Kinofilm „Die Welle“

Auf Wiedersehen, Kinder

Dennis Gansels Film „Die Welle“ zeigt den alltäglichen Faschismus als Schulversuch. Ebenso mühelos, wie Lehrer Wenger, gespielt von Jürgen Vogel, seinen Schülern das Strammstehen beibringt, redet er sich selber ein, er habe seine Gruppe unter Kontrolle. Bis zum blutigen Showdown. Von Andreas Kilb

Lesermeinungen zum Beitrag

15. März 2008 19:48

Am Anfang war und ist Erziehung...! Persönliche These eines Demokraten:

B. Woony (woony)

Wenn ich als Kind in einem eher manipulatorischen(!) und hierarchischem System, egal ob links oder rechts, oder (alt)68er-Dogma (angeblich "anti-autoritär") etc. aufwachse,ist es eher wahrscheinlich diesen "Stil" zu hegen und an nächste Generationen weiterzugeben.Es ist mühsam und ineffizient hierbei feststellen zu wollen,ob dies demokratisch sei, denn es zählt für jene alleine der entsprechende Reflex: narzisstischer Egoismus!
Ergo, schert sich dieser Mensch gar nicht darum ob dieses Verhaltensmuster "links" oder "rechts" herum läuft: i.d.R. geht es diesem Individuum um Profit, Macht (!) und Prestige und ...als Nebenprodukt eine entsprechende Philosophie bzw. Ideologie implentiert wird , (ist doch für´s Individ. geradezu genial!)...gruppendynamischer Effekt eingeschlossen,..ist längst bekannt und wird auch heute noch solange "produziert",wie es Menschen gibt. "Problematisch" wird es erst dann,wenn dies zum Politikum reift, und nicht "political correct" ist. Denn,wann kocht die Volks-Seele" hoch:Na wenn jene Individuen, nicht von diesem Individ. partizipieren!Somit ergeben sich m.E. folgende Fragen:
Was ist die Demokratie,heute, i. engeren Sinn?
Welchen Nutzen hat die Demokratie für jeden einzelnen?
Demokratie: Reformbedarf!!

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15. März 2008 11:54

Illusion

Ann Kathrin Rosenkaimer (Bunnybabe)

Eine kurze Anmerkung zu den Vorkommentatoren, welche "Die Welle" für unrealistisch oder nicht zeitgemäß halten:
Zum einen sollte man nicht vergessen, dass sich das Buch grundsätzlich an einer wahren Begebenheit handelt. (Soviel zu "unrealistisch").
Zum anderen ist es nicht nur blauäugig sondern in meinen Augen auch gefährlich, anzunehmen, der Mensch von heute, der angebliche aufgeklärte Weltbürger, würde sich gravierende von den Menschen vor 60, 50, 40... Jahren unterscheiden. Wie leicht sich Menschen -unabhängig von politischer Richtung, Stand, Bildung, Kulturkreis - zu autokratischen, dogmatischen Strukturen verführen lassen kann man jeden Tag in den Nachrichten sehen (Scientology, religiöser Fundamentalismus, Rechts/Linksradikale um nur einige Beispiele zu nennen).
Und wer glaubt, die Verführung vom aufgeklärten, vernunftgesteuerten Bürger zum gewaltbereiten Menschenverachter braucht eine großangelegte, langdauernde Indoktrination, dem würde ich nahelegen, mal nach dem "Stanford Prison Experiment" zu googeln...

Zu erkennen, wie dünn die Tünche unserer "Zivilisierung" ist, ist der erste Schritt um die Geschichte nicht zu wiederholen.
Schade dass der neue Film diese Gelegenheit scheinbar ungenutzt vorüber ziehen lässt.

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14. März 2008 16:54

Empfehlung

Berthold Grabe (BGrabe)

Alle die das Szenario der Welle unglaubwürdig finden. sollten sich den ursprünglichen Fernsehfilm ansehen, der weit differenzierter die Charactere beschreibt, als dies der etwas platte Kinofilm tut.

Auch als das Originalexperiment an einer amerikanischen Highschool durchgeführt wurde war das mitten in der Aufbruchbewegung der 60ziger Jahre.

