29. Januar 2008 Die diesjährige Berlinale verspricht glamourös zu werden. Rock- und Poplegenden wie die Rolling Stones, Madonna, Patti Smith und Neil Young haben sich ebenso angekündigt wie die Hollywoodstars Penélope Cruz, Scarlett Johansson und Ben Kingsley. Wir werden schon keinen toten, sondern einen roten Teppich haben, sagte denn auch Festival-Direktor Dieter Kosslick am Dienstag bei der Vorstellung des Programms.
In allen Sektionen werden 384 Filme zu sehen sein, elf mehr als 2007. Die 58. Internationalen Filmfestspiele beginnen am 7. Februar mit Martin Scorseses Dokumentarfilm Shine A Light über die Stones. Auf dem roten Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz werden Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ron Wood erwartet. Die Produktion läuft im Wettbewerb allerdings außer Konkurrenz.
Kommt Julia Roberts?
Bis zum Ende der Festspiele am 17. Februar haben noch zahlreiche weitere Stars ihr Kommen angekündigt. Unter anderem stehen John Malkovich, Willem Dafoe, Eric Bana, Natalie Portman, Kristin Scott Thomas, Mia Farrow, Tilda Swindon, Isabella Rossellini, Emily Watson sowie der indische Bollywood-Star Shah Rukh Khan auf der Gästeliste. Ob Julia Roberts kommt, ist noch offen. Da gebe es noch keine Bestätigung, sagte Kosslick.
In das Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären gehen in diesem Jahr 21 Produktionen aus 19 Ländern, fünf stehen zudem außer Konkurrenz im Wettbewerb. Chancen dürfen sich auch zwei deutsche Filme ausrechnen. Doris Dörries Mitte Januar bereits beim Bayerischen Filmpreis ausgezeichnetes Drama Kirschblüten Hanami erzählt die Geschichte eines unheilbar an Krebs erkrankten Mannes (Elmar Wepper), dessen lebenslustige Frau (Hannelore Elsner) unerwartet stirbt. Luigi Falorni, der mit Der Geschichte vom weinenden Kamel bekannt wurde, startet mit der Verfilmung des Romans Feuerherz von Senait Mehari. In ihm schildert sie ihre Kindheit in den Wirren des Unabhängigkeitskriegs Eritreas gegen Äthiopiens in den Lagern einer Befreiungsarmee.
Erstmals Dokumentarfilm im Wettbewerb
Besonders politisch werde das Festival aber in diesem Jahr trotzdem nicht, sagte Kosslick. Darüber täuscht auch nicht hinweg, dass erstmals ein Dokumentarfilm im Wettbewerb der Berlinale steht: S.O.P. Standard Operating Procedure (Vereinigte Staaten) von Errol Morris - eine Dokumentation über die Menschenrechtsverletzungen im Gefängnis von Abu Ghraib im Irak.
Im Fokus steht 2008 die Musik. Das wird schon irgendwie eine Musik-Berlinale, sagte Kosslick. In allen Sektionen gebe es Filme über und von Musikern. Madonna präsentiert ihr Regiedebüt Filth and Wisdom. Rocklyrikerin Patti Smith ist zu sehen in Steven Sebrings Film Dream of Life. Neil Young wird seinen Dokumentarfilm CSNY Déjà Vu über die Tournee von Nash & Young von 2006 vorstellen. Darüber hinaus stehen Spiel- und Dokumentarfilme über die Hip-Hop-Jugendkultur in Afrika und Asien auf dem Programm. So zeichnet zum Beispiel die Produktion Warchild den Aufstieg eines ehemaligen sudanesischen Kindersoldaten zum Hip-Hop-Star nach, und die deutsche Produktion Love, Peace & Beatbox wirft einen Blick auf die Berliner Hip-Hop-Szene.
Diane Kruger in der Jury
Über die Gewinner der Preise entscheidet am 16. Februar eine achtköpfige Jury unter Vorsitz des französischen Regisseurs Constantin Costa-Gavras (Politthriller Z). In dem Gremium sitzt mit Diane Kruger auch eine prominente Deutsche, die in Hollywood erfolgreich ist. Auch ihre französische Kollegin Sandrine Bonnaire ist mit dabei, ebenso die dänische Regisseurin Susanne Bier, der deutsche Szenenbildner Uli Hanisch, der amerikanische Sounddesigner und Cutter Walter Murch, der russische Filmproduzent Alexander Rodniansky und die Schauspielerin Shu-Qi aus Taiwan.
Ein Bären-Gewinner steht bereits fest: Der italienische Regisseur Francesco Rosi wird am 14. Februar mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Mit der Berlinale-Kamera werden der österreichische Schauspieler Karlheinz Böhm und sein deutscher Kollege Otto Sander ausgezeichnet. Böhm werde am 13. Februar für sein Wirken im deutschen Film und für sein humanitäres Engagement als Gründer der Organisation Menschen für Menschen geehrt, teilte die Berlinale mit. Sander werde am 15. Februar für seine Verdienste um den Film und sein langjähriges Filmschaffen ausgezeichnet.
Im Mittelpunkt der Retrospektive steht in diesem Jahr der 1983 gestorbene spanische Regisseur Luis Bunuel mit einer umfassenden Werkschau seiner Filme. Hinzu kommen Arbeiten, bei denen er als Regie-Assistent, Drehbuchautor oder Produzent tätig war. Obwohl in diesem Jahr wie bereits 2007 lediglich zwei deutsche Filme im Wettbewerb vertreten sind, ist das deutsche Kino nach Ansicht Kosslicks weiter auf einem guten Weg. Insgesamt liefen ungefähr 80 deutsche Filme und Co-Produktionen auf der Berlinale.
Text: FAZ.NET mit Material von AP, dpa und AFP
Bildmaterial: AP
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