Stauffenberg-Film

Tom Cruise im Bendlerblock

Von Frank Schirrmacher

Cruise als Stauffenberg: Dreherlaubnis im Bendlerblock

Cruise als Stauffenberg: Dreherlaubnis im Bendlerblock

15. September 2007 Die Entscheidung der zuständigen Ministerien, Bryan Singer und Tom Cruise nun doch im Bendlerblock drehen zu lassen, ist von großer Vernunft. Wäre der Ort, wo Stauffenberg erschossen wurde, immer schon für Filmaufnahmen gesperrt gewesen, hätte die Ablehnung nicht den Anschein der Diskriminierung haben können. So aber musste es wirken, als wolle man einen ausländischen Film, der vom Attentat auf Hitler erzählt, gleichsam von Amts wegen behindern. Gegen eine solche Unterstellung hätte zwar schon die finanzielle Unterstützung des Filmprojekts durch den Staatsminister für Kultur gesprochen; der Welt hätte sie aber womöglich mehr eingeleuchtet, als wir glauben möchten.

Korrigieren musste sich die Regierung nicht, denn sie hat den Gesprächsfaden zu den Produzenten nie abreißen lassen; als jetzt endgültig klar wurde, dass das Studio „United Artists“ die Würde des Ortes respektieren wird, hat man zugestimmt. Ein kleines Detail am Rande der großen Politik – und doch könnte es sein, dass Verteidigungsminister und Finanzminister die historische Chance nutzen, dem deutschen Widerstand gegen Hitler zum ersten Mal seit 1944 überhaupt weltweite Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Ein Film über den Widerstand

Denn dass der Film von Bryan Singer und Tom Cruise ein globales Publikum erreichen wird, daran kann kein Zweifel bestehen. Hunderte Millionen Menschen werden zum ersten Mal in ihrem Leben erfahren, dass es Widerstand gegen Hitler gab. Wie die Dinge stehen, werden sie es dank der Techniken Hollywoods auch nicht mehr vergessen – der Film wird nicht nur ein Film über Stauffenberg, er wird ein Film über den deutschen Widerstand, seine Gewissensnöte, seine Tragik und auch, in wenigen Sequenzen nur, ein Film über die Verlassenheit der Nina von Stauffenberg.

Man hat schon oft erlebt, dass Hollywood den Blick der Welt auf die Geschichte ändert. Wer das hier den Amerikanern nicht zutraut, könnte in einem Jahr sehr überrascht werden. Der Film zielt auf Deutschland selbst: Uns Deutschen mangelt es vielleicht nicht am Wissen über den 20. Juli, womöglich aber an der Emotion, ja dem Mitgefühl mit den damals handelnden Personen. Gelingt der Film, wird der Bendlerblock in Berlin von einem Ort des staatlichen Gedenkens zu einem der meistbesuchten Mahnmale des Landes, zu einem Ort jedes Einzelnen werden können.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Reuters

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