Kinovorschau

Französinnen im Abseits der Schildkrötenfertilität

Russell Crowe in „Ein gutes Jahr”

Russell Crowe in „Ein gutes Jahr”

07. November 2006 In „Ein gutes Jahr“ bringen schöne Französinnen Russell Crowe dazu, Winzer zu werden. Außerdem von Donnerstag an im Kino zu sehen: Julianne Moore als Weltretterin, Sibel Kekilli als Jüdin im Zweiten Weltkrieg und ein Schiedsrichter in Not.

Ein gutes Jahr

Drama, Vereinigte Staaten 2006.

Von der Arena in den Weinberg: Nach „Gladiator“ sind Regisseur Ridley Scott und Schauspieler Russell Crowe für einen weiteren Film zusammengekommen. In „Ein gutes Jahr“ erbt der erfolgreiche, zynische Londoner Wertpapier-Broker Max Skinner (Russell Crowe) von seinem Onkel Henry (Albert Finney) ein Weingut in Frankreich und will das Anwesen schnellstmöglich loswerden. Doch die Landschaft, der Wein und charmante Französinnen (u.a. Valeria Bruni-Tedeschi, Marion Cotillard und Isabelle Candelier) sorgen dafür, daß sich seine Ablehnung in Luft auflöst. Autor Peter Mayle schrieb die Romanvorlage für die romantische Komödie, die auf einem Gutshof in der Provence angesiedelt ist.

Children of Men

Science Fiction, Vereinigte Staaten 2006.

Der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón („Harry Potter und der Gefangene von Askaban“) hat sich mit „Children of Men“ an die Verfilmung des gleichnamigen Romans von P.D. James gewagt. Er erzählt die düstere Geschichte einer Welt ohne Kinder und zeichnet eine Horrorvision von globalem Terrorismus, Überwachungsstaat, religiösem Fanatismus und - ab dem Jahr 2009 - einer Geburtenrate von Null. Die Menschheit droht Auszusterben.

Im Jahr 2027 ist der jüngste Erdenbewohner mit 18 Jahren einem Anschlag zum Opfer gefallen. Aufgrund der sich ausbreitenden Unfruchtbarkeit ist die einzige Hoffnungsträgerin für weiteren Nachwuchs die schwangere Kee (Claire-Hope Ashitey). Theo (Clive Owen, bekannt aus „Sin City“), dessen gemeinsames Kind mit Untergrundkämpferin Julian („The Hours“-Darstellerin Juliane Moore) bei einer Grippeepidemie gestorben ist, erklärt sich aus Geldmangel bereit, Kee in Sicherheit zu bringen. Michael Caine („Batman Begins“) spielt Theos Freund Jasper. Alt, langhaarig und im Wald hausend raucht er als letzter Hippie selbstangebautes Marihuana.

Der letzte Zug

Drama, Deutschland 2006.

Der 88jährige Artur Brauner hat in seiner jahrzehntelangen Karriere zahlreiche Filme über den Holocaust produziert. Für dieses Drama verpflichtete er Joseph Vilsmaier („Bergkristall“) gemeinsam mit dessen Ehefrau Dana Vavrova als Regisseure.

Im April 1943 fahren die letzten 688 Berliner Juden in Viehwaggons sechs Tage lang Richtung Auschwitz, nahezu ohne Nahrung und Wasser. Ihre Hilferufe werden von Soldaten mit Schüssen beantwortet, und ihre Reise führt sie direkt in den Tod. Auf engstem Raum zeigen die Regisseure die Geschichte von Hoffnung in aussichtsloser Lage. In den Hauptrollen sind Gideon Burkhard („Kommissar Rex“) und Sibel Kekilli („Gegen die Wand“) zu sehen.

Jagdfieber

Trickfilm, Vereinigte Staaten 2006.

Bei seiner Pflegemutter, der Wildhüterin Beth, fühlt sich Boog so richtig wohl: Der 900 Pfund schwere, handzahme Grizzly sieht abends in der Garage fern und geht anschließend in seinen gemütlichen Korb. Bei Auftritten auf der Waldbühne des Ortes ist Boog Publikumsliebling. Doch ein schmächtiger Hirsch bringt sein Leben aus den Fugen.

