14. Januar 2004 "Bianca - Wege zum Glück" lautet der Arbeitstitel der "Telenovela", die das ZDF nach lateinamerikanischem Vorbild, aber mit hiesiger Prägung vom kommenden Herbst an in seinem Nachmittagsprogramm zeigen wird. Die Verträge mit den Produzenten, den Firmen Grundy/Ufa und Teamworx, seien unterschrieben, teilte der Sender auf Anfrage mit. Die täglich laufende Serie wird zweihundert Folgen umfassen, jede Episode ist 42 Minuten lang, der Produktionskostenrahmen soll bei achtzehn Millionen Euro liegen. Koproduzent ist neben dem ZDF der österreichische Rundfunk ORF.
"Tägliche Formate mit eigener Ausprägung", sagt der Programmdirektor des ZDF, Thomas Bellut, auf die Frage nach den Beweggründen für eine solche Produktion, gehörten "heute zum Standard". Zudem sei eine solche selbstproduzierte Telenovela auf dem deutschen Fernsehmarkt nicht nur etwas Neues, sondern auch "wirtschaftlich sehr interessant".
Große Gefühle für die gute Quote
Sie markiere den Einstieg des ZDF in ein sehr "kostengünstiges" Format, das sich auch sehr gut vermarkten lasse. Zudem soll sie dem ZDF den perfekten Übergang vom Nachmittags- ins Vorabendprogramm bringen. Gegenstand der Handlung ist, wie der zuständige Redaktionschef Claus Beling sagt, "das große Gefühl". Allen anderen Vorurteilen zum Trotz schlage die "große, emotionale Erzählweise" im Fernsehfilm nach wie vor alles. Das ist eine Einschätzung, die der Blick auf die Stücke, die letztes Jahr das größte Publikum anlockten, bestätigt: Da lag das "Traumschiff" des ZDF mit 10,22 Millionen Zuschauern noch vor dem besten "Tatort", der Episode "Bienzle und der Tote im Teig" vom SWR mit 9,82 Millionen Zusehern.
Einen "besonderen Look" werde die Telenovela des ZDF haben, verspricht Beling. Ein "eskapistisches, rein romantisches Format" werde es sein, sagt der Produzent Christian Popp von der Grundy/Ufa. Es gehe um eine weibliche Hauptfigur und deren Geschichte, die pünktlich zur zweihundersten Folge, das darf man jetzt schon verraten, genregemäß in ein Happy-End mündet. Dies sei eine "große und mutige Programmentscheidung", meint der Produzent Popp, ein besonderes Zeichen zumal in einer Zeit allgemeiner Zurückhaltung. Man werde die Geschichte, sagt der ZDF-Redaktionschef Beling, in der "gehörigen Modernität und den hiesigen Verhältnissen entsprechenden Emotionalität" entwickeln.
Nicht einfach nur Daily Soap
Sie werde sich, das versprechen die Verantworlichen unisono, sowohl vor den Vorbildern aus Lateinamerika wie von den inzwischen "Daily Sopas" unterscheiden. "Wir verfolgen eine epische Dramaturgie", sagt Joachim Kosack, der Produzent von Teamworx, der die Geschichte erdacht hat, eine Story "mit einem Anfang, einer Mitte und einem ganz großen Ende". Kosack will mit dem Titel "Wege zum Glück" ein "großes Label" schaffen, "unter dem man einmal im Jahr eine große Geschichte zu Ende erzählen kann". Und im nächsten Jahr dann eine zweite, dritte und vierte.
Abgelöst wird "Bianca - Wege zum Glück" übrigens von einem zweiten, täglichen Format, einer Polizeiserie namens "Im Einsatz", die das ZDF gemeinsam mit der Frankfurter Produktionsfriasm U5 erstellt und die für das Nachmittagsprogramm sich durch ein Attribut eignen soll, das den Krimi sonst nicht auszeichnet: Sie werde "gewaltfrei" sein, heißt es beim ZDF. Alles andere würde die Harmonie auch stören.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2004, Nr. 12