60 Jahre Meryl Streep

Eine Frau zwischen Sinn und Sinnlichkeit

Beste Schauspielerin ihrer Generation: Meryl Streep

Beste Schauspielerin ihrer Generation: Meryl Streep

22. Juni 2009 

Keine war so oft für den Oscar nominiert wie Meryl Streep, die ihn in fünfzehn Anläufen zweimal gewonnen hat, und dasselbe gilt für die Golden Globes, wo sechs Siege auf dreiundzwanzig Nominierungen kommen. Sie wird als beste Schauspielerin ihrer Generation bezeichnet, und dieser Ruf eilte ihr eigentlich schon voraus, ehe sie von der Bühne zum Film wechselte und schon in ihren ersten Nebenrollen in Fred Zinnemanns „Julia“ und Michael Ciminos „The Deer Hunter“ Eindruck machte und gleich einen Emmy für ihre Rolle in der Fernsehserie „Holocaust“ gewann.

Die beste lebende Schauspielerin, das sagt sich so leicht und klingt doch auch nach einer Menge Anstrengung, und tatsächlich war eine Zeitlang ihr Problem, dass sie mehr bewundert als geliebt wurde. Die berühmte amerikanische Filmkritikerin Pauline Kael hat an ihrer Rolle in „Sophie's Choice“ bemängelt, dass Meryl Streep nur mit dem Kopf und nicht auch mit dem Körper spiele, und selbst Katherine Hepburn monierte, man sehe bei ihrer Kollegin immer, wie es in ihrem Kopf arbeite.

Ab fünfzig ging es noch mal richtig los

Dabei ist es aber natürlich genau dieser kontrollierte Umgang mit der Körperlichkeit, der in „Out of Africa“ aus dem bloßen Haarewaschen einen Akt von unglaublicher Sinnlichkeit und Hingabe macht und der die Szenen in „Silkwood“, wenn sie nackt unter der Dusche geschrubbt wird, so schmerzhaft wirken lässt. Und ihr Erblühen in der kurzen Zeit des Glücks mit Clint Eastwood in „The Bridges of Madison County“ lebt eben auch davon, dass sie eine Frau spielt, die sich nicht über ihren Körper definiert.

Als Meryl Streep auf die vierzig zuging, versuchte sie sich auch an leichterem Material, in dem sie dann aber eher angestrengt wirkte; aber gerade, als sie anfing, mit den Stoffen für Frauen ihres Alters zu hadern, ging es ab fünfzig nochmal richtig los. Als Autorin in „Adaptation“, als Mutter und Freundin in „The Hours“ - und in „Angels in America“ gleich in vier Rollen als Rabbi und Engel und Witwe und Ethel Rosenberg.

Danach kaute sie als Übermutter in „The Manchurian Candidate“ so lustvoll auf den Eiswürfeln ihres Drinks, dass einem Angst und Bange werden konnte - aber erst mit der Chefredakteurs-Hexe in „The Devil Wears Prada“ und dem ausgelassenen Abba-Unsinn „Mamma Mia!“ hat man den Eindruck, dass sie nicht nur bewundert, sondern auch geliebt wird. Das ist zum Sechzigsten, den sie heute feiert, das schönste Geschenk.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: 20th Century Fox/Cinetext, AP, CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/ARD/Degeto, Cinetext/Constantin Film, ddp, Fox, Sony Pictures/Cinetext, Universal Pict.Int.Ger./Cinetext

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