Terence Hill wird siebzig

Zwei blaue Augen für ein Hallelujah

Von Tobias Rüther

Terence Hill in “Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1969)

Terence Hill in "Die rechte und die linke Hand des Teufels" (1969)

29. März 2009 Als Mario Girotti noch ein kleiner Junge war, aber schon die blauen Augen hatte, die ihn später berühmt machen sollten, sah er aus seinem Kinderzimmerfenster in Lommatzsch, wie Dresden bombardiert wurde. Sein Vater Giralomo Girotti, ein Chemiker aus Venedig, der damals bei Schering arbeitete, kam an diesem 13. Februar 1945 nicht heim. Tagelang warteten der fünfjährige Mario und seine deutsche Mutter Hildegard auf ihn, bis er endlich wiederkam: Der Vater hatte mit angepackt, als in den Trümmern der zerstörten Stadt nach Opfern gesucht wurde.

Fünfzig Jahre später ist der blauäugige Mario Girotti nach Lommatzsch zurückgekehrt. Da hieß er Terence Hill und war ein berühmter Filmstar, eines der markanten Gesichter der sogenannten Spaghetti-Western, die seit den sechziger Jahren Hollywood mit drastischen Geschichten aus dem Wilden Westen das Fürchten gelehrt hatten. Zum Beispiel mit „Gott vergibt . . . Django nie!“, jenem Film, in dem Terence Hill 1967 seine erste Hauptrolle spielte - und auf einen anderen Italiener namens Carlo Perdersoli traf, den die Welt als Bud Spencer kennenlernte. Die zwei wurden fortan unzertrennlich, zwei Männer der Klamotte, wie es sonst nur Laurel und Hardy oder Pat und Patachon waren (siehe auch: Eine Begegnung mit Bud Spencer und Franco Nero).

Oft albern, oft witzig

Es ist, als hätte dieser junge Mario Girotti aus Lommatzsch bei Dresden so gar nichts zu tun mit dem gutgelaunten, unerschütterlichen, oft albernen, oft witzigen Terence Hill aus dem italienischen Wilden Westen, der in unzähligen Saloonschlägereien seine Fingerfertigkeit unter Beweis stellen musste. Hill griff in diesen Rollen selten zur Waffe, er verteilte lieber Ohrfeigen. Manchmal tat er sogar beides, wie in „Mein Name ist Nobody“ von 1973, wo er einem Fiesling den Colt aus dem Halfter zog und ihm zugleich eine schmierte, wieder und wieder und immer schneller, das ging dank simpler Tricktechnik und wurde zu einem seiner Markenzeichen. Genau wie das Verspeisen von Bohnen und Speck, direkt aus der Pfanne.

„Mein Name ist Nobody“ ist sicher Terence Hills schönster Western geworden, dort spielt er an der Seite von Henry Fonda: vier blaue Augen für ein Hallelujah. Die anderen Hallelujah-Filme mit Bud Spencer, zum Beispiel „Der Teufel kennt kein Hallelujah“ von 1971, verblassen gegen diesen ironisch-melancholischen Abgesang auf die Revolverepen. Die Prügelfilme versenden sich seit Jahren schon und vermutlich bis in alle Ewigkeit in den Wiederholungsschleifen deutscher Privatsender, ein typischer Fall für die kultische Verehrung einer treuen Fangemeinde.

Zu Fuß nach Rom

Zwei Jahre nach Kriegsende war die Familie Girotti von Dresden nach Rom ausgewandert, im wahrsten Sinne des Wortes: Sie gingen zu Fuß. Mit fünfzehn nimmt Mario Schauspielunterricht, studiert Literatur und Philosophie, bricht das aber ab und geht zum Film. Im Jahr 1962 ist er in Luchino Viscontis „Leopard“ als Graf Cavriaghi zu sehen, spielt danach in den deutschen Karl-May-Filmen, aber erst, als er seinen Namen hollywoodtauglich ändert, nimmt seine Karriere richtig Fahrt auf. Mit Hollywood wird es dann später aber nichts, auch wenn er einmal an der Seite von Gene Hackman spielt, 1977 ist das, aber der Film, er heißt „March or Die“, ist längst vergessen.

Und dann hat Terence Hill noch „Lucky Luke“ gespielt. Einen Cowboy, den sich ein Belgier ausgedacht hat. Das passte, denn in dieser Welt zwischen Europa und einem überspitzten Amerika sind seine Rollen immer zu Hause gewesen. An diesem Sonntag, dem 29. März, wird Terence Hill siebzig Jahre alt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/Morgan, Cinetext/Omega

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