28. Februar 2005 Der Producer Tobias N. Siebert, der für den Dokumentarfilm Die Geschichte vom weinenden Kamel für den Oscar nominiert war, erzählt von dem aufregenden Abend und den vielen Prominenten.
Wo sind Sie gerade?
Wir sind auf der Untergang-Party im Restaurant Le Dome. Hier feiern unter anderen alle deutschen Nominierten, Oliver Hirschbiegel ist natürlich da, Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara und Luigi; Byamba ist etwas früher nach Hause gegangen. Wir drei waren ja vorher schon beim Governor's Ball, der offiziellen Oscar-Feier für alle Preisträger und Nominierten nach der Verleihung. Damit sind wir mehr als gut versorgt.
Und beim Governor's Ball wurde auch das Büffet von dem Österreicher Wolfgang Puck serviert?
Genau. Das war sehr lecker. Vor allem gab es eine wahnsinnig tolle Suppe vorher, die war irgendwie Grün. Leider weiß ich nicht, woraus sie bestand - aber obendrauf war ein Klecks Kaviar.
Wie groß ist Ihre Enttäuschung, den Oscar nicht bekommen zu haben?
Bei uns dreien hält sich das in Grenzen. Die Geschichte vom weinenden Kamel ist ja so ein kleiner Film gewesen, und wir haben es doch so weit geschafft. Natürlich will man, wenn man es so weit geschafft hat, den Oscar auch noch am liebsten mit nach Hause nehmen. Doch es hat halt nicht geklappt. Allerdings sind wir froh, gegen einen guten Film (Born into Brothels) verloren zu haben, ärgerlich wäre es, gegen einen schlechten Film zu verlieren.
Ihr Film ist aber sonst sehr erfolgreich.
Ja, allein in Amerika spielte er im Kino 1,7Millionen Dollar ein - und als DVD noch einmal 2,5 Millionen Dollar.
Konnten Sie in den vergangenen Tagen wertvolle Kontakte knüpfen?
Das läßt sich nicht so einfach beantworten: Ein paar Leute habe ich schon kennengelernt, ich wurde hier und da vorgestellt, wir haben Business-Karten ausgetauscht - doch was daraus wird, das zeigt sich erst in den nächsten Wochen.
Wie war es denn für Sie, über den roten Teppich zu laufen?
Eigenartig. Plötzlich steht man im Rampenlicht, und alle Welt scheint sich für einen zu interessieren. Wir haben für die wenigen Meter fast eine Stunde gebraucht. Anke Engelke wollte ein Interview, amerikanische Sender wollten uns filmen, und die Italiener haben sich natürlich sehr für Luigi interessiert. Fünf, sechs Interviews haben wir sicher gegeben, und von uns wurden mindestens 500 Fotos gemacht. Und dann habe ich noch kurz mit Morgan Freeman geredet und mit Tim Robbins. Brad Pitt wollte ich auch treffen, der war aber wohl nicht da. Angelina Jolie habe ich leider auch nicht gesehen. Und mit Renee Zellweger konnte ich zwar nicht sprechen, aber es war schon toll, sie nur aus der Nähe zu sehen.
Luigi Falorni und Byambasuren Davaa standen erstmals mit all den anderen Nominierten ihrer Kategorie zusammen auf der Bühne. Wußten die beiden vorher, daß sie so ins Rampenlicht treten würden?
Ja. Zwei Tage vorher mußten sie zu einer Probe. Aber es gab schon länger das Gerücht, daß die Zeremonie dieses Jahr nicht so lange dauern sollte, und um die Wege kurz zu halten, wurden alle Nominierten aus einigen der, sagen wir mal, kleineren Kategorien, auf die Bühne geholt. Was sehr schön war. In den vergangenen Jahren saßen viele der Nominierten in so ungünstigen Positionen, daß sie gar nicht richtig zu sehen waren. Die restliche Zeit saßen wir im Parkett, Reihe 15 würde ich sagen, gleich hinter den besten Darstellern. Neben uns saßen Ross Kauffman, der später den Oscar in unserer Kategorie gewann, und Morgan Spurlock (Super Size Me).
Wenn man auf jeden Fall auf die Bühne muß, stellt sich wohl noch mehr die Kleiderfrage?
Na, selbstverständlich. Bei Männern ist es ja immer recht leicht: Wir hatten die Wahl zwischen Smoking und Smoking. Luigi und ich entschieden uns für Hugo Boss. Byamba hatte es da weniger einfach. Sie wollte unbedingt etwas aus ihrer Heimat tragen. Und das ist ihr auch gelungen, ihr Kleid war wunderschön: Gold, mit leicht grünem Chiffon an den Ärmeln. Ein mongolischer Schneider hatte ihr das extra angefertigt.
Wer zahlt eigentlich Ihre Reise nach Los Angeles?
Unsere Tage hier wurden von der Export-Union der deutschen Filmindustrie gefördert, die sich um die Ausfuhr deutscher Filme bemüht, und vom Film Fernseh Fonds Bayern. Unsere Hochschule hat dann auch noch was draufgelegt, genauso wie der amerikanische Verleiher.
Was sind Ihre nächsten Pläne?
Ich bin mit der Hochschule in München fertig und will erst einmal nach Berlin umziehen, um dort eine Firma zu gründen. Zudem arbeite ich gerade an einem Projekt über Bolivien. Und - ganz aktuell: Wir drei haben gleich nach der Oscar-Verleihung beschlossen, wieder nach Los Angeles zu kommen, um doch noch einen Oscar zu gewinnen.
Die Fragen stellte Peter-Philipp Schmitt.
Text: F.A.Z., 01.03.2005, Nr. 50 / Seite 9
Bildmaterial: REUTERS