Video-Filmkritik

Haarsträubend genial: „I'm Not There“

Video in voller Größe

23. Februar 2008 „I'm Not There“ von Todd Haynes soll ein Biopic über Bob Dylan sein und will es auch wieder nicht sein, in jedem Fall will er nicht sein wie andere Filme, die sich am Leben von Legenden entlanghangeln, und ist es mitunter dann doch.

Haynes hatte die haarsträubende und gleichzeitig geniale Idee, den Mann, an dessen Wandlungen sich die Biographen immer wieder die Zähne ausbeißen, nicht nur von verschiedenen Männern spielen zu lassen - Heath Ledger, Ben Whishaw, Christian Bale und Richard Gere -, sondern auch noch von einem kleinen schwarzen Jungen (Marcus Carl Franklin) und einer Frau (Cate Blanchett). Und das Tollste ist, dass Letztere den einleuchtendsten Dylan gibt, einen Mann, der irgendwie außer sich ist, weil er zum einen mehr Drogen nimmt, als ihm guttut, und zum anderen gerade den Bruch mit seinen Fans betreibt, die ihn als Judas beschimpfen, weil er sich von der traditionellen Folkmusik abkehrt.

All die Marksteine in Dylans Karriere, all die Wendepunkte und Neuerfindungen kommen vor, aber natürlich als Travestie. Denn das war schon immer Haynes' Methode, der Welt Herr zu werden, sei es in dem Glamrock-Musical „Velvet Goldmine“ oder in dem Douglas-Sirk-Melo „Far From Heaven“. Und wo man sagen könnte, dass die bloße Travestie im Grunde nur ihr Vorbild zur Pose gerinnen lässt, da ergibt sich im Spannungsfeld von sechs Travestie-Nummern bei aller Unausgewogenheit dann eben doch ein Persönlichkeitsprofil, das auf anderen Wegen immer verschwommen bleibt.



Text: malt / F.A.Z.
Bildmaterial: Tobis

 

Regisseur Todd Haynes über Bob Dylan

Der Soundtrack meines Lebens

Fand eine faszinierende Lösung für die Darstellung des Rollenwechslers Dylan:...

„I'm Not There“ ist nicht ein Film über Bob Dylan, sondern sieben Filme. Mit sieben Hauptdarstellern - mal Richard Gere, mal Heath Ledger, mal Cate Blanchett. Regisseur Todd Hanyes über Biopics, Geres Gagenverzicht und die Meinung des Meisters.

Video-Filmkritik

Zerrissen: „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“

Spezial Die „Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel García Márquez ist einer der größten Romane des zwanzigsten Jahrhunderts. Mike Newells Verfilmung versucht den Spagat zwischen Marktgängigkeit und Texttreue. Von Andreas Kilb

Gabriel García Márquez

Erzählen, dass der Boden bebt

Ein Mann des Volkes: Gabriel García Márquez

Der Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ veränderte die Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts, sein Autor unser Bild von Südamerika. Zum achtzigsten Geburtstag von Gabriel García Márquez, dem großen Erzähler und umstrittenen Freund Fidel Castros.

Video-Filmkritik

Alttestamentarische Wucht: „There Will Be Blood“

Spezial Daniel Day-Lewis als Ölmann ist noch härter und steiniger, noch schwerer zu durchdringen als der Felsenboden: Paul Thomas Andersons „There Will Be Blood“ ist ein großer Film, den man nicht leicht aushalten kann. Von Claudius Seidl

Video-Filmkritik

Scharfsinnig: „Der Krieg des Charlie Wilson“

Spezial Mike Nichols hat über das Ende des Kalten Krieges eine starbesetzte Komödie gedreht. „Der Krieg des Charlie Wilson“ mit Tom Hanks, Julia Roberts und Philip Seymour Hoffman fußt auf einer wahren Geschichte. Von Verena Lueken

Video-Filmkritik

Sean Penns stärkster Film: „In die Wildnis“

Spezial „Ich hatte ein glückliches Leben“, sagt Christopher McCandless, vierundzwanzig Jahre alt, bevor er irgendwo in Alaska verhungert. Der Film „Into the Wild“ erzählt seine Geschichte. Von Verena Lueken

Video-Filmkritik

Unbeweglich: „My Blueberry Nights“

Spezial Wong Kar-wai hat seinen ersten englischsprachigen Film gedreht, mit den Stars Norah Jones und Jude Law. Und dann das. Freundlich gesagt, ist „My Blueberry Nights“ ein Film für Leute, die mit diesem Regisseur bisher nicht allzu viel anfangen konnten. Von Peter Körte

Video-Filmkritik

Vertreibung aus dem Paradies: „Drachenläufer“

Spezial Mit „Drachenläufer“ ist Khaled Hosseini ein internationaler Bestseller geglückt. Marc Forster hat den Roman, einen nostalgischen Blick auf Afghanistan aus Kinderperspektive, verfilmt.

