18. Februar 2007 Bei der 57. Berlinale wurden am Samstagabend die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären der Internationalen Filmfestspiele gekürt. Ins Rennen gingen 22 Filme, die von der Internationalen Jury unter Vorsitz des amerikanischen Regisseurs Paul Schrader bewertet wurden.
Der chinesische Film Tuyas Ehe gewann den Goldenen Bären. Der poetische Film von Wang Quan'an schildert den schweren Alltag einer nach Selbstständigkeit strebenden Frau in der Inneren Mongolei. Der Regisseur sagte, er freue sich ganz wahnsinnig und sei ganz durcheinander. Er habe heute seine Kleider gar nicht zusammenfinden können. Jetzt weiß ich, wenn man seine Hose nicht findet, das ist ein gutes Vorzeichen, das bringt Glück, sagte er. Sein Lehrer beim Filmemachen habe immer gesagt, Filme sollten anderen Leuten Träume zeigen. Nun sei für ihn selbst ein Traum Wirklichkeit geworden.
Beste Schauspielerin: Nina Hoss
Zum dritten Mal in Folge wurde eine deutsche Schauspielerin als beste Darstellerin ausgezeichnet. Die deutsche Schauspielerin Nina Hoss (31) erhielt den Silbernen Bären. Sie wurde für die Titelrolle in Christian Petzolds Drama Yella geehrt. Sie spielt darin eine junge Frau, die nach ihrer gescheiterten Ehe endlich die ostdeutsche Kleinstadt nach Westen verlassen will, um eine neue Zukunft zu beginnen.
Ihr Herz schlage so doll, damit habe sie überhaupt nicht gerechnet, sagte Hoss. Sie habe gedacht, Schauspielerin Marianne Faithfull würde geehrt werden. Dies sei eine ganz wichtige Arbeit für sie gewesen. Hoss wurde einem breiteren Kinopublikum in der Titelrolle des Films Das Mädchen Rosemarie von Regisseur Bernd Eichinger bekannt. Schauspiel studierte sie an der Ernst-Busch-Schule Berlin. Seit 1998 ist Hoss am Berliner Ensemble und am Deutschen Theater in Berlin engagiert.
Preis für De Niros Der gute Hirte
Als bester Schauspieler wurde der argentinische Schauspieler Julio Chávez gekürt. Er erhielt die Auszeichnung für seine Leistung in Ariel Rotters Film Der Andere über das Suchen und Finden von Identität. Den Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung bekam das Schauspielerensemble von Robert De Niros Film Der gute Hirte ausgezeichnet (siehe auch: ). In dem CIA-Thriller spielen unter anderem die Hollywoodstars Matt Damon, Angelina Jolie und die deutsche Schauspielerin Martina Gedeck mit. Gedeck nahm den Preis stellvertretend für das ganze Team entgegen.
Der israelische Film Beaufort von Joseph Cedar hat den Silbernen Bären für die beste Regie gewonnen. Das Drama erzählt von der letzten Militäreinheit Israels, die vor dem Abzug aus dem Libanon im Jahr 2000 im Süden des Landes stationiert war. Der Große Preis der Jury ging an den argentinischen Film Der Andere von Ariel Otter. Der Silberne Bär für die beste Filmmusik ging an den britischen Film Hallam Foe von Regisseur David MacKenzie.
430.000 Kinobesuche
Die Veranstaltung mit rund 1600 Gästen im Berlinale-Palast wurde von Charlotte Roche moderiert. Prominente Gäste waren unter anderen Otto Sander, Joachim Krol, Wim Wenders, Eva Mattes, Daniel Barenboim und Barbara Schöneberger.
Das Interesse an der diesjährigen Berlinale war nach Angaben der Veranstalter sowohl seitens der Fachbesucher als auch des Publikums größer denn je. Mehr als 19.000 Akkreditierte aus 127 Ländern, darunter 4000 Journalisten, kamen zum Festival. Das Festival zählte rund 430.000 Kinobesuche, davon gingen etwa 200.000 Tickets ans Publikum. Insgesamt wurden 373 Filme aus über 50 Ländern in 1190 Vorführungen gezeigt. Das Festival geht am Sonntag mit dem Kinotag zu Ende, der ganz dem Publikum gehört.
Preise der unabhängigen Jury
Am Mittag gaben die unabhängigen Jurys ihre Preisträger benannt. Als unabhängig werden die Jurys bezeichnet, deren Mitglieder nicht von der Berlinale selbst berufen werden. Die ökumenische Jury vergab ihren Hauptpreis an den chinesischen Film Tuyas Ehe von Wang Quan'an. Der mit 5.000 Euro dotierte Friedensfilmpreis ging an Goodbye Bafana von Bille August. Der Verband der Filmkritik vergab seinen Fipresci-Preis an Ich habe den englischen König bedient von Jiri Menzel.
Über die Ehrung der Gilde deutscher Filmkunsttheater konnte sich David Mackenzie für seinen Film Hallam Foe freuen. Der schwedisch-deutsche Spielfilm Bei Einbruch der Dunkelheit von Anders Nilsson wurde mit dem Amnesty International Filmpreis ausgezeichnet. Mit dem Caligari-Filmpreis wurde Anja Salomonowitz' Dokumentarfilm Kurz davor ist es passiert ausgezeichnet. Der mit 3.000 Euro dotierte Teddy Award für schwul-lesbische Filmkunst ging an den Film Ci-Qing (Spider Lillies) von Zero Chou. Der österreichische Schauspieler Helmut Berger wurde mit dem Teddy-Ehrenpreis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.
Die Jury der 57. Internationalen Filmfestspiele Berlin unter dem Vorsitz des amerikanischen Regisseurs Paul Schrader sowie die unabhängigen Jurys haben am Samstag folgende Preise vergeben:
GOLDENER BÄR: Tuyas Ehe von Wang Quan'an (China)
SILBERNER BÄR, GROSSER PREIS DER JURY: Der Andere von Ariel Rotter (Argentinien)
SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE REGIE: Beaufort von Joseph Cedar (Israel)
SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE DARSTELLERIN: Nina Hoss (Yella von Christian Petzold), Deutschland
SILBERNER BÄR FÜR DEN BESTEN DARSTELLER: Julio Chávez (Der Andere von Ariel Rotter), Argentinien
SILBERNER BÄR FÜR EINE HERAUSRAGENDE KÜNSTLERISCHE LEISTUNG: Schauspielerensemble von Der gute Hirte von Robert De Niro (Vereinigte Staaten)
SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE FILMMUSIK: Hallam Foe von David Mackenzie (Großbritannien)
ALFRED-BAUER-PREIS: I'm a Cyborg, but that's ok von Park Chan-wook (Südkorea)
BESTER ERSTLINGSFILM (50 000 Euro): Vanaja von Rajnesh Domalpalli (Indien)
Text: FAZ.NET mit dpa und AP
Bildmaterial: AFP, ddp, dpa, REUTERS