Golden Globes

„Ich habe dich 13 Jahre lang geliebt“

Sprach von Liebe viel: Kate Winslet, mit Golden Globe geehrt, von Gefühlen überwältigt

Sprach von Liebe viel: Kate Winslet, mit Golden Globe geehrt, von Gefühlen überwältigt

12. Januar 2009 Das Kinodrama „Slumdog Millionär“ ist der große Gewinner bei den diesjährigen Golden Globes. Auf den Film von Danny Boyle über einen bettelarmen indischen Waisenjungen entfielen in der Nacht bei der feierlichen Preisverleihung in Los Angeles gleich vier der begehrten amerikanischen Auszeichnungen, darunter der Hauptpreis als bester Film des Jahres.

Doppelt geehrt wurde die britische Schauspielerin Kate Winslet (33), sowohl für ihre Rolle in der Verfilmung von Bernhard Schlinks Bestseller „Der Vorleser“ (siehe auch: Film zum Buch zur Schuld: „Der Vorleser“ in Amerika) als auch für ihre Darstellung im Ehedrama „Zeiten des Aufruhrs“, in dem sie an der Seite Leonardo DiCaprios spielt. Der vor einem Jahr gestorbene Schauspieler Heath Ledger erhielt für seine unvergessliche Darstellung des Joker in dem Batman-Thriller „The Dark Knight“ (siehe auch: Video-Filmkritik: „The Dark Knight“) posthum einen Darstellerpreis.

Der deutsche Film „Der Baader Meinhof Komplex“ (siehe auch: Video-Filmkritik: „Der Baader Meinhof Komplex“) ging leer aus. In der Kategorie bester ausländischer Film gewann stattdessen der animierte Dokumentarfilm „Waltz With Bashir“ (siehe auch: Video-Filmkritik: „Waltz with Bashir“) aus Israel, der unter Mitarbeit der deutschen Produzenten Gerhard Meixner und Roman Paul entstand.

Danke, Sam - Ich habe dich geliebt, Leonardo

Für „Slumdog Millionär“ holte der britische Filmemacher Boyle („Trainspotting“) neben der Auszeichnung als bester Film auch die Preise für die beste Regie und das beste Drehbuch. Die Filmmusik wurde ebenfalls ausgezeichnet. Boyle sagte, er danke dem Verband der Auslandspresse für ihre „verrückte, spannende Zuneigung“ zu seinem Werk. Der Film aus den Slums von Bombay galt als Favorit, weil er trotz der Armut und Gewalt dort eine wunderschöne Erzählgeschichte liefert.

Kate Winslet war von ihrem Doppelsieg zu Tränen gerührt. Sie hatte trotz mehrerer Nominierungen bisher noch nie einen Golden Globe oder einen Oscar erhalten. In „Zeiten des Aufruhrs“, in dem ihr Mann Sam Mendes die Regie führte, stand sie Jahre nach dem Sensationserfolg mit „Titanic“ erstmals wieder mit ihrem damaligen Partner Leonardo DiCaprio vor der Kamera. „Ich habe dich 13 Jahre lang geliebt“, versicherte sie dem Leinwandschönling, dankte aber zugleich ihrem Mann für die harte Filmarbeit.

„Dark Knight“-Regisseur Chris Nolan für Heath Ledger auf der Bühne

In „Der Vorleser“ nach dem gleichnamigen deutschen Erfolgsroman spielt sie die erfahrene Liebhaberin eines viel jüngeren Mannes, die sich später in einem Kriegsverbrecherprozess verantworten muss. Weitere Schauspielpreise gingen an den amerikanischen Darsteller Mickey Rourke für „The Wrestler“ (siehe auch: Filmfestival in Venedig: „The Wrestler“ erringt den Goldenen Löwen) und an den Iren Colin Farrell für die tragikomische Mördergeschichte „Brügge sehen - und sterben?“ (siehe auch: Video-Filmkritik: „Brügge sehen . . . und sterben?“). Die Britin Sally Hawkins bekam die begehrte Trophäe in Form einer Weltkugel für ihre Rolle als optimistische Lehrerin in der Komödie „Happy-Go-Lucky“ (siehe auch: Mike Leighs „Happy-Go-Lucky“ und Antonello Grimaldi „Caos calmo“ im Berlinale-Wettbewerb). Woody Allens Film „Vicky Christina Barcelona“ (siehe auch: Video-Filmkritik: „Vicky Cristina Barcelona“ ) holte die Trophäe in der Kategorie beste Komödie. Der Filmemacher war bei der Preisverleihung nicht selbst anwesend.

