Kino

Lizenz zur Schönen: Die Bond-Girls

Von Dieter Bartetzko

Kein Bond ohne Girls

Kein Bond ohne Girls

17. November 2006 Vesper Lynd? Keine Ahnung. Eva Green? Ebenso. Es sei denn, man ist Kinoliebhaber und hat das mäßig erfolgreiche Historiendrama „Königreich des Himmels“ gesehen, in dem Miss Green eine Hauptrolle spielte. Ansonsten ist sie nur französischen Theaterenthusiasten bekannt, die sie in „Jalousie en trois fax“ auf einer Pariser Bühne erlebt haben.

Alles wird anders mit diesem Satz: Eva Green alias Vesper Lynd ist das neue Bondgirl. Sofort steigt vor dem geistigen Auge eine perfekt geformte Schönheit auf, deren wiegender Gang darüber hinwegtäuscht, daß die unbeschreiblich weibliche Ausstrahlung einen stählernen Kern verbirgt, dem die „Lizenz zum Töten“ ebenso gebührt wie jenem James, dessen Nachname als Etikett der Schönen dient.

Weizenblond oder ebenholzfarben

Eva Green ist dunkelhaarig, wozu ihre blauen Augen reizvoll kontrastieren. Doch das spielt eine untergeordnete Rolle. Denn ein Bondgirl kann, wie Ursula Andress oder Britt Ekland, auch weizenblond, groß und vollbusig sein, kann, wie Karin Dor, als klassische Schönheit blauschwarz schimmernde Haare zu faszinierend blauvioletten Augen bieten, kann sogar, wie Diana Rigg, eher knabenhaft gebaut sein und ein Katzengesicht vorweisen oder, wie Grace Jones, dem Agenten 007 als ebenholzfarbene Venus die Sinne verwirren.

Gemeinsam sind ihnen allen nur drei Eigenschaften: Sie tragen meistens bedeutungsschwangere oder gern auch anzügliche Filmnamen wie Elektra King, May Day, Lisl von Schlaf oder Honey Rider, Pussy Galore, Miss Goodthigs. Sie sind immer, was die Produzenten des neuesten Bondfilms über Eva Green sagen, „die Vereinigung von Rätselhaftigkeit und Schönheit“ - und sie sind allzeit todgeweiht. Ave James, morituri te salutant: Morituri lautet der eigentliche Deckname sämtlicher Bondgespielinnen. Es braucht nicht einmal handgestrickte Psychologie, um sie damit als klassische Ausgeburten nicht minder klassischer Männerphantasien zu erkennen.

Sie büßen die Gefühle mit dem Tod

Im Grunde sind Ian Fleming und alle Drehbuchautoren Brüder Heinrich von Kleists, der in seinem schauerlichsten Drama die Amazone Penthesilea den begehrten Achilleus vor Liebe fressen läßt. Nur ist bei Bond der Spieß umgedreht: Hier büßen die Girls die Gefühle, die sie im Geheimagenten Ihrer Majestät auslösen, mit dem Tod. Den bisher gräßlichsten starb Shirley Eaton als Jill Masterson, die am Goldlack erstickte, mit dem man ihren nackten Körper überzog.

Für Bondgirls brachte der Kontakt mit 007 nicht nur den Rollentod, sondern oft auch den der Karriere. Kaum eine Schauspielerin, ausgenommen Diana Rigg und Sophie Marceau und Halle Berry, konnte die Ruhmeshöhe halten, auf die sie als Bondgirl katapultiert worden war. Eva Green könnte den Teufelskreis durchbrechen. Sie dreht momentan mit Daniel Craig, dem neuen James Bond, den Fantasyfilm „His Dark Materials“. Das könnte sie darüber hinwegtrösten, daß nach der Premiere von „Casino Royal“ niemand vom Bondgirl schwärmte, dafür aber Keisha, Mitglied der „Sugababes“, beim Anblick von Daniel Craig gleich einer Penthesilea verkündete: „Ich habe Lust auf ihn.“

Text: F.A.Z., 17.11.2006, Nr. 268 / Seite 44
Bildmaterial: CINETEXT, CINETEXT Bild & Textarchiv, Cinetext Bildarchiv, Sony Pictures/Cinetext