Kurz vor Beginn der Jagdsaison müssen die beiden Tiere lernen, sich in der Wildnis zu behaupten. Unter der Regie von Rogers Allers („Der König der Löwen“) und Jill Culton (Drehbuchautorin von „Die Monster AG“) geht es in der computeranimierten Komödie „Jagdfieber“ um Überlebensinstinkte von Wildtieren, um Freundschaften und Erwachsenwerden.

7 Jungfrauen

Drama, Spanien 2005.

Der spanische Regisseur Alberto Rodriguez („The Suit“) wurde mit seinem Großstadt-Jugenddrama in seiner Heimat sechsmal für den Goya-Filmpreis nominiert. Es ist die Geschichte des sechzehnjährigen Tano (Juan José Ballesta), der für 48 Stunden die Erziehungsanstalt verlassen darf, weil sein älterer Bruder heiratet.

Eigentlich hat Tano ganz andere Dinge im Kopf: Parties, Sex, Drogen und Einbrüche locken ihn und seinen Freund Richi (Jesús Carroza) immer wieder an den Abgrund. Außer dem Hauptdarsteller hat Rodriguez Menschen auf der Straße gecastet und engagiert, um ein realistisches Bild von Schönheit und Verwahrlosung in der Großstadt zu zeigen.

Der Fluch - The Grudge 2

Horror, Vereinigte Staaten 2006.

Regisseur (Takashi Shimizu), Drehbuchautor (Stephen Susco) und Produzent (Sam Raimi) sind dieselben wie im ersten Teil des Gruselschockers. Im zweiten Teil von „Der Fluch“ muß nun Audrey (Amber Tamblyn), die Schwester von Karen (Sarah Michelle Gellar), das Grauen erkunden. Ein japanisches Sprichwort sagt, wenn jemand im Zustand unbändiger Wut stirbt, lastet fortan ein Fluch auf dem Ort seines Todes.

Niemand glaubt Karen, daß sie ein Haus in Brand gesteckt hat, um ihrem Freund das Leben zu retten. Sie wird von einer unheimlichen Gestalt so lange verfolgt, bis sie in den Tod springt. Aubrey (Amber Tamblyn) macht sich mit Reporter Eason (Edison Chen) daran, den Schuldigen zu finden, doch der Fluch scheint sich nur weiter auszubreiten.

Loggerheads

Drama, Vereinigte Staaten 2005.

Regisseur Tim Kirkman inszeniert die Geschichten dreier Menschen als Episodenfilm. Mark (Kip Pardue), der sensible, rastlose und schüchterne Ausreißer, beobachtet Nacht für Nacht am Strand die Loggerheads, eine bedrohte Schildkrötenart.

Dabei lernt er den geheimnisvollen George (Michael Kelly) kennen. Die beiden verlieben sich ineinander. Gleichzeitig sucht Marks Mutter Grace (Bonnie Hunt) ihren Sohn, den sie kurz nach der Geburt zur Adoption freigegeben hatte.

Madeinusa

Drama, Spanien 2005.

„Madeinusa“ ist der Name eines jungen Indio-Mädchens (Magaly Solier), das in einem abgelegenen Dorf in der wilden Bergwelt der peruanischen Anden lebt. Höhepunkt des Jahres ist die „Heilige Woche“, ein religiöses Fest, in dessen Verlauf sich die gesamte Dorfbevölkerung in einen hemmungslosen Feierrausch hineinsteigert.

In diesem Jahr ist Madeinusa zur Heiligen Jungfrau gekürt worden. Trotzdem leidet sie unter der Enge des Dorfes und ihren familiären Verhältnissen. Als es zur Zeit der Heiligen Woche den jungen Fotografen Salvador (Carlos De La Torre) ins Dorf verschlägt, ist es Liebe auf den ersten Blick. „Madeinusa“ ist das Filmdebüt von Claudia Llosa.

Stille Sehnsucht - Warchild

Drama, Deutschland / Slowenien 2005.

