der unwahrscheinlichste Superheld der Saison) eigentlich auch stellen. Tut er aber nicht. Stattdessen betreibt er seine Metamorphose vom Duckmäuser zum Massenmörder unter Anleitung von Fox (Angelina Jolie) mit Hingabe. Töte einen, lautet das Motto der Weberbruderschaft, eines uralten Geheimbunds, als deren unwissentlicher Haupterbe Wesley bisher gedemütigt durchs Leben zog, und rette damit Tausende. Bekmambetov, der von sich sagt, er habe keinen schwarzen Humor, die Welt sei eben düster, hat das offenbar falsch verstanden. Jedenfalls lässt er Tausende sterben, um am Ende einen zu retten. Bis es soweit ist, treibt der Regisseur mit Effekten nicht nur die Action an den Rand der Implosion, sondern auch die vegetativen Funktionen des Zuschauers. Haftung für Risiken und Nebenwirkungen des Kinobesuchs übernimmt er nicht.
Wobei man sagen muss, dass die Schauwerte, die Bekmambetov auf die Leinwand bringt, beträchtlich sind, und das liegt nicht allein an Angelina Jolie, die außerordentlich kühl ihre unglaublichen Manöver vollzieht. Es liegt auch an Prag, das hier für Chicago doubelte und Studios hat, in denen man Brücken hin- und herschieben kann, wenn die Züge zu schwer sind und trotzdem Bewegung gefragt ist; am Ausstatter John Myhre; am Kameramann Mitchell Amundsen, der offenbar an den unwahrscheinlichsten Orten noch ein Plätzchen für sein Gerät fand. Das Ganze ist die Verfilmung einer Comic-Serie gleichen Namens von Marc Millar und J. G. Jones. Wenn nicht alles täuscht, kommt der Blutdruck nur vorübergehend zur Ruhe, bevor die Fortsetzung da ist.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: 20th Century Fox/Cinetext, AP, Cinetext/Mona Filz, ddp, Universal Pict.Int.Ger./Cinetext