FAZ.NET-Spezial: Bundesligarechte

ARD und Arena kaufen die Bundesliga-Rechte

21. Dezember 2005 Der Bieterstreit um die Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga ist am Mittwoch mit einer Überraschung zu Ende gegangen. Der Bezahlsender Premiere zeigt die Bundesliga künftig nicht mehr. Statt dessen hat die Firma Arena die Rechte erworben.

Die Ausstrahlung im gebührenfinanzierten Fernsehen bleibt bei der ARD, die dafür knapp hundert Millionen Euro pro Saison bezahlt. Arena zahlt 250 Millionen Euro für die Rechte im Bezahlfernsehen. Das ZDF erhält Zweitverwertungsrechte, der Sportsender DSF zeigt die Spiele am Sonntag (Siehe auch: Kabelkonzern Unity kauft die Bundesliga-Rechte). Die Deutsche Telekom erwarb die Senderechte für das Internet, die Auslandsrechte hat die Firma Betandwin gekauft. Insgesamt nimmt die Deutsche Fußball-Liga in den Spielzeiten 2006 bis 2009 420 Millionen Euro pro Saison ein. Der am Mittwoch abgeschlossene Dreijahresvertrag mit den Sendern hat ein Volumen von 1,26 Milliarden Euro.

Die Erste Bundesliga wird von der nächsten Saison an an drei Tagen spielen: Es gibt ein Spiel am Freitag, sechs am Samstag und zwei am Sonntag. Sämtliche Spiele laufen live im Bezahlfernsehen, die ARD berichtet über das Freitagsspiel und die Samstagsbegegnungen, die „Sportschau“ verschiebt sich von 18.10 Uhr auf 18.30 Uhr. Am Sonntag berichtet das DSF um 22 Uhr. Das ZDF sendet weiterhin das „Sportstudio“ am Samstag abend (Siehe auch: Kommentar: Ein Vabanquespiel).

Abonnement für 20 Euro pro Monat

Der Bieterstreit war bis zuletzt offen, erst in der Nacht zu Mittwoch entschied sich der Liga-Verband gegen einen Vertrag mit Premiere. Der Senderchef Kofler hatte zwar mehr Geld, aber für ein Spielmodell geboten, das die „Sportschau“ der ARD ausschloß. Man hätte mit Premiere gerne weiter zusammengearbeitet, sagten der Liga-Präsident Hackmann und der für die Rechtevergabe zuständige Geschäftsführer Seifert. Der ARD-Vorsitzende Gruber sagte, man freue sich über das Ergebnis, habe es jedoch nie darauf angelegt, „Premiere vom Markt zu kegeln“ (Siehe auch: Kommentar: Kochen und gucken).

Zum Börsenkurs

Kofler sagte, man habe Summen „nördlich von 300 Millionen Euro“ geboten, doch nicht mehr Geld für weniger Senderechte geben wollen. Er habe sich nicht „verzockt“ und bleibe „an Bord“ (Siehe auch: Georg Kofler hat sich verzockt: Premiere ohne Bundesliga). Die Zuschauer, die an Live-Spielen interessiert sind, müssen sich künftig an Arena wenden. Das Abonnement soll nicht mehr als 20 Euro pro Monat kosten. Hinter Arena steht das Unternehmen Unity Media, welche die Kabelanbieter ISH, Iesy und Telecolumbus gegründet haben. Unity Media verspricht, das Bundesliga-Fernsehen im ganzen Land zu verbreiten. Nach Angaben eines Sprechers können bisherige Premiere-Kunden auf das von Unity geplante Bezahlfernsehen mit ihren bisherigen Empfangsgeräten zugreifen. Der Kurs der Premiere-Aktie brach nach dem Bekanntwerden der Rechtevergabe ein.

Hintergrund: Entwicklung der TV-Gelder

Der Preis für die TV-Rechte an der Fußball- Bundesliga ist seit ihrer Gründung vor vierzig Jahren um mehr als das 1230fache gestiegen. Für die erste Saison zahlten die damals konkurrenzlosen öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF 650.000 Mark. Für die drei Spielzeiten bis 2009 gingen die wichtigsten Rechte für jeweils 420 Millionen Euro an Arena (Initiative mehrere Kabelnetzbetreiber), ARD, ZDF, DSF, die Telekom und betandwin.

„Die Bundesliga stellt das attraktivste Fernsehrecht in Deutschland dar“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga DFL, Christian Seifert, am Mittwoch in Frankfurt. Insgesamt bekommt die Liga für drei Jahre 1,26 Milliarden Euro.

Vor vierzig Jahren war eine solche Summe undenkbar. Das erste Mal durchbrach der Rechtepreis in der Saison 1968/69 die Eine-Million-Mark-Grenze (1,68). Bis 1988 besaßen stets die ARD und das ZDF die Rechte an der Fußball-Bundesliga, ehe in RTL erstmalig auch ein privater Sender ins Boot einstieg. Zusammen mit der UFA und der ARD legten sie insgesamt 40 Millionen Euro für die Meisterschaftsrunde 1988/99 hin.

