Deutscher Journalistenverband

Der DJV räumt ab, ist aber noch längst nicht mit sich fertig

18. Juli 2004 Ein allzu geschicktes Krisenmanagement wird man dem Deutschen Journalistenverband nicht vorwerfen können. Zwar ist es nun gelungen, zwei Landesverbände auszuschließen, deren Vorstände es so weit getrieben haben, daß man als Beobachter ihren Rücktritt für eine längst fällige, selbstverständliche Reaktion halten konnte. Doch hat die Gewerkschaft dabei einen Eiertanz aufgeführt, der jeder Beschreibung spottet.

Es begann damit, daß der DJV in eben jenem Lautsprecherduktus, in dem dort auch zu vielen anderen Themen Pressemitteilungen abgefaßt werden, sich ohne Not eine Blöße gab, indem der stellvertretenden Vorstandsvorsitzende aus Brandenburg in die Ecke der Rechtsradikalen gerückt wurde. Hernach beschloß der Bundesvorstand, was er gar nicht konnte, nämlich die in Mißkredit geratenen Verbänden von Berlin und Brandenburg aufzulösen. Deren Sieg mit einstweiligen Verfügungen vor Gericht jedoch war schnell als ein vorläufiger zu erkennen. Es war zuviel Porzellan zerschlagen worden, zuviel Kredit verspielt, als daß die Landeschefs Alexander Kulpok und Bernd Martin darauf hoffen durften, über ihre persönlichen Kreise hinaus auf Zustimmung zu treffen.

Handwerk und Haltung

Man muß nur einmal nachlesen, was der Abteilungsleiter Fernsehspiel des Rundfunks Berlin-Brandenburg, Justus Boehncke, in einer fulminanten Rede auf einem Gewerkschaftstreffen im Mai ebenjenem Berliner Landesvorsitzenden Kulpok vorgehalten hat, der sich kurz darauf unter den beschriebenen ominösen Umständen wiederwählen ließ. Dann versteht man, was in Berlin, wo sich die Opposition im DJV längst formiert hatte, vor sich ging. Boehncke hatte zuvor das Kunststück vollbracht, als Organisator mit dem berühmt-berüchtigten Berliner Presseball nach Jahren der Mißwirtschaft einen Gewinn von 70 651,41 Euro zu erwirtschaften. Und das bei bereits vorliegenden Anfangsverlusten von 65 000 Euro, die er erst einmal wettmachen mußte. Was ihm aber nach eigenen Worten nicht gelang, war, vom Vorstand zu erfahren, wie es zu Verlusten von 300 000 oder gar 400 000 Euro in den Jahren zuvor kommen konnte und wo bestimmte Summen hingeflossen waren. Hier gehe es, sagte Boehncke, um "Handwerk und Haltung", besonders letztere vermißte er bei dem Berliner DJV-Landeschef Kulpok.

Und genau darum ging es und geht es in der Tat in diesem irrwitzigen Streit: Um das Handwerk und die Haltung der Journalisten und das ihrer Standesvertretung, die weder Mißwirtschaft noch Beliebigkeit in der Auswahl ihrer 42 000 Mitglieder verträgt. Der Bundesvorstand des DJV hat das aber durch sein Auftreten zeitweise geradezu in den Hintergrund gedrängt, viel und unnötig an Terrain verloren, da er dies zu einer politischen Schlammschlacht mitgestaltete, die zu Dolchstoßlegenden geradezu einlädt, weil sich diejenigen, von denen man schlicht Rechenschaft in Sach- und Finanzfragen fordern muß, als politisch Verfolgte aufführen können. So wurde die Sache erst recht zu einem Skandal, der zwar das tägliche Geschäft der Journalisten ist, für den sie diesmal aber ganz ohne äußere Anlässe gesorgt haben. Vielleicht gibt der Knall ja allen Beteiligten zu denken, nicht nur den ausgeschlossenen DJV-Funktionären aus Berlin und Brandenburg, für die diese Geschichte mit ihrem Rauswurf wahrscheinlich noch nicht zu Ende ist.

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Text: miha., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2004, Nr. 165 / Seite 34

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