Stauffenberg-Film

Wir in ihren Augen

Spezial Wer Cruise sieht, wie er Stauffenberg spielt, wie er die Behinderung verinnerlicht, wer die brillanten Dialoge hört, kann eine Wette eingehen: Der Film wird das Bild von Deutschland in der Welt auf Jahrzehnte prägen. Frank Schirrmacher hat Tom Cruise und Regisseur Bryan Singer in Potsdam getroffen.

Lesermeinungen zum Beitrag

06. September 2007 17:39

Rätselhafte Kritik

Hartmut Zingel (H.Zingel)

Was kann uns Deutschen denn mehr erfreuen als ein offenbar mit Sorgfalt inszenierter und mit einem internationalen Superstar besetzten Hollywood-Film, der zeigt, dass es sehr wohl Widerstand gegen das Naziregime in Deutschland gab. Gerade in den ehemals alliierten Ländern gilt auch heute noch das von den Geheimdiensten geprägte
Bild, dass jeder Deutsche zu der Zeit ein Nazischwein war. Das half der Kampfmoral der Truppe. Nur keine Differenzierung, her mit der Verallgemeinerung.
Also worauf basiert die Kritik an diesem Film in Deutschland?
Sollte unser Widerstandsidol nur von einer einwandfreien, regierungstreuen deutschen Produktion produziert und von Stauffenberg durch einen natürlich deutschen, vielleicht sogar arischen, mit der richtigen Religion versehenen Hauptdarsteller gespielt werden?
Es wird wirklich Zeit, dass wir unser, durch das Naziregime so dauerhaft lädiertes Selbstverständnis, unseren Stolz und unsere Integrität wieder zurückgewinnen. Wenn dieser Film mit Tom Cruise dazu beiträgt - wäre das nicht ein Erfolg?

H.Zingel

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05. September 2007 14:59

Fortsetzung Schuldkomplex

angela roberts (angero)


Ist das so? Selbsthass??
Es mehren sich die Stimmen, es sollte mal gut sein mit der Nazizeit und überhaupt Deutschland hat sich verändert - stimme ich zu - und hat es nicht nötig sein Ansehen via Hollywoodfilm zu verbessern, die ja nicht unbedingt Ausgeburt von Differenziertheit sind, sondern gängigen Erzählmodi folgen, weil sie einfach Geld einspielen müssen*) OK, es schadet nicht, aber ist es wichtig? hat Deutschland das nötig, welcher Vorstellung rennt man denn da hinterher. Ist das nicht die Fortsetzung des alten Schuldkomplexes: Aber bitte jetzt (arielrein) waschen - und der alte Gegner soll's besorgen. Das adelt mehr. Wessen Ego wird da gestreichelt mit der späten 'Rehabilitierung'.
Wer nicht mit Vorurteilen leben kann, kann's gleich vergessen - und die meisten Urteile sind solche, manchmal kommen sie nur elaborierter daher.
Eine differenzierte Auseinandersetzung stelle ich mir anders vor - jenseits der Gut-Böse-Schemata.
* was ja nicht heißt, dass da nicht Großartiges in diesem Rahmen zustande kommt, aber ein Film mit T. Cruise wird nun mal kein Autorenkino

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05. September 2007 11:41

Drehgenehmigung im BMVg.....?

wolf haupricht (emilgilels)

Es sollte nicht übersehen werden, dass die Spitze des BMVg im Berliner Bendlerblock ihren Dienst verrichtet. Nennen Sie mir einen Staat, wo im Verteidigungsministerium für längere Zeit eine Drehgenehmigung für die Herstellung eines Spielfilms gegeben wurde. Wenn die Filmleute erst einmal vor Ort sind, hat alles andere zurück zu stehen, weil die sich mehr als breit machen. Von daher wäre die Erteilung einer Genehmigung sicherheitskonträr.

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05. September 2007 08:29

Schirrmmacher ist zuzustimmen...

Enrico Fels (enFels)

daher: Erteilung der Drehgenehmigung für den Bendler-Block!

Es ist unglaublich, wie der Selbsthass unserer Nation uns daran hindert, das Bild eines besseren Deutschlands, eines Landes jenseits Hitlers, zuzulassen. Die Schikanen, die man dem Stauffenberg-Film bereitet, sind ein gutes Beispiel dafür.

