18. März 2004 Der lange erwartete Umzug des Nachrichtensenders n-tv von Berlin nach Köln ist jetzt beschlossene Sache. Der Aufsichtsrat des Senders kam am Mittwoch überein, für zehn Millionen Euro in Köln-Ossendorf ein neues digitales Sendezentrum einzurichten, von dem aus das Programm von n-tv künftig produziert wird.
Bezogen wird das neue Sendezentrum, das dann der Hauptsitz von n-tv ist, bereits im Herbst. Das wird den Umzug eines größeren Teils der zur Zeit rund 250 Mitarbeiter des Senders erforderlich machen und es wird auch, wie der Informationsdirektor von RTL, Hans Mahr, sagte, zu einem Stellenabbau in noch nicht genau zu benennender Höhe kommen. Die Geschäftsführung und die Chefredaktion von n-tv bleiben derweil in Berlin, ziehen jedoch vom derzeitigen Sendersitz in der Taubenstraße an den Schiffbauerdamm, wo RTL seinen Hauptstadtsitz unterhält. Dort entstehe mit Nachbarn wie CNN, BBC, MTV und Reuters ein regelrechtes Medienzentrum in Berlin, sagte Hans Mahr.
Den Sender technisch zukunftsfähig machen
Die politische Berichterstattung von n-tv und die Talkshows wie etwa "Maischberger" werden weiter vom Regierungssitz aus gestaltet, die Finanzredaktion bleibt in Frankfurt. Aus Sicht des Zuschauers soll sich am Programm und an dessen Zuschnitt nichts ändern, es sei auch derzeit nicht vorgesehen, bestimmte Magazine zu streichen. Die Wirtschaftssendungen von n-tv hatten sich zwischenzeitlich auf dem Prüfstand befunden.
Dies sei "die lang ersehnte Lösung", sagte der RTL-Informationschef Mahr, der seinen Sender im Aufsichtsrat von n-tv vertritt. RTL und CNN/Time Warner halten jeweils fünfzig Prozent der Anteile an dem einst unabhängigen Sender. Mit dieser Entscheidung, sagte Kenneth Jautz von CNN, solle n-tv technisch "zukunftsfähig" gemacht werden. Dank des Sendezentrums in Köln würden zudem die notwendigen Synergieeffekte erzielt. Man wolle schneller und effizienter produzieren. Sein Sender CNN selbst beziehe derzeit in New York ebenfalls ein digitales Sendezentrum.
"Wir wollen die schnellsten und qualitativ besten im Nachrichtengeschäft sein", sagte Hans Mahr, man werde auch weiterhin nicht "auf Orgasmus-Clips" setzen, sondern Nachrichten machen. Damit spielt Mahr auf eine Dokumentation an, die der Konkurrenzsender N 24 aus der Pro-Sieben-Sat.1-Familie kürzlich im Programm hatte, als andere über die Wahl in Hamburg berichteten, "Nachrichten statt Orgasmus" war damals eine Pressemeldung von n-tv überschrieben.
Text: miha.