Michael Moore

Verfahrenheit 9/11

Volkstribun oder Nervensäge? Michael Moore

Volkstribun oder Nervensäge? Michael Moore

26. Juli 2004 Michael Moores Bush-kritischer Dokumentarfilm „Fahrenheit 9/11“ kommt am 29. Juli in die deutschen Kinos. Mit etwa 200 Kopien sei es der bisher größte Kinostart einer Dokumentation in Deutschland, teilte der Verleih Falcom Media Group am Donnerstag in Berlin mit.

In den Vereinigten Staaten etablierte sich „Fahrenheit 9/11“ mit einem Box Office von fast 94 Millionen Dollar als erfolgreichste Dokumentation der amerikanischen Filmgeschichte. Moore entthronte damit zugleich seinen vorherigen Film „Bowling for Columbine“, der mit mehr als 50 Millionen Dollar zuvor den Spitzenplatz innehatte, und dürfte demnächst die magische Blockbuster-Grenze von 100 Millionen Dollar knacken.

Erklärtes Ziel des Filmpamphlets ist die Demontage des amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Es lohnt sich, über Moores Film zu streiten. Wir fangen schon mal damit an.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.07.2004, Nr. 30 / Seite 21
Bildmaterial: AP

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Harald Staun

Der Film als Waffe

Moore hat das Mittel der Montage für seinen politischen Kampf entdeckt, was es ganz einfach macht, die Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen und vorteilhaft wieder zu arrangieren.

Joanna Gruba

Vom Sozialismus gelernt

Im Polen des Sozialismus war es so schön wie in jenem Irak, den uns "Fahrenheit 9/11" zeigt. Damals, im Sozialismus, hätten wir über Moores Film gesagt: "Dieses Werk trifft ins Herz und ins Bewußtsein der Massen!"

Nils Minkmar

Bush ist der Star

Dem ganzen Unterfangen von "Fahrenheit 9/11" liegt ein großes Mißverständnis zugrunde: Wer den Film gesehen hat und ihn mochte, der will viel mehr George W. Bush sehen.

Johanna Adorjan

Gepflegte Unterhaltung

Seit wann erwartet man von einem Dokumentarfilmer, daß er einem die Welt erklärt wie sie ist? Ist es nicht legitim, daß Michael Moore schaut, daß George W. Bush, der sein Präsident ist, dabei möglichst schlecht aussieht?

Stefan Niggemeier

Eine Lüge zuviel

Um einen größeren Effekt zu erzielen, erzählt Moore eine Lüge. Einen größeren Schaden könnte er sich, seinem Film, seiner Mission nicht zufügen.

Claudius Seidl

Werbung für Bush

Falls George W. Bush in diesem Herbst noch einmal gewählt wird, darf er sich auch bei Michael Moore bedanken, der vielleicht nicht der beste unter Bushs Wahlkampfhelfern ist, womöglich aber der effizienteste.

Peter Körte

Er nervt, weil er muß

Schon möglich, daß die Amerikaner dank Moores Film Bush abwählen und der Regisseur dann arbeitslos wird. Keine schlechte Pointe.

Niklas Maak

Der Volkstribun

Ja, es wäre schön, wenn Moore sauberer gearbeitet hätte, aber wer soll ein breites öffentliches Bewußtsein schaffen für die andere Seite der Bilder, wenn nicht der dantoneske Volkstribun Moore?