Ein wirklich gelungener Kommentar, lieber Herr Schirrmacher!
MfG
Enrico Fels

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03. September 2007 23:13

Das Böse besiegen

Alexander Döring (ADU1)

Ich habe nun einige der Leserbeiträge gelesen und man bemerkt einen großen Unterschied zwischen denjenigen die den Artikel verstanden haben, und denjenigen die sowohl die Wichtigkeit des Artikels als auch die Bedeutung des Films unterschätzen. Der Artikel wurde ja nicht von irgendeinem Autor geschrieben, sondern von einem der Herausgeber dieser Zeitung. Und auch Stauffenberg wird nicht von irgendeinem zweit Klassiegen Hollywoodneuling gespielt, sondern von Tom Cruise, der Mann der seit den Mission Impossible Filmen und auch seit der Diskussion um seine Person und Religion weltweit so bekannt ist, dass es erst diese Aufmerksamkeit schafft, den Film die Bedeutung zu bringen die er verdient.
In Deutschland wird denen die Direkten widerstand übten, sei es die Weiße Rose oder auch die Gruppe um Stauffenberg, viel zu wenig Platz und Achtung in der heutigen Gesellschaft eingeräumt. Natürlich gab es in der Vergangenheit viele Filme über das dritte Reich und sicher waren einige auch überflüssig da sie eine falsche Nachricht übermittelten. Vielleicht übermittelt sogar "Der Untergang" eine falsche Botschaft, nämlich die, dass es das Böse gibt und zuwenig die anthropologische Möglichkeit dieses Böse zu besiegen.

Alexander Döring

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03. September 2007 22:26

"Stauffenberg hätte Hitler ganz einfach mit seiner Pistole erschießen können"?

Wolfgang Kaiser (WolfgangKaiser)

Das ist ja ein interessanter Aspekt! Wie denn, mit nur einer verbliebenen Hand mit nur noch drei Finger? Und abgegebener Waffe im Führerbunker! Mit nur einem Auge, einen Hitler, der u.a. ständig eine Panzer-Weste trug, mitten im Kreise seiner treuesten Gefolgschaft!
Offenbar haben Sie, Herr Festge, auch nicht den blassesten Schimmer von der führenden Bedeutung des charismatischen Stauffenbergs für die militärische Widerstandsgruppe, sonst würden Sie hier nicht seinen Opfertod einfordern, den er selbst übrigens nie von sich abgewiesen hat!

Dass Sie sich bei Ihrer Bewertung offen auf die sog. Kaltenbrunner- Berichte an Bormann und Hitler berufen, spricht für sich und bedarf wirklich keines weiteren Kommentars!

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03. September 2007 03:36

Schindlers Liste war kein Problem!

A. Malliki (a.malliki)


Tom Cruise möchte gerne einen Oskar gewinnen! Spielberg schaffte es mit "Schindlers Liste". Warum soll das mit Stauffenberg nicht auch möglich sein.

Sonst belegt Hollywood die Nazischurken immer gerne mit deutschen Gesichtern, aber unseren angeblichen Volkshelden (in Naziuniform, der sich 1944 zum Widerstand entscheidet) darf nur ein Amerikaner spielen.

Dazu kommt eine Diskussion in Deutschland in gang, die sich mit der Religion oder Sekte des Schauspielers beschäftigt. Dieser soll sogar aufgrund seines Glaubens gar diese Rolle nicht bekommen.

Eine bessere Werbung kann dieser Film und Deutschland doch gar nicht bekommen.

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02. September 2007 21:46

Religiös ???

uwe gottwald (ugottwald)

"Es ist nicht richtig, nach den religiösen Überzeugungen eines Schauspielers zu fragen"

Dass die Gegen-Projektionen eines kleineren Herrenmenschenschauspielers (Scientologe) einen größeren (HITLER) zerstören mögen , wirft ja ein bezeichnendes Bild auf den bizarren Blick des Autors !

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02. September 2007 16:37

Hollywood leidet an Ideenlosigkeit

Kirstin Minge (KirstinMinge)

Positiv überrascht wäre ich von dem Film, wenn er sich nicht als überzogenes Stereotypen-Theater zeigt. Das der Film allerdings wirklich interessant wird, fällt mir schwer zu glauben. Dafür bin ich zu wenig überzeugt von den schauspielerischen Qualitäten des MIF-Agenten Tom Cruise. Aber wenn am Ende die Kinokassen klingeln, dann wird es international hoffentlich auch ein paar gute Deutsche im 3ten Reich gegeben haben. Dann gestalten sich meine Auslandsaufenthalte auch wieder etwas angenehmer.

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02. September 2007 15:32

Und dann?

O Fischer (ogfblb)

Das ist ja ein schöner Werbebeitrag für den Film. Aber ich befürchte, ohne den Hr. Stauffenberg oder Cruise zu nahe treten zu wollen, dass der Film in Deutschland nicht den gewünschten Kinoerfolg feiern wird. Ich glaube nach über 60 Jahren sind wir es leid, immer an unsere Vergangenheit erinnert zu werden. Wir wollen nicht vergessen aber weiter leben.