Video-Filmkritik

Will allein zu Haus: „I Am Legend“

Spezial Will Smith muss seinen neuen Film allein tragen, weil alle anderen tot sind, jedenfalls als Menschen. Als Bestien leben sie weiter. Doch im Horror entdecken wir auch einen neuen Zauber New Yorks.

Video-Filmkritik

„Darjeeling Limited“- Der Plot der kleinen Dinge

Spezial Wes Andersons neuer Film schickt drei Brüder auf eine Zugreise durch Indien, auf der sie Erleuchtungen der besonderen Art empfangen. Es ist ein Film voller Sehnsucht und Nostalgie, der um die furchtbare Angst vor der Unausweichlichkeit des Alterns kreist. Christian Kracht war begeistert.

Video-Filmkritik

Königin Cate im Puppenheim: „Elizabeth - Das goldene Königreich“

Spezial Cate Blanchett hat sich gesträubt, doch zum zweiten Male spielt sie nun die Rolle der Queen. „Das goldene Königreich“ zeigt schöne Bilder und verweigert seiner Heldin, was sie dringend bräuchte: einen starken Gegner. Von Andreas Kilb

Video-Filmkritik

Mann gegen Mann: „Todeszug nach Yuma“

Spezial So heißen doch heute keine Filme mehr. Und: Solche Filme werden doch eigentlich gar nicht mehr gemacht. James Mangold lässt in „Todeszug nach Yuma“ Gut und Böse gegeneinander kämpfen, als wäre es das erste Mal - ein Duell zwischen Russell Crowe und Christian Bale. Von Michael Althen

Video-Filmkritik

Reife Leistung: „An ihrer Seite“

Spezial In Sarah Polleys ergreifendem Regiedebüt „An ihrer Seite“ mit Julie Christie geht es vordergründig um Alzheimer-Patienten, in Wahrheit aber um die Frage, wie viel eine Ehe wert ist, wenn die Erinnerungen schwinden. Von Michael Althen

Video-Filmkritik

Nicht viel außer Bildchen: „Nichts als Gespenster“

Spezial Martin Gypkens hat Erzählungen von Judith Hermann verfilmt: „Nichts als Gespenster“ ist eine Mischung aus Generationenskizze und Reisekatalog geworden. Und hat ein konzeptionelles Problem. Von Andreas Kilb

Video-Filmkritik

Schwarzweiß wie das Leben: „Persepolis“

Spezial Die iranische Zeichnerin Marjane Satrapi hat ihren Comic „Persepolis“ verfilmt - die traurig-komische Geschichte eines kleinen, rebellischen Mädchens in Teheran. Von Julia Encke

Video-Filmkritik

Zu naiv: „American Gangster“

Spezial In seinem Film „American Gangster“ zeigt Ridley Scott den Handel mit Drogen von einer ganz neuen Seite. Er erzählt weniger von den Gesetzen der Straße als von denen des Marktes. Doch der intelligente, kurzweilige Film hat seine Schwächen, findet Johanna Adorján.

Video-Filmkritik: „Abbitte“

Tragödie von Liebe, Verleumdung und Tod

Spezial Ian McEwans Roman von 2001 war ein Welterfolg. Joe Wright hat „Abbitte“ nun mit Keira Knightley in der Hauptrolle texttreu in ein filmisches Puzzle verwandelt, das jedoch zunehmend an Kraft verliert: Es ist alles schön anzuschauen, aber vieles hat fast gar nichts zu bedeuten, meint Andreas Kilb.

Video-Filmkritik

Kunst der Verschlüsselung: „It's Winter“

Spezial Besser als durch seine herausragende Filmkunst kann man Iran aus der Ferne kaum kennenlernen. Rafi Pitts' Film „It's Winter“ überzeugt durch die orientalische Leuchtkraft seiner Bilder selbst in der Winterszeit.

Video-Filmkritik

Wenig Lust, viel Vorsicht: „Gefahr und Begierde“

Spezial China im Zweiten Weltkrieg: Eine Studentin soll den Geheimdienstchef verführen und so die Gelegenheit für ein Attentat schaffen. Ang Lees mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneter Film heißt „Gefahr und Begierde“. Ein wenig mehr von beidem hätte nichts geschadet.