Fernsehen

MTV läßt Viva ein bißchen Sarah Kuttner - vielleicht

Von Stefan Niggemeier

Wie oft sieht man sie in Zukunft?

Wie oft sieht man sie in Zukunft?

26. November 2004 Viva hat auf die Proteste von Mitarbeitern und Zuschauern reagiert und rettet seine Vorzeigemoderatorin Sarah Kuttner - ein bißchen. Vielleicht. Ihre Personality-Show, die zur Zeit täglich um 21 Uhr läuft und nachts und nachmittags wiederholt wird, werde fortgesetzt, teilte der Musiksender mit. Allerdings wird der Umfang von „Sarah Kuttner - Die Show“ deutlich reduziert.

Am Donnerstag abend hatte Viva noch davon gesprochen, die Sendung werde „wie gehabt“ auf Viva laufen. Näher an der Wahrheit ist wohl die Formulierung in einer internen Mail des Vorstandes an die Viva-Mitarbeiter, in der es heißt, die Show werde nach der Winterpause „voraussichtlich“ zweimal wöchentlich zu sehen sein.

Ursprünglich hatte Viva für das kommende Jahr ohne Kuttners Show geplant. Die Sendung wird vor Publikum und mit Studioband und Live-Auftritten von Künstlern im Stil einer Late-Night-Show produziert. Das ist teuer - zu teuer für das neue Management des Senders. Gegen die Überlegung, ihre Show nur einmal wöchentlich auszustrahlen, hatte sich Sarah Kuttner dem Vernehmen nach gewehrt. So gesehen bedeuten die zwei Sendungen pro Woche ein Minimalziel. Sie sollen an noch unbekannten Sendetagen um 21 Uhr laufen. Auf dieser Zeitschiene sind sonst für das nächste Jahr überwiegend Billig-Formate wie „Trash Top 100“ und „Retro Top 10“ vorgesehen.

„MTV Spin“ wird eingestellt

MTV bestätigte unterdessen, daß die renommierte Sendung „MTV Spin“ mit Musik jenseits des Mainstreams eingestellt wird. An ihre Stelle sollen dreimal wöchentlich einstündige Genre-Sendungen treten, die nach 23 Uhr laufen. In den Stunden vorher wird MTV in einem noch größeren Maß als heute aus deutsch untertitelten amerikanischen Sendungen bestehen, die zeigen, wie amerikanische Jugendliche sich gegenseitig erschrecken, miteinander flirten, Mutproben bestehen oder zu Cheerleadern ausbilden lassen. Diese billigen Reality-Formate werden endlos wiederholt.

Mit Charlotte Roche, deren renommierte tägliche Sendung „Fast Forward“ Viva zum Ende des Jahres kippt, verhandelt der Sender nach eigenen Angaben über eine weitere Zusammenarbeit. Die stünde allerdings, wie bei Sarah Kuttner, unter der Voraussetzung, dem Umfang deutlich zu reduzieren. Die Einstellung der Hip-Hop-Sendung „Mixery Raw Deluxe“ und der Hardrock-Show „Hell's Kitchen“ hat Viva bis heute nicht bestätigt.

Kein Platz für Ali G.

Für die ansehnlichen Importe „South Park“ und „Da Ali G. Show“ ist im Viva-Programm 2005 offensichtlich auch kein Platz mehr, dafür aber für die tägliche Wiederholung der RTL-2-Containershow „Big Brother“. Viva bestätigte die Einstellung der „Viva News“ zum Jahreswechsel, teilte jedoch kryptisch mit, daß der „Bereich News auf anderen Plattformen behandelt“ werde - ob damit MTV gemeint ist, das Internet oder gar der Videotext, bleibt offen.

Seit dem Sommer gehört Viva mehrheitlich Viacom, der Muttergesellschaft von MTV. Anfang 2005 sollen MTV und Viva formell verschmolzen werden. In der Praxis läuft es auf die Abwicklung von Viva hinaus: Nur zwanzig bis dreißig der knapp dreihundert Mitarbeiter würden von MTV übernommen und nach Berlin umziehen, fürchtet der Betriebsrat, der Rest müsse gehen. Am Standort Köln werde von Viva nichts bleiben außer der Produktionstochter Brainpool („TV Total“, „Ladykracher“). Deren Geschäftsführer Jörg Grabosch arbeitet einem Bericht des Branchendienstes „Kress Report“ zufolge daran, seine Firma aus dem Besitz von Viacom zu lösen und gemeinsam mit Partnern zurückzukaufen.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2004, Nr. 278 / Seite 45
Bildmaterial: dpa

 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche