Bene66 sagt, es gebe hier wie so oft "zwei Wahrheiten". Das ist meiner Meinung nach sehr selten, das es nur zwei gibt.
Die Annahme dass es zwei polare Meinungen gibt, und das die "richtige" Wahrheit so ziemlich in der Mitte liegt (letzteres hat Bebe66 nicht gesagt), vereinfacht dieses Problem zu sehr.
Eine Enzyklopaedie kann doch eine Reihe von verschiedenen Ansichten auflisten. Wikipedia kann das auch, und manchmal wird das auch so getan.
Aber Wikipedia kann im Einzelnen ueberrannt werden, so etwas wie eine "Denial of Service Attack".
Auch als Faz-Leser sollte man blaue Augen haben!
Hier wird, wie so oft, über die Zuverlässigkeit von Wikipedia berichtet. Erfreulich ist, daß der Artikel hier eine insgesamt gute Note erteilt.
Natürlich wird es immer das Problem geben, daß es "zwei Wahrheiten" gibt, wie es im Falle Tibet geschildert wird. Beide haben -vermutlich - eine Berechtigung.
Interessant wäre es, im gleichen Zusammenhang zu erörtern, wie andere anerkannte Enzyklopedien, z.B. der Brockhaus, dieses Thema angehen. Auch hier muss man sich für "eine Wahrheit" entscheiden, oder das Thema aussparen. Leider werden diese herkömmlichen Enzyklopedien nicht in der Presse im gleichen maße kommentiert wie Wikipedia.
Der Autor des FAZ-Artikels, Klemens Ludwig, war von 1994 bis 2000 Vorsitzender der Tibet Initiative Deutschland. So steht es zumindest auf der Webseite des Vereins.
http://www.tibet-initiative.de/frames.html?Seite=/Kap9/ludwig.html
Für die FAZ-Leser wäre das sicherlich eine nützliche Information gewesen. Der Blogger Thomas Wanhoff zitiert in diesem Zusammenhang den Kodex der FAZ:
"Ihr Ziel ist es, einen möglichst hohen Lesernutzen zu stiften. Sie sieht dazu als unabdingbare Voraussetzung ihre journalistische Unabhängigkeit, die wiederum ihre Glaubwürdigkeit begründet."
http://weblog.wanhoff.de/?p=252
Da hat sich die FAZ ein wenig unglaubwürdig gemacht.
Es könnte von einer gewissen Relevanz für den Artikel und seiner Tonalität sein, zu wissen, das Klemens Ludwig sechs Jahre lang Vorsitzender der oben erwähnten "Tibet Initiative Deutschland e.V." war.
Hielten offensichtlich weder Herr Ludwig noch die FAZ-Redaktion für notwendig. Soviel zur Meßlatte "Seriösität".
Das Problem dieser "Enzyklopädie" ist, das sich diejenige Beschreibung oder Definition als die richtige durchsetzt, von der die Mehrheit glaubt, dass sie richtig ist. Mainstream eben!
Wikipedia liefert viele gute Beispiele dafür, wie Paradigmen zu vermeintlicher Wahrheit werden. Man muss nicht einer Minderheit angehören um das zu entdecken, aber es hilft.
Wieso kommt Autor Klemens Ludwig eigentlich zum Schluss, dass hier ein Problem der Wikipedia vorliegt? Hat der Autor denn einmal die Angaben der Tibet-Initiative überprüft? Wieso hat diese Initiative nach Meinung des Autors offenbar automatisch recht? Im Artikel steht rein gar nichts darüber, daß diese Initiative aus welchen Gründen auch immer vertrauenswürdig ist. Seltsamerweise versucht man sich der Sache in der Wikipedia von einem neutralen Standpunkt aus zu nähern, von der Initiative kann ich leider nur eindeutigge Wertungen erkennen.
Was ist denn nun richtiger für eine Enzyklopädie?
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