Sat.1

„Wir trauen uns was“

Von Michael Hanfeld

Auch künftig ein Kopf von Sat.1: Kai Pflaume

Auch künftig ein Kopf von Sat.1: Kai Pflaume

26. Januar 2005 Wie ein spektakulärer Flop einem den ganzen Auftritt vermiesen kann, das hat im letzten Jahr kein Sender besser bewiesen als Sat.1.

Weil dort nach fünf Monaten bereits das Experiment mit Anke Engelkes Late-Night-Show abrupt endete, dachte mancher, daß dies das schwärzeste Jahr des Senders seit Kirchs seligen Zeiten sei, vor allem für den Geschäftsführer Roger Schawinski. Doch siehe da, das Jahr ist rum und Sat.1 verzeichnet, wie Schawinski gestern abend in Hamburg bei der Präsentation des Programms für 2005 sagte, im Vergleich der großen Sender „immer noch die geringste sogenannte ,Floprate', also Programme, die unter dem Senderschnitt performen“. Der Abschnitt zum Branchenprimus RTL habe sich mit Blick auf die werberelevante Zielgruppe sogar um 0,1 Prozentpunkte verringert.

Das beste Ergebnis der Geschichte

Auch in der Rückschau bereue man es nicht, auf Anke Engelke gesetzt zu haben. Und finanziell - mehr durfte Schawinski vor den offiziellen Zahlen seines börsennotierten Senders nicht sagen -, habe man 2004 „das beste Ergebnis in der Geschichte von Sat.1 vorzuweisen“. Wie ein Flop doch täuschen kann.

Damit der gute Eindruck dahinter so bleibt und sich auf keinen Fall ändert, führt der Sender nun bewährte Programme fort und setzt auf ein paar neue: Vor allem auf die „Telenovela“ „Verliebt in Berlin“ mit Alexandra Neldel, die am 28. Februar beginnt. Walter Sittler, der sich zuletzt vor allem bei RTL tummelte, spielt in der neuen Serie „Der Fuchs - Göttergatte und Ganove“ einen Familienvater mit ungewöhnlichem Doppelleben, Heino Ferch und Bettina Zimmermann treten in der Großproduktion „Die Luftbrücke“ auf, Aglaia Szyszkowitz spielt die Hauptrolle in dem Eventfilm „Der Todestunnel“, Kai Pflaume bekommt ein paar neue, große Shows am Samstagabend wie „Die Comedy-Falle“ und der „Haustiertest“ (produziert von Günther Jauch).

Der führende Komik-Sender

Mit „Zack! Comedy nach Maß“ und Volker Michalkowski gibt es ein neues Unterhaltungsformat, in diesem Fach, genauer gesagt der „Ethno-Comedy“, wird Fahri Ogün Yardim als Dönerbäcker in „Der König von Kreuzberg“ vom Herbst an auftreten und den Anspruch von Sat.1 untermauern, der führende Komik-Sender des Landes zu sein. An Formaten wie diesen, vor allem aber an „Genial daneben“ und der „Schillerstraße“ mit Cordula Stratmann ist zu erkennen, was Sat.1 an dem vor zwei Jahren von RTL abgeworbenen Unterhaltungschef Matthias Alberti hat.

Die Handschrift der Fiktionschefin Alicia Remirez, die auch stellvertretende Geschäftsführerin ist, zeigt sich unterdessen an den rund zwanzig Fernsehfilmen - zumeist Beziehungskomödien (unter anderem mit Nina Kronjäger, Ann-Kathrin Kramer, Benjamin Sadler und Jörg Schüttauf), die Sat.1 dieses Jahr produziert, und an Serien wie „Mit Herz und Handschellen“, „Edel & Starck“, das ausläuft oder „Der Elefant“, der in der nächsten Staffel gerade beginnt.

Kampf der Friseure

Interessant dürfte auch zu sehen sein, was Sat.1 aus der in Großbritannien sehr erfolgreichen BBC-Serie „Cutting it“ macht. Der Arbeitstitel der eingedeutschten Fassung heißt „Bis in die Spitzen“. Jeanette Hain und Ralph Herforth spielen die beiden Hauptfiguren, die einmal ein Paar waren, nun aber mit anderen Ehepartnern einen Friseursalon neben dem anderen betreiben und sich mit denkbar ausgefeilten Mitteln einen Kampf um die ondulierten Köpfe unter den Trockenhauben liefern. Idee und Plot der Originalgeschichte, die in England ein echter Abräumer ist, bleiben erhalten, die Bücher aber würden für das hiesige Publikum maßgeschneidert, heißt es bei Sat.1.

Bei den Großproduktionen belässt es Sat.1 übrigens nicht bei der „Luftbrücke“: Natalia Wörner wird in dem Zweiteiler „Miss Texas“ zu sehen sein, Sophie Schütt in „Der Ruf der Freiheit“ eine Meeresbiologin spielen, die sich in Australien mit einer, wie der Sender schildert, „ökologischen Katastrophe konfrontiert sieht“.

Keine Auftritte von Engelke

Nur eines wird es bei Sat.1 dieses Jahr kaum geben: Auftritte von Anke Engelke. Sie moderiert im Mai die Aids-Gala „Circle of Life“ und im Herbst den „Deutschen Fernsehpreis“. Ansonsten will sich der Sender an die Erkenntnis des Geschäftsführers Roger Schawinski halten, die da lautet, daß sein Sender „mit Qualitätsprogrammen am erfolgreichsten“ ist. Das habe der andere Mißerfolg von 2004, der Untergang von „Kämpf um Deine Frau“ gezeigt.

Wenn sich diese Erkenntnis im Laufe der Zeit auch noch beim neuen Geschäftsführer des Konkurrenten RTL, Marc Conrad, durchsetzt, dem seine Wander- und Lehrjahre als freier Produzent von Qualitätsserien bestimmt im besten Sinn zu Kopf gestiegen sind, wäre für 2005 folgende ja einiges zu erwarten. Pro Sieben bleiben Elton, Sonya Kraus und „Die Burg“ und RTL 2, was nach des Geschäftsführers Josef Andorfers für den 1. Februar beschlossenem Abgang übrig bleibt. Was außer der leider miserabel laufenden Serie „24“ mit Kiefer Sutherland in der Hauptrolle allerdings nicht viel ist. „Wir trauen uns auch 2005 was“, sagte Roger Schawinski derweil in Hamburg bei der mit großen Staraufgebot gespickten Programmschau von Sat.1. Hoffentlich.

Text: miha.
Bildmaterial: AP

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