Wahlkampf

Stoiber lehnt Fernsehdebatte ab

Wie werden sich Stoiber und Lafontaine duellieren?

Wie werden sich Stoiber und Lafontaine duellieren?

15. August 2005 Wer sich schon auf ein Fernsehduell zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) und seinem ideologischen Hauptgegner Oskar Lafontaine (Linkspartei) gefreut hat, wird wohl enttäuscht werden: Nach neuesten Bekundungen vom Dienstag will sich Stoiber nun in einem Print-Duell mit dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden messen.

Es lägen bereits mehrere Angebote von Printmedien vor, sagte ein Sprecher Stoibers der Zeitung „Welt“. Zuvor hatten sich mehrere Fernsehsender zur Übertragung eines Schlagabtausches auf dem Bildschirm bereit erklärt.

„Von einem Rückzieher kann keine Rede sein“

Lafontaine hat zugesagt

Lafontaine hat zugesagt

„Stoiber sucht keine Show mit Lafontaine, sondern eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Aussagen dieser neulackierten PDS“, sagte ein Sprecher des CSU-Vorsitzenden der Zeitung (Dienstagausgabe). Er setze „ganz bewußt“ auf eine inhaltliche Diskussion und wolle auch keine Konkurrenz zu dem Fernsehduell der Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) mit Kanzler Gerhard Schröder (SPD) am 4. September.

CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte dem „Tagesspiegel“ (Dienstagsausgabe), in einem Print-Duell seien „die Argumente beider Seiten in einer Form dokumentiert, in der sich die Menschen selbst am besten ein Bild machen können“. Von einem Rückzieher Stoibers könne „absolut nicht“ die Rede sein, da ein TV-Duell zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten und dem Linkspartei-Kandidaten nie zur Debatte gestanden habe, bekräftigte ein CSU-Sprecher.

„Mit dem größten Vergnügen“

Stoiber hatte der „Bild“-Zeitung vom Montag gesagt: „Ich erkläre mich dazu bereit, mich in einem Schlagabtausch mit dem früheren SPD-Vorsitzenden und jetzigen PDS-Spitzenkandidaten Lafontaine inhaltlich über die Folgen einer Wahl der PDS auseinanderzusetzen.“

Lafontaine, der zusammen mit Gregor Gysi an der Spitze der Linkspartei in den Wahlkampf zieht, hatte zum Angebot Stoibers erklärt: „Mit dem größten Vergnügen nehme ich die Herausforderung des vom Zuspruch der Wählerinnen und Wähler für die Linkspartei frustrierten bayerischen Ministerpräsidenten an.“

RTL ist „sehr interessiert“

Die WASG forderte, Stoiber solle sich einem Fensehduell stellen. „Wenn Herr Stoiber seiner Sache sicher ist, sollte er nicht zurückrudern, sondern sich einem TV-Duell mit Lafontaine stellen“, sagte WASG-Sprecher Cakir der „Netzeitung“. Eine Fernsehdiskussion wäre im Privatfernsehen ohne weiteres möglich gewesen.

Eine Debatte zwischen Stoiber und Lafontaine werde sicher auf großes Interesse in den neuen Bundesländern stoßen, sagte Sat1-Sprecherin Kristina Faßle. RTL-Sprecher Bolhöfer äußerte Interesse an einer Übertragung, sollte es doch noch zu einem Fernsehduell kommen.

Nach Kritik an seinen umstrittenen Äußerungen über Ostdeutschland hatte der bayerische Ministerpräsident erklärt, damit auf die Linkspartei gezielt zu haben. Vor allem habe er die Wähler darauf hinweisen wollen, welche Folgen es für Wirtschaft und Investitionen in Deutschland hätte, wenn die PDS drittgrößte Partei im Bundestag würde. In Wahlkampfreden hatte Stoiber unter anderem gesagt, der Osten dürfe nicht wieder bestimmen, wer Kanzler werde. Die Frustrierten dürften nicht über die Zukunft Deutschlands bestimmen.

Kritik aus der CDU

Zuvor war vor allem in den Reihen der CDU Kritik laut geworden, der Unionswahlkampf werde von Äußerungen Stoibers überlagert. Ostdeutsche SPD-Spitzenpolitiker forderten Kanzlerkandidatin Angela Merkel auf, keine auf Ostdeutschland gemünzten Attacken mehr zuzulassen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Eckhardt Rehberg, sprach sich gegen Stoiber als Wahlkämpfer in Ostdeutschland aus. „Die Art, wie sich Herr Stoiber ausdrückt, verletzt viele Menschen im Osten“, sagte Rehberg am Montag im Südwestrundfunk.

(Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Die Union und der Osten)

Text: FAZ.NET mit Berichten von Reuters/AFP
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb, picture-alliance/ ZB

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