26. März 2008 Der amerikanische Schauspieler Richard Widmark ist nach langer Krankheit gestorben. Der Nachkomme schwedischer Einwanderer aus dem Städtchen Sunrise im Bundesstaat Minnesota wurde 93 Jahre alt. Bekannt wurde er vor allem als Darsteller in Western, Krimis und Abenteuerfilmen. Dabei hasste er Waffen, wie er selbst einmal in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagte.
Richard Widmark gehörte zu den letzten Stars einer großen Epoche Hollywoods. Er feierte 1947 in Henry Hathaways längst klassischem Thriller Der Todeskuss ein fulminantes Kinodebüt als psychopathisch-sadistischer Killer. Mit dieser Rolle wurde der Schauspieler und Rundfunksprecher auf einen Schlag berühmt. Es war die Geburtsstunde des Mörders mit den eisblauen Augen und dem schaurig-heiseren Lachen.
Mit dem Fahrrad durch Deutschland - 1937
In der Folgezeit hatte der intelligente Schauspieler mit Universitätsdiplomen in Politik und Rhetorik auf der Leinwand allerlei Schurken zu verkörpern. Doch Widmark entkam schließlich diesem Typklischee und wurde in den 50er Jahren einer der ganz großen Westenhelden Hollywoods. Für den Pferdenarr von Kindesbeinen an waren das die schönsten Rollen: Ich bin ein Naturmensch, und das Schönste an den Dreharbeiten zu den Western war immer, dass wir uns viel unter freiem Himmel aufhielten.
Er spielte unter anderem in Filmen berühmter Regisseure wie Elia Kazan, John Ford, Stanley Kramer und Sidney Lumet. Paraderollen hatte Widmark in dem Western Der Garten des Bösen (1954), Das Urteil von Nürnberg (1961), Mord im Orient- Express (1974) und 1987 in Volker Schlöndorffs Gesellschaftsdrama Ein Aufstand alter Männer. 1991 stand der Held unzähliger Western und Kriegsfilme zum letzten Mal vor der Filmkamera - in dem Politthriller Der Preis der Macht.
Seit 1942 skandalfrei verheiratet
Widmarks Mitwirkung in etlichen Kriegsfilmen hing mehr mit seinem markanten Äußeren zusammen als eigenen militärischen Erfahrungen. Denn wegen eines Defekts am Trommelfell war er vom Soldatendienst im Zweiten Weltkrieg freigestellt. 1937 hatte Widmark Deutschland mit dem Rad durchkreuzt. Von Talkshows und großen Reden hielt Widmark, der schon vielen Jahren sehr zurückgezogen auf seiner Farm in Connecticut lebte, überhaupt nichts.
Seit 1942 skandalfrei verheiratet, bewegte sich der Schauspieler nie in der Welt des Glamours und Glitzerns der kalifornischen Filmmetropole. Widmark wurde noch in einem Hollywood groß, in dem Stars seines Kalibers Profis vom Scheitel bis zur Sohle waren. Die machten ihre Arbeit, gingen nach Hause und hielten den Mund. Gerne zitierte Widmark die Worte seines legendären Kollegen Humphrey Bogart: Das Einzige, was du deinem Publikum schuldest, ist, gute Arbeit zu leisten.
Scharfe Kritik an der Filmindustrie
Von Hollywood-Produktionen der Gegenwart hielt der alte Leinwandkämpe nicht viel. Vor allem vermisste er die gleichberechtigte Teamarbeit, die in Hollywood einstmals Trumpf war: Ich empfinde es als Untugend, wenn bei einem Film die besonders gute Kameraführung auffällt oder einige Darsteller alle anderen an die Wand spielen. Das raubt dem Film die künstlerische Einheit. Der frühere entschiedene Vietnamkriegsgegner haderte zuletzt ohnehin mit der Entwicklung bei Film und Fernsehen: Das, was wir einmal Unterhaltung nannten, ist zu einem blasierten und zynischen Geschäft geworden. Ruhm und Ansehen Richard Widmarks sind davon unbefleckt geblieben.
Widmarks erste Ehe mit der Drehbuchautorin Jean Hazlewood endete erst nach 55 Jahren mit dem Tod der Gattin. 84-Jährig heiratete er 1999 die Schauspielerin Susan Blanchard, die frühere Frau der verstorbenen Hollywood-Legende Henry Fonda.
Text: FAZ.NET mit dpa/AP
Bildmaterial: AP, dpa
