Kinovorschau

Vertreter, Maßschneider und Mafiosi

“The Departed“: Jack Nicholson ist Mafiaboß Costello

"The Departed": Jack Nicholson ist Mafiaboß Costello

05. Dezember 2006 In „The Departed“ läßt Scorsese Jack Nicholson von Leonardo DiCaprio und den wiederum von Matt Damon bespitzeln. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Ein Lebensversicherer auf der Autobahn und Isabella Rossellini im Radio.

The Departed: Unter Feinden

Drama, Vereinigte Staaten 2006.

Es herrscht ein Stammeskrieg in Boston zwischen der Polizei und der irischen Mafia. Der Krieg ist ein Vexierspiel, es geht um Spitzel und um getäuschte Täuscher. Michael Scorsese („The Aviator“) hat den ersten Teil der Gangster-Triologie „Internal Affairs“ adaptiert und daraus maximales männliches Starkino gemacht: Matt Damon („The Bourne Identity“) tritt mit messerscharfen Bügelfalten und blankgeschrubbtem Gesicht frisch von der Polizeiakademie seinen Dienst an, auf den Punkt präpariert für die Rolle des Spitzels im Polizeiapparat. Leonardo DiCaprio wirkt von Anfang an unsicher und verwundbar. Sein Anzug sitzt schlecht, er bewegt sich schwerfällig und wird verbal zerlegt von seinen Vorgesetzten, die von Martin Sheen und Mark Wahlberg gespielt werden. Also verabschiedet er sich von der ersehnten Polizistenkarriere, um als Spitzel den Mafiaboß Costello endlich ans Messer zu liefern. Jack Nicholson verkörpert familiär den Mafioso Costello, im Leopardenbademantel mit strähnigem ungekämmten Haar.

Der Lebensversicherer

Drama, Deutschland 2006.

Der Versicherungsvertreter Burkhard Wagner (Jens Harzer) lebt an der Autobahn, wo er vor allem nachts seine Policen verkauft, an den Mann im Truck und das Ehepaar im Wohnwagen. Seiner Frau (Marina Galic) hat er versprochen, nur so lange unterwegs zu sein, bis er genügend Geld zusammenhat für eine bessere Zukunft.

„Man muß wissen, wofür man lebt, um zu wissen, wofür man sterben soll“, heißt einer seiner routinierten Vertretersprüche, dabei weiß er selbst es am allerwenigsten. Im immergleichen verschwitzten Anzug geht ihm irgendwann seelisch der Sprit aus. „Der Lebensversicherer“ ist das Debüt von Regisseur Bülent Akinci und sein Abschlußfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie.

Es begab sich aber zu der Zeit...

Drama, Vereinigte Staaten 2006.

Regisseurin Catherine Hardwicke („Dreizehn“) hat sich das klassische religiöse Thema schlechthin zugetraut: die Geschichte von Christi Geburt. Pünktlich zu Weihnachten kommt „Es begab sich aber zu der Zeit...“ in die Kinos.

Die oscarnominierte Neuseeländerin Keisha Castle-Hughes („Whale Rider“) ist als Maria und Oscar Isaac als ihr Mann Joseph zu sehen.

Flutsch und weg

Zeichentrick, Vereinigte Staaten 2006.
Die Regisseure Henry Anderson, David Bowers und Sam Fell haben mit modernster 3-D-Animation ein rasantes Abenteuer in Szene gesetzt. Im Londoner Nobelviertel Kensington lebt die Edelmaus Roddy St. James in Saus und Braus, bis eines Tages die Kanalratte Sid aus dem Spülbecken in ihre Luxusbleibe gelangt.

In einem wüsten Streit befördert Sid Roddy in den Toilettenabfluß und nistet sich begeistert in dessen Zuhause ein. Roddy kommt in Kontakt mit einem ganz neuen Universum und lernt mit Hilfe einer netten Mäusedame, sich in den Abfällen von Londons Untergrund zurechtzufinden. In der deutschen Fassung sind unter anderem Ralf Bauer und Jessica Schwarz als Sprecher zu hören.

Niceland

Drama, Island / Deutschland / Dänemark / Großbritannien 2004.

Jed (Martin Compston, „Sweet Sixteen“) und Chloe (Gudrun Bjarnadottir) sind Anfang 20, verliebt und geistig behindert. Als Chloes Katze bei einem Unfall stirbt, verliert das Mädchen seinen Lebenswillen. Überzeugt davon, daß es etwas geben muß, das dem Leben Sinn verleiht, zieht Jed los, um Chloe aus ihrer Lethargie zu befreien.

Von Schrotthändler Max (Gary Lewis, „Gangs of New York“) erwartet Jed die kostbare Antwort. Trotz des freundschaftlichen Bandes, das sich zwischen ihnen entwickelt, bleibt Einzelgänger Max verschlossen. Auch als Chloe ins Koma fällt, kann Max Jed nicht mehr als seine eigene Lebenstragödie erzählen. Jed wird bewußt, daß die Antwort in ihm selbst liegt. Der isländische Regisseur Fridrik Thor Fridriksson zeichnet ein einfühlsames Bild einer besonderen Liebe.

The Saddest Music in the World

Drama, Kanada 2003.

Als die kanadische Bier-Baronin Lady Helen Port-Huntly (Isabella Rossellini) einen internationalen Wettbewerb um die traurigste Melodie der Welt ankündigt, strömen Musiker aus den entferntesten Orten der Erde nach Winnipeg und wetteifern um das Preisgeld von 25.000 „Depression Era Dollars“.

Schluchzende mexikanische Mariachis, verdrossene schottische Dudelsackspieler, traurige westafrikanische Trommler und diverse andere von Kummer betroffene Ensembles konkurrieren miteinander. Die Welt hört ihnen währenddessen am Radio zu.

Tailor Made Dreams

Dokumentarfilm, Deutschland 2006.

Der Dokumentarfilmer Marco Wilms schickt den indischen Maßschneider Issar auf eine Reise um die Welt, damit dieser zum ersten Mal in seinem Leben seine zahlreichen Kunden in Europa persönlich kennen lernen kann.

Von Bangkok über Berlin, Brüssel und Finnland bis in die Schweizer Alpen treibt es den 66jährigen Issar. „Tailor Made Dreams“ ist in der Ästhetik eines Bollywoodfilms inszeniert: Bunte Clips, Parodien auf Bollywood-Tanzszenen, indisch angehauchte Musik und viel Humor bestimmen den Stil des Films.

Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez

Dokumentarfilm, Deutschland 2005.

José Antonio Gutierrez zog mit 300.000 Soldaten der amerikanischen Armee in den Irak-Krieg. Wenige Stunden nach Kriegsbeginn erlangte er traurige Berühmtheit als erster toter Soldat auf amerikanischer Seite. Gutierrez war sogenannter Greencard-Soldier - einer von etwa 32.000, die in der Armee für ein fremdes Vaterland kämpfen.

Die Dokumentation von Heidi Specogna erzählt die bewegende Geschichte eines ehemaligen Straßenkindes aus Guatemala, das auf eine bessere Zukunft hoffend immer weiter nordwärts reiste und schließlich weitab von seiner Heimat als amerikanischer Held gestorben ist. Die Odyssee auf seinen Spuren führt von Guatemala über Mexiko in die Vereinigten Staaten.

Die Bewohner der Eremitage - The Hermittage Dwellers

Dokumentarfilm, Niederlande 2003.

Der Film der niederländischen Regisseurin Aliona van der Horst zeigt die Aufseher, Ausstellungstechniker und Kuratoren der St. Petersburger Eremitage, denen der Palast Katharinas der Großen mit seinen Kunstschätzen zum Zuhause geworden ist.

Die persönlichen Geschichten der Angestellten werden mit Bildern aus der russischen Geschichte verwoben. Von den mehr als 1.000 Räumen der Eremitage in Sankt Petersburg sind rund 350 sind für das Publikum geöffnet und werden von Menschen aus aller Welt besucht.

Congo River

Dokumentation, Belgien 2005.

Regisseur Thierry Michel zeigt in seinem Dokumentarfilm das Haupttransportmittel auf dem Kongo: rostige eiserne Flußbarkassen, die beladen mit Menschen, Zelten und Feuerstellen, Ziegen, Leguanen und geschlachteten Affen schwimmenden Dörfern gleichen. Wasserfälle, Stromschnellen und das Profitstreben der Reedereien machen die Reise zum Glücksspiel.

Es entsteht ein Bild, das eine Ahnung über das Ausmaß der menschlichen Tragödien vermittelt, wenn sich im Kongo Schiffbrüche ereignen. Und wenn die Reisenden die Stromschnellen über Land umgehen, wo Männer im Schweiße ihres Angesichts und ohne Bezahlung eine 125 Kilometer lange Eisenbahnstrecke ausbessern, vermittelt sich auch ein Zeichen von Hoffnung und ein Gefühl für die Kraft eines Volkes, das seine Zukunft wieder in die eigenen Hände nimmt.



Text: @aper mit Material der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Ap und dpa
Bildmaterial: Alpha Medienkontor, ddp, dpa, Kairos, Peripher, Salzgeber, Warner, Warner Bros./Cinetext, W-film/Cinetext, Zorro Film/Cinetext

 
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