Aktuell dürfte es schwierig sein in Deutschland unter ähnlich verbrannten Vorzeichen ein solches Ergebnis zu erzielen. Für andere Ideologien oder mit noch größerem Zeitabstand wächst aber auch wieder die Wahrscheinlichkeit.

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14. März 2008 10:58

Unrealistisch

Andreas Henke (AndreasHenke)

Das Buch war schon nur von idealistischem reflexartigem Faschismusabwehrkampf der 68er getragen und auch nur als realisitsch bewertbar, wenn man in dieser Tradition steht.

Mit der Realität hat dieser erhobene Zeigefinger nichts zu tun.

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13. März 2008 22:11

Schon glaubwürdig,...

Thomas Berger (tberger)

...wenn der Lehrer die Kinder zu einer Gruppe wackerer "Antifaschisten" erziehen würde...

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13. März 2008 13:28

Alles sehr interessant - wenn man die richtigen Schlüsse zieht.

Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)

Das scheint mir aber des öfteren nicht der Fall zu sein. Das Menschen normalerweise soziale Wesen sind hat sich bereits herumgesprochen. Das bedeutet aber auch, daß sie grundsätzlich in Gruppen und Gruppierungen ein besonderes und dann und wann nicht erwünschtes Verhalten an den Tag legen. Wenn also über derartige Erscheinungen nachgedacht wird, sollte man jedenfalls (politische) Parteien und Vereine nicht ausschließen. Gerade dort werden von einzelnen oder kleinen Gruppen Normen gesetzt. Wie richtig oder falsch die sein können lehrt uns das tägliche Leben. Es ist nun mal nicht jeder zum Individualisten geboren. Die von der Gesellschaft so sehr geförderten Parteien und Vereine sind aber die gefährlichsten "Menschenfänger". Übrigens gehören auch Religionsgemeinschaften durchaus dazu. Die Lüge ist nebenbei bemerkt der Einstieg in diese besonderen Verhaltensweisen, wie uns gerade wieder politische Parteien gelehrt haben!

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13. März 2008 12:04

LIVE EXPEIMENT BEREITS GESCHEITERT

Bertram von Steuben (Elim_Garak)

Das erschreckenste Groß-Experiment haben wir doch alle miterleben dürfen: die DDR.
Den Nachhall der Nazi-Geschütze noch in den Ohren baute sich auf deutschem Boden eine radikale Militärdiktatur auf, die einzig angetrieben wurde durch fälschliche Agitation mit umgekehrten Vorzeichen. Heuchlerische Argumente wurde der Bevölkerung so lange schlagwortartig dargelegt, bis auch noch der Letzte sich unter dem Gasagten das Gewollte vorzustellen vermochte...
Ganze Staatsapperate haben andere Namen, etwas andere Uniformen und etwas andere Gruß-Hand-Zeichen bekommen und hatten weiterhin die Macht, die sie vorher auch hatten. Nur ein kleiner Teil erkannte dieses und hatte heldenhaft im Widerstand Mut das "Experiment zu beenden".
Die stechschrittmarschierenden, faustballenden, jubelnden Fähnchenschwenker hat es nach Öffnung der Augen - sorry der Mauer - plötzlich nicht mehr gegeben.
So gesehen hat das Real-Experiment, Millionen zu beeinflussen, doch funktioniert und wird - auch heute noch - für einige erst deutlich, wenn ich einen übersteigerten, grotesken und zudem sehr guten Film daraus mache...
Viele Schauspielerische Innovationen erinnern mich an "das Leben der anderen"...

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13. März 2008 11:56

Unglaubwürdig

Stefan Laß (Lass77)

Schon als Schüler fand ich das Buch "Die Welle " unglaubwürdig und vordergründig. Innerhalb kürzester Zeit aus starken, kritischen Individuen eine uniforme Masse zu produzieren ist zu platt. Das passt nicht in unsere Zeit, in der Autoritäten fast keine Rolle mehr spielen und jeder seine Individualität betont. Selbstverständlich ist erzwungene Individualität auch wiederum nur kollektiver Zwang, aber doch nicht zentralplanerisch gesteuert.
Mir ist "Die Welle" zu leicht zu interpretieren, die Analogie liegt zu sehr auf der Hand. Da gibt es nichts Zweideutiges, nichts Tiefgründiges. Ich habe keine Lust, den Film zu sehen.

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