Die Geschichte um die 30jährige Senada (Labina Mitewska), inszeniert von Regisseur Christian Wagner („Ghetto-Kids“), beschreibt, wie schwer tiefe seelische Wunden heilen und wie hartnäckig unverarbeitete Konflikte menschliches Handeln bestimmen können. Die im heutigen Sarajevo lebende Senada denkt neun Jahre nach dem Krieg immer noch an ihre Tochter Aida, die sie im Chaos des Kriegsgeschehens verloren hatte.

Als sie in einer deutschen Zeitung ein Foto sieht, glaubt Senada, Aida zu erkennen und setzt alles daran, nach Deutschland zu gelangen. Sie schafft es, illegal einzureisen, und erfährt schnell den Wohnsitz ihrer Tochter. Die heißt inzwischen Kristina und lebt glücklich bei ihren Adoptiveltern in Ulm, ohne von ihrer wahren Identität auch nur zu ahnen. Senada will um jeden Preis ihre Tochter zurückbekommen und setzt dafür alle Mittel ein. Katrin Sass spielt die zwischen Adoptiveltern und leiblicher Mutter vermittelnde Angestellte des Jugendamts.

Pakt des Schweigens - Das zweite Leben des Erich Priebke

Dokumentarfilm, Deutschland 2006.

Mitte des vorigen Jahrhunderts tauchte SS-Hauptsturmführer Erich Priebke in der argentinischen Kleinstadt Bariloche unter. Er war unter anderem für die Hinrichtung von 335 Zivilisten in den ardeatinischen Höhlen in Italien 1944 verantwortlich.

In seiner Dokumentation zeichnet der in Bariloche aufgewachsene Regisseur Carlos Echeverría das erschreckende Bild des Systems nach, in dem Priebke, anfänglich ausgestattet mit einer neuen Identität, wieder zu Macht und Ansehen gelangt. Erst 1994 wurde Priebke enttarnt und der italienischen Justiz übergeben, die ihn zu 15 Jahren Haft verurteilte.

Schiri im Abseits

Drama, Deutschland 2006.

Der Kinofilm „Schiri im Abseits“ ist das Debüt von Regisseur Lutz Schebesta. Obwohl die Geschichte vom Fall des früheren Fußball-Schiedsrichters Robert Hoyzer inspiriert ist, kann er ohne rechtliche Auseinandersetzungen anlaufen.

Der Liebeskrimi handelt von einem korrupten Fußballschiedsrichter namens Frank Weber (Alexander Hanfland), der sich immer tiefer in Wettmanipulationen verstrickt, um Geld für seine in Finanznöte geratene Geliebte Jessica (Melanie Vollmar) aufzutreiben.

Das koloniale Mißverständnis

Dokumentarfilm, Frankreich 2005.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts deutsche Kolonialisten den Südwesten Afrikas inspizieren, stoßen sie auf eine eingeborene, zum Teil bereits christianisierte Einwohnerschaft, die Eigentum nicht kennt und den Fremden freundlich erlaubt, auf ihrem Grund mitzuwohnen.

Regisseur Jean-Marie Teno zeigt in seiner Dokumentation das Ergebnis der Gastfreundlichkeit: weiße Landnahme, Ausbeutung und Entmündigung der einheimischen Bevölkerung, sowie einen planvollen Völkermord aufgrund des Widerstands.

John & Jane

Dokumentarfilm, Indien 2005.

Callcenter gleich Unterschicht - die Rechnung gilt nicht für Bombay. Wer in Ohio per 1-800-Nummer Schnäppchen jägt, landet unwissentlich in Indien.

Zwischen Hindi-Tradition und Weltmarkt loten die Callcenter-Agenten ihre Identität aus, Schwindelgefühle inbegriffen. Der Dokumentarfilm „John & Jane“ von Regisseur Ashim Ahluwalia nimmt die Globalisierung sportlich.



Text: @aper mit Material aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, von AP und der dpa
Bildmaterial: Concorde/Cinetext, Constantin/Cinetext, ddp, dpa, EZEF/Cinetext, FdK/Cinetext, Kairos Film/Cinetext, Kool Film/Cinetext, Lucas Entertainment, Movienet/Cinetext, Pro-Fun, Progress Film, Sony Pictures/Cinetext

 
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