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Die Mutter aller Bond-Girls: Ursula Andress als “Honey Ryder“ in “James Bond jagt Dr. No“ (1962)Den berühmtesten Tod eines Bond-Girls erlitt Shirley Eaton als “Jill Masterson“ in “Goldfinger“ (1964)Hätte auch im “Frosch mit der Maske“ spielen können: Claudine Auger als “Domino Derval“ in “Feuerball“ (1965)Bitte etwas entspannter, Herr Connery: Molly Peters legt als “Patricia Fearing“ in “Feuerball“ Hand an“Aki“ Akiko Wakabayashi in “Man lebt nur zweimal“ (1967)Nicht schießen, ich zieh' das Hemd ja aus: Diana Rigg als „Teresia di Vicenzo” bedroht George Lazenby (”Im Geheindienst Ihrer Majestät”, 1969)Das haarige Bein dürfte seins sein: Sean Connery badet in “Diamantenfieber“ (1971) mit “Tiffany Case“ (Jill St. John)“Leben und sterben lassen“ (1973) - Gloria Hendry war als “Rosie Carver“ mit dabei“Der Spion, der mich liebte“ wählte 1977 Barbara Bach (“Anya Amasova“)Partnerlook: Lois Chiles als “Holly Goodhead“ mit Roger Moore in “Moonraker“ (1979)Cassandra Harris hieß in “In tödlicher Mission“ (1981) allen Ernstes “Lisl von Schlaf“...echtes StehvermögenSie war 1983 „Octopussy”: Maud Adams bei ihrem zweiten Bond-Girl-Einsatz“May Day“ - der passende Rollenname für Grace Jones in “Im Angesichts des Todes“ (1985)Da strahlt selbst ein Bond wie ein Honigkuchenpferd: Timothy Dalton zwischen “Pam Bouvier“ (Carey Lowell, links) und “Lupe Lamora“ (Talisa Soto) in “Lizenz zum Töten“ (1989)“Xenia Onatopp“ alias Famke Janssen in “Goldeneye“ (1995)“Way Lin“ (Michelle Yeoh) war in “Der Morgen stirbt nie“ (1997) ebenfalls Bond-GirlManche Frauen rauben einem den Atem: Sophie Marceau und Pierce BrosnanDie kühle Dame (Rosamunde Pike) aus “Stirb an einem anderen Tag“ (2002) heißt folgerichtig “Miranda Frost“Doch auch Caterina Murino als “Solange“ kommt ihm näher Die “Liebesgrüße aus Moskau“ schickte 1963 eine Italienerin: Daniela Bianchi als “Tatiana Romanova“ und Sean Connery“Pussy Galore“ (Honor Blackman) blieb im selben Film der Goldanstrich erspart“Fiona Volpe“ (Luciana Paluzzi) auf dem Feuerstuhl in “Feuerball“Die Deutsche Karin Dor trug 1967 in “Man lebt nur zweimal“ den schönen Namen “Helga Brandt“Noch so ein Lieblingsname: Mie Hama spielte in “Man lebt nur zweimal“ (1967) “Kissy Suzuki““Plenty O'Toole“ (Lana Wood) leidet am “Diamantenfieber“ (1971)“Solitaire“ in Begleitung: Jane Seymour in “Leben und sterben lassen“ (1973)Huch, da kommt „Der Mann mit dem goldenen Colt” (1974)! Roger Moore, „Andrea Anders” Maud Adams (l.) und „Mary Goodnight” Britt Ekland zitternHoffentlich alles wasserdicht: Caroline Munro 1977 in “Der Spion, der mich liebte“„Melina Havelock” bei der Arbeit: Carole Bouquet in „In tödlicher Mission” (1981)Als „Fatima Blush” in „Sag niemals nie” (1983) beweist Barbara Carrera...Manches Bond-Girl ward nach ihrem Auftritt neben 007 kaum mehr gesehen. Für Kim Basinger (1983 “Domino Pitachi“ in “Sag niemals nie“) gilt dies nicht Kristina Wayborn hatte in “Octopussy“ (1983) nur einen Vornamen: “Magda“Ja, die Fliege sitzt: Maryam d'Abo checkt als „Kara Milovy” den Bond-Darsteller Timothy Dalton in „Der Hauch des Todes” (1987)Das gibt Nackenschmerzen: Izabella Scorupco (“Natalya Simonova“) und Pierce Brosnan in “Goldeneye“ (1995)Damals noch keine verzweifelte Hausfrau: Teri Hatcher 1997 mit Pierce Brosnan in “Der Morgen stirbt nie““Christmas Jones“ (Denise Richards, links) und “Elektra King“ (Sophie Marceau) sind Kontrahentinnen in “Die Welt ist nicht genug“ (1999)Hommage an Ursula Andress: Halle Berry als “Giacinta 'Jinx' Johnson“ in “Stirb an einem anderen Tag“ (2002)Das neueste Bond-Girl: Eva Green testet als “Vesper Lynd“ den neuen 007 Daniel Craig