13. November 2006 Sacha Baron Cohen, derzeit auch in amerikanischen Kinos unvermeidlich als kasachischer Fernsehreporter, Gaglieferant und Provokateur namens Borat, könnte sich mit seiner nicht ganz liebenswerten Dokumentarfiktion vor Gericht verantworten müssen. Zwei Studenten, die er als rassistische und frauenfeindliche Deppen vorführt, haben in Los Angeles gegen ihn Klage eingereicht. Sie seien von der Filmcrew mit Alkohol so lange abgefüllt worden, bis sie sich zu Aussagen verleiten ließen, die sie in nüchternem Zustand nie gemacht hätten. Zudem seien sie zur Mitwirkung bei dem Projekt nur bereit gewesen, weil ihnen versichert worden sei, es handle sich um eine Dokumentation, die lediglich außerhalb der Vereinigten Staaten zu sehen sei.
Die beiden Studenten, deren Namen nicht veröffentlicht wurden, verlangen Schadenersatz in ungenannter Höhe und fordern, in dem Film nicht mehr erkennbar gezeigt zu werden. Sie behaupten in ihrer Klage, sie litten unter Erniedrigung, seelischen Schmerzen, emotionalen und körperlichen Qualen. Wenn sie gewußt hätten, daß der Film auch in den USA läuft, hätten sie sich nicht so offen gegeben.
Düpierte Amerikaner
Auch andere in dem Kinofilm vorgeführte Amerikaner fühlen sich von dem Filmteam arglistig getäuscht. Wie der Fernsehsender ABC am Montag meldete, beschweren sich ein Fahrlehrer und ein Autohändler sowie die jüdischen Besitzer einer Pension.
Der Besitzer der Fahrschule in Perry Hall, Maryland, berichtete, er sei um Fahrstunden für einen Ausländer gebeten worden. Er habe für 500 Dollar in bar zugestimmt, sich dabei für die Dokumentation filmen zu lassen. Der Autohändler wiederum gab für einen Betrag von 150 Dollar sein Einverständnis. Derweil setzt der Film seinen Siegeszug an den amerikanischen Kinos fort und ist unverändert Spitzenreiter der Kinocharts.
20th Century Fox kämpft gegen russisches Verbot
In Rußland rudert die Kulturaufsichtsbehörde, die zunächst entschieden hatte, daß die Gesellschaftssatire nicht gezeigt werden dürfe (siehe: Borat darf nicht nach Rußland), zurück. Nachdem der Produzent der Filmkomödie Borat, 20th Century Fox, gegen das russische Kinoverbot gerichtliche Schritte ankündigte, distanziert sich die russische Kulturbürokratie von der eigenen Entscheidung. Man habe kein Verleihverbot, sondern nur die Empfehlung ausgesprochen, von der Kinovorführung abzusehen, ließ jetzt die Kulturaufsichtsbehörde Roskultura verlauten.
Der Leiter der Abteilung für Filmverleihlizenzen im Kulturministerium, Wassjutschkow, hatte Ende vergangener Woche der Verleihfirma Gemini Marketing, die Borat in Rußland vertreibt, die Kinolizenz mit der Begründung verweigert, der Film enthalte Passagen, die manche Zuschauer als beleidigend für bestimmte ethnische oder religiöse Gruppen auffassen könnten.
Satire faktisch zensiert
Zum ersten Mal seit dem Ende der Sowjetunion wurde ein nicht-pornographischer Film faktisch verboten. Der halbdokumentarische Kinorenner, in dem der britische Komiker Sacha Cohen als Fernsehjournalist aus einem fiktiven barbarischen Kasachstan bloßstellt, wie real existierende Amerikaner Zigeuner, Homosexuelle, Frauen verachten, enthält außerdem böse Hiebe auf Juden, Kasachen und Usbeken. Kasachstan wird als Land präsentiert, in dem Prostitution und Vergewaltigung zum Tagesgeschäft gehören, in dem man Pferdeurin trinkt und Juden in Brunnenschächte wirft.
In Kasachstan sah man davon ab, Borat zu verbieten. Die kasachische Regierung ermahnte aber die Verleihfirmen dazu, Verantwortungsbewußtsein zu beweisen und von Kinovorführungen abzusehen. In Rußland war der Kinostart für den 30. November vorgesehen. Die russische Vertretung von 20th Century Fox hofft auf eine Einigung mit den Behörden. Während man sich Borat schon jetzt illegal aus dem Internet fischen kann, dürften Borat-DVDs bald zu Lieblingen des Heimvideo-Publikums werden.
Text: FAZ.NET mit kho./J.M. und dpa
Bildmaterial: AFP, dpa
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