Den nächsten Riesensatz machten die Preise 1992, als ISPR, Sat.1, UFA und Premiere gemeinsam 145 Millionen Mark bezahlten und sich bis 1999/2000 auf 330 Millionen Mark steigerten. Nach dem Einstieg von KirchMedia erhielten die Vereine mehr als 355 Millionen Euro (rund 695 Millionen Mark) und freuten sich bereits auf die abgemachte Steigerung auf 460 Millionen Euro (900 Millionen) Mark. Doch währte das Glück über den Geldsegen nicht lange, es folgte der Zusammenbruch des Imperiums von Leo Kirch. Nach den Wirren der Kirch-Krise mußten die Clubs zuletzt mit 300 Millionen Euro zufrieden sein. Bei ihrem neuen Abschluß verzichteten die Vereine einstimmig auf noch mehr als die 420 Millionen Euro per Saison.

Stichwort: Unity Media

Unity Media ist zu 100 Prozent Eigner von Arena, des neuen Rechteinhabers im Pay-TV an der Fußball-Bundesliga. Das Unternehmen Unity Media ist eine Kabelnetzbetreibergesellschaft, deren größte Anteilseigner Apollo, Golden Tree, Finakabel und Holding Ltd. sind.

Das in Köln ansässige deutsche Unternehmen mit insgesamt 1.200 Mitarbeitern hat in diesem Jahr einen Umsatz in Höhe von 427,2 Millionen Euro erwirtschaftet. Geschäftsführer von Unity Media ist Parm Sandhu, der zuvor als Finance Director Europe bei Liberty Media International tätig war.

Das Unternehmen beziffert für das analoge TV 5,2 Millionen Kunden, beim digitalen Fernsehen sind es bislang rund 10.000. Die Firma bietet derzeit die drei Marken „ish“ (etwa vier Millionen angeschlossene Haushalte in Nordrhein-Westfalen), „iesy“ (1,2 Millionen angeschlossene Haushalte in Hessen) und „Tele Columbus“ an.



Text: miha./r.z./theu.; F.A.Z. vom 22. Dezember 2005
Bildmaterial: AP, dpa, dpa/dpaweb, FAZ.NET, Premiere/HochZwei/HenningAngerer, REUTERS

Bundesliga-Rechte

Götterdämmerung auf der Mattscheibe

Über den Chef des Fernsehkabelbetreibers Unity Media ist fast nichts bekannt. Dabei hat der Mann die deutsche Fernsehlandschaft zum Wackeln und Premiere an den Rand eines Abgrunds gebracht.

Kommentar

Kochen und gucken

Die Bundesliga-Rechte - das wichtigste Fernsehgut dieses Landes - sind vergeben. Und es gibt neben vielen Siegern einen großen Verlierer: Premiere. Denn auf der anderen Seite des Verhandlungstisches behielt man finanzielle wie strategische Ziele im Auge.

Bundesliga

Premiere verliert Senderechte

Um die ARD-Sportschau zu erhalten, vergab die DFL die Fernsehrechte an mehrere Kabelnetzbetreiber. Wo die Bundesliga künftig zu sehen ist, ist noch unklar - nur nicht mehr bei Premiere.

Interview

„Wir haben gezeigt, daß die Liga nicht geldgierig ist“

Die Würfel sind gefallen: die „Sportschau“ bleibt, das Freitagsspiel kommt, die Einnahmen steigen. Im Interview spricht Liga-Präsident Werner Hackmann über die Entscheidung der DFL, die Wünsche der Klubs und den Unmut der Zweitliga-Vereine.

Was ändert sich?

Einschneidende Änderungen bei den Anstoßzeiten

Die Vergabe der Fußball-TV-Rechte hat einige Änderungen bei den Anfangszeiten zur Folge. Wann spielen die Erstligavereine, wann müssen die Zweitligaklubs ab der nächsten Saison auflaufen - und wo werden die Partien wann übertragen?

O-Töne

„Für Premiere ist das natürlich eine schwierige Situation“

Nach den Worten von Bundesligamanagern, Fernsehintendanten und Politikern sind die Fans die großen Gewinner der Entscheidung über die TV-Übertragungsrechte.

Premiere-Chef

Georg Kofler hat sich verzockt

In einer Nacht hat Georg Kofler alles verloren. Er sagt zwar, er habe sich „nicht verzockt“. Doch hat er hoch gepokert; und er hat mehr verloren als die Senderechte an der Bundesliga. Sein Lebenswerk steht auf dem Spiel.

Was wird aus Premiere?

Kabelkonzern Unity kauft die Bundesliga-Rechte

Mit Unity hat erstmals ein Kabelnetzbetreiber den Zuschlag für die Fernsehrechte an der Bundesliga erhalten. Das Unternehmen sucht Partner, denn der Millionendeal ist ein großes wirtschaftliches Wagnis. Wie Premiere reagiert, ist noch offen.

Kommentar

Ein Vabanquespiel

Darauf haben Kritiker nur gewartet: Die „Heuschrecken“ kaufen die Fußball-Bundesliga, schließlich stehen hinter der Unity Media Finanzinvestoren. Sie nehmen enorme Risiken in Kauf. Doch auch die Bundesliga läßt sich auf ein Vabanquespiel ein.

Reaktion an der Börse

Premiere-Aktie im freien Fall: Kurs stürzt um bis zu 45 Prozent ab

Der Zuschlag für die Bundesliga-Rechte galt für Premiere als wesentlich. Nach offiziell bestätigten F.A.Z.-Informationen hat aber der Ligaverband entschieden, die Rechte anderweitig zu vergeben. Die Premiere-Aktie ist um bis zu 45 Prozent abgestürzt, hat sich aber etwas erholt.