Harald Schmidt

Überragende Persönlichkeit, stolzer Preis

Von Michael Hanfeld

Noch auf Hawaii, bald in der ARD: Harald Schmidt

Noch auf Hawaii, bald in der ARD: Harald Schmidt

12. November 2004 Jetzt ist es offiziell, der Vertrag ist unterzeichnet: Harald Schmidt kommt zur ARD. „Schmidt is coming home“, heißt es dort im Überschwang der Gefühle. Schmidts neue Produktionsfirma namens „Kogel & Schmidt GmbH“ (in Gründung), die er zusammen mit dem Constantin-Vorstand Fred Kogel führt, und die ARD haben am Freitag ihre Verhandlungen beendet.

Nun bindet sich Schmidt bis Juli 2006 ans Erste, dort läuft seine Sendung, die den Namen „ARD-Show“ trägt, mittwochs und donnerstags um 23 Uhr mit einer Länge von einer halben Stunde. Sie wird jeweils am Sendetag um 18 Uhr vor Publikum in Schmidts Kölner Studio aufgezeichnet, als Stichwortgeber aus alten Sat.1-Tagen ist Manuel Andrack wieder dabei, es spielt eine „ARD-Showband“, ob bei dieser Schmidts alter Musikus Helmut Zerlett den Takt angibt, ist noch nicht sicher.

120.000 Euro je Sendung?

Schmidts Vertragspartner bei der ARD ist deren Filmhandelstochter Degeto, die damit erstmals eine Showsendung bezahlt. Federführender Sender ist der Westdeutsche Rundfunk. Das Budget, das die ARD für Schmidt aufbringen muß, wird in der Branche auf acht Millionen Euro geschätzt, bei Sat.1 erhielt er für seine Show, die zuletzt an jedem Werktag lief, zwanzig Millionen Euro. Bei der ARD soll Schmidt angeblich 120.000 Euro pro Show gefordert haben, was sich bei achtzig Shows pro Jahr auf ein Budget von 9,6 Millionen Euro hochrechnete.

„Ich freue mich sehr, daß die ARD Harald Schmidt an sich binden konnte“, sagte der ARD-Vorsitzende Jobst Plog: „Er ist die überragende TV-Persönlichkeit dieser Tage und paßt exakt in unser Programmprofil. Seine Verpflichtung ist ein Kraftakt, den sich die ARD-Sender gemeinsam im Interesse ihrer Zuschauer leisten: Wir werden Schmidt durch Einsparungen vor allem bei Sportrechten finanzieren.“

Die Lücke war frei

Schmidt wird am 23. Dezember in einer Sondersendung um 21.45 Uhr im Ersten zu sehen sein. Am 19. Januar 2005 startet seine „ARD-Show“. Schmidt wird zudem in den Radioprogrammen der ARD auftreten: Einmal pro Woche wird dort ein fünf bis zehn Minuten langes „Best of“ seiner Show laufen. Schmidt hatte vor einem Jahr beim Privatsender Sat.1 seine Late-Night-Show abrupt aufgekündigt. An seiner Nachfolge hatte sich dort Anke Engelke versucht, jedoch nach fünf Monaten aufgeben müssen. Das war der Moment, in dem für Schmidt in der ARD die Lücke frei war.

Daß Schmidts Show von der ARD-Tochter Degeto finanziert wird, ist ein besonders geschickter Schachzug der Verhandler, des ARD-Vorsitzenden Jobst Plog und des Programmdirektor des Ersten, Günter Struve. Für Schmidt, der schon wieder auf Reisen ist, jetzt angeblich vor Hawaii, führte der frühere Sat.1-Geschäftsführer Fred Kogel die Gespräche. Dank der Degeto-Konstruktion müssen nicht - wie sonst - einzelne ARD-Sender für die Show in die Tasche greifen und vor ihrem Rundfunkrat Rechenschaft ablegen.

Schmidt als Gemeinschaftsaufgabe

Was die Degeto macht, ist eine Gemeinschaftsaufgabe, sie wird von allen ARD-Anstalten finanziert und agiert bei ihren Entscheidungen frei. Vor einigen Monaten hatten die Intendanten beschlossen, daß die Degeto, die mit den Fernsehfilmen am Freitag besonders erfolgreich und längst eine Macht im Produktionsgeschäft ist, in die Unterhaltung einsteigen soll.

Die Lage dieser Programmsparte gilt in der ARD intern als desolat. Insofern wird Schmidts Verpflichtung als erster Erfolg gemeinschaftlicher Unterhaltungsanstrengungen gesehen. Wenn man noch bedenkt, daß die „Unterhaltungskoordinatorin“ der ARD - die Sender halten sich für jeden Programmbereich eine solche Position bei der Programmdirektion des Ersten in München - Verena Kulenkampff vom NDR ist, den wiederum der ARD-Vorsitzende Jobst Plog als Intendant führt, sieht man, wie geschickt die Sache eingefädelt wurde. Da konnte Harald Schmidt das Anwerbeschreiben Plogs getrost bei seinen Kabarettauftritten vorlesen. Es war und ist unglaublich.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. November 2004
Bildmaterial: dpa

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