Kino

Der Unnahbare: Robert Redford wird siebzig

Von Verena Lueken

Jung und blond: Redford auf einer undatierten Aufnahme

Jung und blond: Redford auf einer undatierten Aufnahme

18. August 2007 Als Mike Nichols seine Schauspieler für „Die Reifeprüfung“ zusammensuchte, dachte er bei der Besetzung der Hauptrolle auch an Robert Redford. Redford hatte unter seiner Regie einige Jahre zuvor, im Jahr 1963, am Broadway in dem Neil-Simon-Stück „Barfuß im Park“ enormen Erfolg gehabt, und so machte Nichols Probeaufnahmen von ihm; die weibliche Rolle, die später Ann Bancroft spielen sollte, übernahm Candice Bergen. „Hat dich eigentlich jemals eine Frau zurückgewiesen?“, fragte Nichols den damals kaum dreißigjährigen Schauspieler, als er die Muster sah. „Was meinst du damit?“, fragte Redford zurück. „Exactly my point“, sagte Nichols, und die Rolle des unscheinbaren Collegestudenten spielte bekanntlich dann Dustin Hoffman, der wusste, wovon Nichols sprach.

Vierzig Jahre später darf man annehmen, dass die Schar der Frauen, die Robert Redford zu Füßen liegen, ein wenig kleiner geworden ist, allerdings auch, dass ihn das völlig kaltlässt. Als Schauspieler verdankte er seine Karriere zwar zu einem Gutteil seinem blendenden Aussehen, aber Schauspielen ist schon seit langem nicht mehr das, was er vor allem tut. Seine Filmographie als Produzent und ausführender Produzent umfasst fünfundzwanzig Filme, Regie geführt hat er bei acht (sein jüngster mit dem deutschen Titel „Von Löwen und Lämmern“ soll im November hier in die Kinos kommen), sein Sundance Institute hat sich seit der Gründung im Jahr 1981 zu einer eigenen Marke mit Filmfestival, Fernsehsender und Kinos entwickelt, und Redford selbst tritt eher als in Hollywood auf Veranstaltungen zum Umweltschutz in Erscheinung. Dennoch bleibt er fraglos einer der wenigen Stars, die noch etwas haben vom überirdischen Glamour des alten Hollywood, für das er, der heute siebzig wird, eigentlich zu jung war. Als er beim Film anfing, war das Studiosystem schon am Ende.

Aura der Unnahbarkeit

Was ihn dennoch eher mit Cary Grant als mit Tom Cruise verbindet, ist seine Aura der Unnahbarkeit, das Erstaunen über die Wirkung, die er auf andere Menschen hat, ein von seiner Persönlichkeit fast völlig abgekoppeltes öffentliches Image und eine gleichsam physische Unmöglichkeit, auch unter bester Regie und in bester Schauspielform in seinen Filmen irgendein anderer zu sein als Robert Redford. Dustin Hoffman kann Autisten, Frauen, Gestalten aus anderen Jahrhunderten, Studenten, wütende Ehemänner, gewaltbereite Mathematiker und Hundertjährige spielen. Robert Redford spielt immer Robert Redford.

Das heißt nicht, dass er ein schlechter Schauspieler wäre, wie es ihm etwa vom amerikanischen Kritiker David Thompson nachgesagt wird. Er hat schon ein unverwechselbares Timing vor allem in seiner Mimik, die mit ein paar typischen Ausdrucksformen wie dem plötzlichen Augenhochschlagen, einem einäugigen Zwinkern, einem Blinzeln ins Licht auskommt, und seine Darstellung selbst gebrochener Figuren umgibt immer eine ungeheure Souveränität, seine komödiantischen Auftritte immer etwas Verhaltenes. Dabei gibt es eine Wut in ihm - möglicherweise darüber, dass Amerika moralisch, politisch, sozial und ökologisch immer wieder hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt -, die in Rollen wie etwa in Alan Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“ von 1976 durchscheint, ohne auszubrechen.

Woodward rief nicht zurück

Bob Woodward von der „Washington Post“, den Redford in diesem Film spielt, war übrigens einer der wenigen, die tatsächlich nein zu Redford sagten. Als 1972 die ersten Artikel über den Einbruch im Demokratischen Wahlkampfbüro im Watergate Hotel erschienen und sich ein politischer Skandal ohnegleichen ankündigte, versuchte Redford, sich mit Woodward in Verbindung zu setzen, um mit ihm über einen möglichen Film zu sprechen, erreichte ihn aber nicht. Woodward rief nicht zurück, jahrelang nicht. Und als er sich schließlich doch aufraffte, stellte er Bedingungen. Die Aussicht, von Robert Redford gespielt zu werden, schien ihm offenbar weniger verlockend als ein lukrativer Buchvorschuss. Am Ende bekam er beides.

Paul Newman, der ein guter Freund von Redford ist und in zwei der besten Filme, die sie beide gedreht haben, mit ihm zusammen spielte („Butch Cassidy and the Sundance Kid“ und „The Sting“), hat einmal gesagt, es sei eine der verblüffenden Qualitäten Redfords, dass man nicht spürt, ob er da ist oder nicht. Und seine Mitarbeiter berichten, dass er manchmal einfach unbemerkt verschwindet, aus dem Schneideraum vor wichtigen Entscheidungen, vor Drehbeginn, während der Ansicht von Mustern, und dann ganz selbstverständlich irgendwann wieder da ist. Es ist diese Unerreichbarkeit, diese Flüchtigkeit der Präsenz, die, vielleicht außer George Clooney, kein Star von heute mehr besitzt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: 20th Century Fox/Cinetext, AP, CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/Morgan, Cinetext/van Eick, Tobis/Cinetext

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