Robert de Niro

Der Mann, der sich ähnlich sieht

Von Claudius Seidl

“Goodfellas“ (1990)

"Goodfellas" (1990)

17. August 2008 Robert Mitchum, so erzählt man einander unter Kinogängern, habe die Angewohnheit gehabt, gewisse Drehbuchpassagen mit dem Kürzel „n.a.r.“ zu markieren. „No acting required“ hieß das, und Mitchum wusste, dass er an diesen Stellen nur sein Mitchum-Gesicht machen und seine Sätze runternuscheln musste.

Robert de Niro wird immer wieder mit dem Satz zitiert, er könne auch ein Schnitzel spielen – wer, wie er, die totale Einfühlung beherrscht, findet eben auch heraus, wie ein paniertes Stück Fleisch sich fühlt.

Sehr ähnliche Ergebnisse

Als beide Schulen aufeinandertrafen, bei den Dreharbeiten zu Elia Kazans „Last Tycoon“ zum Beispiel, ging der junge Typ, der sich stundenlang im Wohnwagen einschloss und Einfühlung übte, dem alten Mitchum ganz schön auf den Geist. Und das Erstaunlichste ist aber, wenn man heute zurückblickt auf die Filme, dass die Ergebnisse einander sehr ähnlich sind: Schauspielen in Hollywood, das ist eben ein viel härterer Sport als das, was man an deutschen Theatern darunter versteht; der Einsatz, das ist die gesamte körperliche Integrität, und wie weit Robert de Niro gehen kann, hat er gezeigt, als er, für Martin Scorseses „Raging Bull“, sich zwanzig Kilo anfraß und die Grenzen seines Körpers damit fast sprengte.

Und das ist das Paradoxe an de Niros Können: Wenn er das Spielen als hohe Kunst betreibt, wenn er den Satan spielt, den Psycho, Frankensteins Monster, dann wird er, je konsequenter er sich hineinbohrt in die Rolle, nur umso denirohafter dabei.

Er kann alles sein

Während er, wenn er auch im Kino dem Mann ähnlich bleibt, der er eben ist, wenn er also den Italoamerikaner mit dem lebensgefährlichen Grinsen, der cholerischen Sprache und der mühsam gebändigten Aggressivität spielt, eigentlich alles sein kann, vom Killer bis zur Nervensäge, vom Boxer bis zum Polizisten.

In einer Zeit, da Friseure als Stars gelten und kleine Vorstadtschläger als Superstars, möchte man weder den Ruhm noch die Größe mit astronomischen Metaphern bezeichnen und de Niro, der heute 65 Jahre alt wird, nur noch ein paar Filme wie „Heat“, „Goodfellas“, „Midnight Run“ wünschen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/Distler, UIP/Cinetext, Universal Pict.Int./Cinetext, Universal Pict.Int.Ger./Cinetext, Universum Film/Cinetext

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“Taxi Driver“ (1975)“Hexenkessel“ (1973)“Wie ein wilder Stier“, 1980Mit Sean Penn in “Wir sind keine Engel“ (1989)“Casino“ (1995)“Ronin“ (1998)“Wie ein wilder Stier“ (1979)“Jacknife“ (1989)“Men of Honor“ (2000)“Mary Shellys Frankenstein“ (1994)“Der Sternwanderer“ (2007) “Kap der Angst“ (1991)Mit Leonardo DiCaprio in “This Boy's Life“ (1993)“1900“ (1976)Mit Bridget Fonda und Samuel L. Jackson in “Jackie Brown“ (1997)“Es war einmal in Amerika“ (1982/84)“The Untouchables - Die Unbestechlichen“ (1986)“New York, New York“ (1977)“Meine Braut, ihr Vater und ich“ (2000)“Angel Heart“ (1986)Mit Joe Viterelli in “Reine Nervensache 2“ (2002)Als Regisseur bei den Dreharbeiten zu “Der gute Hirte“ (2006) “Die Abenteuer von Rocky & Bullwinkle“ (2000)“Die durch die Hölle gehen“, 1978Mit Barbra Streisand in “Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ (2004)“Wag The Dog“ (1997)“The King of Comedy“ (1983)“Sleepers“ (1996): Joe Perrino, Robert de Niro, Geoff Wigdor, Brad Renfro, Jonathan Tucker (v.l.)“Der Pate, Teil 2“ (1974)Mit Meryl Streep in “Der Liebe verfallen“ (1984)Mit Eddie Murphy in “Showtime“ (2001)“Godsend“ (2004)Robert de Niro im Mai 2008