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02. September 2007 14:54

Gartenzwerge im Bendlerblock

Bernd Löhr (tholomaz)

Gut, dasss sich eine gewichtige Stimme wie die des Autors zu dem Thema erhebt. Mal abgesehen davon, dass er verdeutlicht, wie mühselig und langwierig die Erkenntnisprozesse zum Geschehen um das das Dritte Reich sind, und wie weit man noch von einer ehrlichen
Subsumption und Wahrnehmung entfernt ist, zeigt Schirrmacher auch auf, wie verschwiemelt und verkrampft die politsche Klasse in Deutschland mit dem Phänomen des Hitlerismus umgeht. Er zeigt am Rande auch, was für schwache Charaktere an der Entscheidungsfindung in Sachen Dreharbeiten am Bendlerblock beteiligt waren.

Es freut mich, dass dem Projekt eine solche Perspektive zugebilligt wird. Mögen die teutonischen Gartenzwerge, die stets in vorauseilendem Gehorsam der jeweiligen vermuteten politisch korrekten Fassung hinterherlaufen, weiterhin dem Lichte ihrer Transfunzeln folgen; hoffentlich landen sie auf dem Komposthaufen der Geschichte.

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02. September 2007 14:44

staufenberg film, wir in ihren augen, f.schirrmacher, 01.09.07

alexander mamatis (alexmamatis)

wie wahr! der showbizfilm aus hollywood ist ein geschenk vom himmel.

auf allen kontinenten werden wegen tom cruise und bryan singer ab naechstem jahr zichmillionen erleben, wie der gute den boesen herrscher seines landes in die luft sprengen moechte. fuer die meist juengere generation der kino- und dvdzuschauer wird es evtl. nur beim abenteur bleiben. fuer einige wenige geschichtsbewusste koennte sich der blickwinkel auf die gruende des widerstands leicht verschieben.

es ist z. zt. jedoch unvorstellbar, dass das kapitel nazideutschland in englischen, franzoesischen, russischen, israelischen und anderen schulgeschichtsbuechern wegen staufenberg umgeschrieben wird.

anders in deutschland. dieses land ist m.e. das einzige auf dem planeten erde, das in vollen zuegen dabei ist, seine geschichte aus dem 20. jahrhundert durch eine bewaeltigungstherapie zu heilen. das ist schon ein geschichtlich einzigartiges ereignis.

ausreichend frischen stoff zur gegenwart und der bewaeltigung deutscher vergangenheit, ob nazihaft, religioes oder politisch gepraegt, liefern tom cruise, sein regisseur und scriptschreiber.

wird sie deutschland dafuer jemals dankbar auszeichnen? ja, nach vollzug der nazitherapie.

gr- alexander mamatis

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02. September 2007 14:42

Unsinn

Marc Müller (Krzyzak)

Es gibt schon mehrere Verfilmungen dieses 20. Juli. Wir müßten es eigentlich nicht nötig haben aus einem strahlenden Stern in dunkler Nacht ein Hollywood-Heldenepos zu machen.
Es war eine richtige Entscheidung Tom Cruise nicht im Bendlerblock drehen zu lassen.
Langsam habe ich genug von amerikanischen Regisseuren und Schauspielern, die aus jeder Geschichte einen Actionfilm machen wollen.
Wie nah dieser Film an der Realität sein wird, mag ich noch nicht zu beurteilen.
In diesem Artikel stimmt einzig und allein, daß dieser Film das Bild Deutschlands und des deutschen Widerstands in der englischsprachigen Welt prägen wird.
Und deshalb ist es mehr als fragwürdig, ob ein Mann wie Tom Cruise, der Mann aus Mission Impossible und Eyes Wide Shut der Richtige für die Rolle des Grafen Stauffenberg war.
Tom Cruise als Stauffenberg, das ist wie Mutter Theresa als Lady Di.


Marc Müller

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02. September 2007 14:36

Seltsam

Ludwig Wolff (taetervolk)

Die Argumentation geht jetzt also folgendermassen:
Cruise ist zwar ein übler Sektierer, aber jetzt wird er die Geschichte des Widerstands und ihres Helden in die Welt hinaustragen und das Bild Deutschlands zum Besseren ändern.
Das kommt mir bekannt vor. Kennen Sie den folgenden Spruch ?
Hitler war zwar ein übler Nazi, aber er hat ja die Autobahnen gebaut.

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02. September 2007 14:15

Nur ein Wort:

Wolfgang Kaiser (WolfgangKaiser)

SUPER!!!

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