Deutscher Filmpreis

Alles auf Zucker

Der Favorit: “Alles auf Zucker“ mit Henry Hübchen

Der Favorit: "Alles auf Zucker" mit Henry Hübchen

08. Juli 2005 Zum ersten Mal vergibt an diesem Freitag abend die Deutsche Filmakademie den Deutschen Filmpreis in 15 Kategorien. Der Preis ist mit insgesamt rund drei Millionen Euro dotiert, davon entfallen 500.000 auf den Siegerfilm und jeweils 400.000 auf zwei weitere Filme. Wir haben uns die sechs nominierten in der Kategorie bester Spielfilm angesehen und ihre Stärken, Schwächen und Chancen geprüft.

„Agnes und seine Brüder“ von Oskar Roehler

Stärken: Roehler liebt die extremen Gefühle und schrillen Frequenzen, er hat ein Gespür fürs Melodrama und ist damit einzigartig im deutschen Kino.

Schwächen: Wo er auch noch zeigen will, was alles falsch läuft in unser Gesellschaft, überzeugt er am wenigsten.

Chancen: „Agnes“ ist kein Konsensfilm. Am ehesten kann man sich noch einen Preis für Katja Riemann (beste weibliche Nebenrolle) vorstellen, doch das „Untergangs“-Duo Corinna Harfouch und Juliane Köhler ist eine harte Konkurrenz.

„Alles auf Zucker“ von Dani Levy

Stärken: Schnell, witzig, mit einem grandiosen Henry Hübchen, ist er die große Überraschung des Kinojahres, die bewiesen hat, daß das deutsche Publikum mehr mit jüdischem Humor anfangen kann, als so mancher Fernsehsender glaubt.

Schwächen: Nicht alle Pointen sitzen, und daß es sich ursprünglich um eine Fernsehproduktion handelt, ist dann doch nicht zu übersehen. Chancen: Bei insgesamt zehn Nominierungen kann eigentlich nichts schiefgehen. Es wird der Abend des Dani Levy werden. Auf sechs Lolas, darunter die für den besten Film, sollte er schon kommen.

„Der neunte Tag“ von Volker Schlöndorff

Stärken: Schauspielerisch stark, präzise inszeniert, hat die Auseinandersetzung zwischen dem jungen Nazi und dem katholischen Priester auch international Anerkennung gefunden.

Schwächen: Das Dröge eines filmischen Ethikunterrichts wird er nie ganz los.

Chancen: Insgesamt zwar achtmal nominiert, doch für den großen Wurf wird es nicht reichen. Auch die beiden Hauptdarsteller Ulrich Matthes und August Diehl dürften es gegen Bruno Ganz' Hitler-Porträt im „Untergang“ sehr schwer haben.

„Der Wald vor lauter Bäumen“ von Maren Ade

Stärken: Die Wahl des Sujets ist mutig: die Nöte einer schwäbischen Lehrerin, die keiner ernst nimmt. Der Film beobachtet genau, er wirbt weder um Mitgefühl, noch macht er sich über die wirklich peinliche Hauptfigur lustig.

Schwächen: Bei aller Sympathie sieht der Film doch aus wie ein Stück solides Fernsehen.

Chancen: Der größte Außenseiter im Feld.

„Die fetten Jahre sind vorbei“ von Hans Weingartner

Stärken: Beim Clash des Altachtundsechzigers mit den jungen Globalisierungsgegnern gibt es keinen Punktsieger, es wird aber auch niemand vorgeführt.

Schwächen: So richtig hat Weingartner es nicht geschafft, aus seinem eigenen Szenario herauszufinden. Drei Schlüsse sind zwei zuviel, und Daniel Brühl wird allmählich zum ewigen bleichen Brüter. Chancen: Hat eine sehr geringe Chance, den Triumph von „Zucker“ zu verhindern, und darf sich berechtigte Hoffnungen auf den Preis für die beste männliche Nebenrolle (Burghart Klaußner) machen.

„Sophie Scholl - Die letzten Tage“ von Marc Rothemund

Stärken: Dies ist der Film von Julia Jentsch, die unbedingt preiswürdig ist und ja auch in den „Fetten Jahren“ eine gute Figur abgibt.

Schwächen: Das große Thema schrumpft infolge handwerklicher Biederkeit. So sehen die kleinen Lösungen des Fernsehens aus.

Chancen: Auch wenn er der kommerziell erfolgreichste Film unter den sechs nominierten ist (eine Million Besucher), wird ihm der Sieg vermutlich sowenig gelingen wie den „Fetten Jahren“. Doch die Chancen von Julia Jentsch (beste Hauptdarstellerin) sind ausgezeichnet, und Fred Breinersdorfer (Drehbuch) muß man wohl zumindest auf der Rechung haben.

Zusammengestellt von Michael Althen und Peter Körte.



Text: F.A.Z., 07.07.2005, Nr. 155 / Seite 37
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z.-Matthias Lüdecke, X-Verleih

 
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