Peter Falk wird achtzig

Unser amerikanischer Freund

Von Andreas Kilb

Der ewige Columbo: Peter Falk

Der ewige Columbo: Peter Falk

16. September 2007 Es soll Leute geben, die nicht wissen, dass Peter Falk Filmschauspieler ist. Sie halten ihn für einen Inspektor des Los Angeles Police Department namens Columbo, Vorname unbekannt – und sie haben gute Gründe dafür. Mehr als siebzigmal hat Falk seit 1971 im hellbraunen Trenchcoat vor der Kamera gestanden und den Mörder überführt. Seine Gesichtszüge, seine Gestik gehören zur Fernseh-Folklore ganzer Generationen: wie er den Arm hebt, wenn ihm beim Hinausgehen aus dem Zimmer des Hauptverdächtigen noch eine Frage einfällt; wie er Zigarre raucht und sich beim Nachdenken am Kopf kratzt; wie er sein gläsernes rechtes Auge zusammenkneift, wenn es ernst wird.

Wenige wissen, dass der Regisseur der ersten „Columbo“-Folge (nach dem Pilotfilm „Lösegeld für einen Toten“) Steven Spielberg hieß und dass Falk während seiner frühen Jahre als Columbo zugleich seine besten Spielfilme drehte, „Ehemänner“ (1970), „Eine Frau unter Einfluss“ (1974) und „Opening Night“ (1977), alle unter der Regie seines Freundes John Cassavetes. Eine Zeitlang hielt Falk seine Kinoarbeit und den Fernsehruhm im Gleichgewicht, dann, besonders nach dem Tod von Cassavetes, gewann das Fernsehen die Oberhand.

Schicksal und Glück

Als Peter Michael Falk, geboren 1927 in Ossining, New York, drei Jahre alt war, verlor er sein rechtes Auge durch einen Tumor. Dieser Schlag wurde sein Schicksal und sein Glück. Mit achtzehn wollte er zur Kriegsmarine, wurde aber wegen seines Glasauges ausgemustert und fuhr als Koch zur See. Mit dreißig stellte er sich bei den Columbia-Studios in Hollywood vor, die ihn seiner Behinderung wegen abwiesen. Warner Bros. waren weniger borniert und gaben ihm einen Part in Nicholas Rays „Wind across the Everglades“. Bis 1970 spielte Falk mehr als vierzig Fernseh- und Kinorollen, für „Murder Inc.“ und Capras „Die unteren Zehntausend“ wurde er als bester Nebendarsteller für einen Oscar nominiert. Dann kam „Columbo“.

In „Der Himmel über Berlin“, den Wim Wenders 1987 drehte, spielt Peter Falk sich selbst. Er steht an einer Kaffeebude im Berliner Niemandsland, der Engel Damiel unsichtbar neben ihm, und dann sagt Falk: „Ich kann dich nicht sehen, aber ich spüre, dass du da bist.“ Und schüttelt der Leere die Hand. Und sagt: „Compañero.“ Es ist absurd und kitschig, und es ist eine der schönsten Szenen der Filmgeschichte. Aber Peter Falk, das ist klar, wird immer Columbo bleiben, unser amerikanischer Freund im Fernsehen. Am heutigen Sonntag wird er achtzig Jahre alt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/Distler, Cinetext/Morgan, Universal Pict.Int.Ger./Cinetext

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