Sport/Justiz

Ehemaliger Sportchef des HR-Fernsehens verhaftet

Verdacht wegen Betruges und Bestechung: Jürgen Emig

Verdacht wegen Betruges und Bestechung: Jürgen Emig

29. Juni 2005 Der langjährige Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, ist nach Ansicht der Frankfurter Staatsanwaltschaft dringend der Angestelltenbestechlichkeit und des Betruges verdächtig. Die Ermittler stellten gestern den Antrag auf Erlaß eines Haftbefehls wegen Verdunklungsgefahr, über den ein Ermittlungsrichter des Amtsgericht bis zum Redaktionsschluß dieser Ausgabe noch nicht entschieden hatte.

Am Dienstag waren Räume des Hessischen Rundfunks, Emigs Privathaus und die Agenturen seiner Frau und Emigs Freund, Harald F., durchsucht worden. Diesen sieht die Staatsanwaltschaft nach Auskunft ihrer Sprechers Thomas Bechtel gleichfalls dringend der Korruption verdächtig, jedoch soll der Einundsechzigjährige wegen umfassender Aussagen von der Haft verschont werden.

Emig im März 2004 als Sportchef zurückgetreten

Gegen den 59 Jahre alten Emig und weitere Personen ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft seit April vergangenen Jahres. Emig soll über mehrere Jahre von Sportvereinen finanzielle Gegenleistungen dafür gefordert und erhalten haben, daß der Hessische Rundfunk über ihre Veranstaltungen berichtete. Er machte sich zuletzt vor allem als Radsport-Kommentator bei der Tour de France für die ARD einen Namen.

Emig hat nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft bei der Berichterstattung über Sportarten wie Triathlon, Marathon, Tanz- und Reitsport den Organisatoren zur Bedingung gemacht, die Veranstaltungen über die Agentur seiner Frau und eine weitere Firma vermarkten zu lassen: Die Veranstalter hätten dafür Geld an die Agenturen zahlen müssen. Der Firma von Emigs Frau seien dabei unrechtmäßig Gewinne in sechsstelliger Höhe zugeflossen, sagte Staatsanwalt Bechtel.

Emig war im März 2004 - offenbar auf Druck des Senders - als Sportchef zurückgetreten, blieb aber ungekündigt. Am 1.Oktober wechselt er in die passive Altersteilzeit. Noch kurz vor Emigs Demission hatte der Fernseh-Programm-Ausschuß kein Fehlverhalten des damaligen Sportchefs festgestellt. Insbesondere sei die Firma der Ehefrau des Journalisten „nicht als Vermittlerin von Sponsoren für Sportsendungen aufgetreten“.

Logos zweier Firmen plaziert

Die Vorwürfe gegen Emig waren vor allem in der Presse laut geworden. So hatte die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ berichtet, ein Sportmoderator sei bei einer HR-Sendung regelmäßig vor einer Schautafel mit den Logos zweier Firmen plaziert worden, die Kunden der Produktionsfirma von Emigs Ehefrau gewesen seien. Die Zeitung hatte auch geschrieben, Emigs Frau habe dem Ruderweltmeister Marcel Hacker ein Angebot zur Generalvermarktung unterbreitet, das dieser abgelehnt habe.

Darauf hätten Untersuchungen ergeben, daß der Hessische Rundfunk weniger über Hacker berichtet habe als beispielsweise der Bayerische oder der Mitteldeutsche Rundfunk. Der Manager des Frankfurter Football-Teams Galaxy hatte im Jahr 2003 öffentlich gemacht, daß der HR 100000 Euro für die Fortsetzung des Magazins „Magic Galaxy“ gefordert habe.

Helmut Reitze: Keine Stellungnahme

Der Intendant des Hessischen Rundfunks Helmut Reitze wollte gestern abend „zu einem laufenden Verfahren keine Stellung nehmen“. Er betonte aber, daß sich die Ermittlungen gegen die Person Emig und nicht gegen den Sender richteten. Der HR werde alles zur Klärung des Falles Mögliche beitragen.

Text: hs./lüc., F.A.Z. vom 30 Juni 2005
Bildmaterial: dpa

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