Den Preis für Ledger nahm „Dark Knight“-Regisseur Chris Nolan stellvertretend entgegen. Er tue dies mit Trauer, aber auch mit unglaublichem Stolz, sagte der Filmemacher. Ledger sei ein herausragender, hingebungsvoller Schauspieler gewesen. Der Australier war im Januar 2008 mit 28 Jahren an einer Überdosis Medikamenten gestorben.

„Spielberg und die Kunst des Kinos - das eine ist ohne das andere undenkbar

Starregisseur und -Produzent Steven Spielberg („Schindlers Liste“) wurde - wie bereits im vergangenen Jahr angekündigt - für sein Lebenswerk geehrt. Sein langjähriger Wegbegleiter Martin Scorsese überreichte ihm den Cecil B. DeMille Preis mit den Worten: „Spielberg und die Kunst des Kinos - das eine ist ohne das andere undenkbar.“

Die Golden Globes werden alljährlich vom Verein der Hollywood- Auslandspresse in 25 Kategorien für Film und Fernsehen ausgelobt. Sie gelten als Indikator für die Oscars, die diesmal in der Nacht auf den 23. Februar vergeben werden. Seit mehreren Jahren gab es allerdings keine Übereinstimmung. Im vergangenen Jahr war die Golden-Globe-Zeremonie wegen des Streiks der Drehbuchautoren ausgefallen (siehe auch: Ein Trauerspiel: Die Vergabe der Golden Globes).

Alle Gewinner der 66. Golden Globe Awards

Bestes Drama: „Slumdog Millionär“

Beste Komödie/bestes Musical: „Vicky Cristina Barcelona“ (siehe auch: Video-Filmkritik: „Vicky Cristina Barcelona“ )

Bester Regisseur: Danny Boyle („Slumdog Millionär“)

Beste Schauspielerin Drama: Kate Winslet („Zeiten des Aufruhrs“)

Bester Schauspieler Drama: Mickey Rourke („The Wrestler“) (siehe auch: Filmfestival in Venedig: „The Wrestler“ erringt den Goldenen Löwen)

Beste Schauspielerin Komödie/Musical: Sally Hawkins („Happy-Go-Lucky“)

Bester Schauspieler Komödie/Musical: Colin Farrell („Brügge sehen ... und sterben?“) (siehe auch: Video-Filmkritik: „Brügge sehen . . . und sterben?“)

Beste Nebendarstellerin: Kate Winslet („Der Vorleser“) (siehe auch: Film zum Buch zur Schuld: „Der Vorleser“ in Amerika)

Bestes Drama: „Slumdog Millionär“

Beste Komödie/bestes Musical: „Vicky Cristina Barcelona“

Bester Regisseur: Danny Boyle („Slumdog Millionär“)

Beste Schauspielerin Drama: Kate Winslet („Zeiten des Aufruhrs“)

Bester Schauspieler Drama: Mickey Rourke („The Wrestler“)

Beste Schauspielerin Komödie/Musical: Sally Hawkins
(„Happy-Go-Lucky“) (siehe auch: Mike Leighs „Happy-Go-Lucky“ und Antonello Grimaldi „Caos calmo“ im Berlinale-Wettbewerb)

Bester Schauspieler Komödie/Musical: Colin Farrell („Brügge sehen...
und sterben?“)

Beste Nebendarstellerin: Kate Winslet („Der Vorleser“)

Bester Nebendarsteller: Heath Ledger („The Dark Knight“) (siehe auch: Video-Filmkritik: „The Dark Knight“)

Bester Animationsfilm: „Wall-E“

Bester fremdsprachiger Film: „Waltz with Bashir“ (Israel) (siehe auch: Video-Filmkritik: „Waltz with Bashir“)

Bestes Drehbuch: Simon Beaufoy („Slumdog Millionär“)

Beste Filmmusik: „Slumdog Millionär“ (A. R. Rahman)

Bestes Original-Lied: „The Wrestler“ (Musik und Text: Bruce
Springsteen)

Beste TV-Serie Drama: „Mad Men“

Beste Schauspielerin Drama-Serie: Anna Paquin („True Blood“)

Bester Schauspieler Drama-Serie: Gabriel Byrne („In Treatment“)

Beste TV-Serie Musical/Komödie: „30 Rock“

Beste Schauspielerin TV-Serie Musical/Komödie: Tina Rey („30 Rock“)

Bester Schauspieler TV-Serie Musical/Komödie: Alec Baldwin („30
Rock“)

Beste Miniserie/bester Fernsehfilm: „John Adams“

Schauspielerin Miniserie/Fernsehfilm: Laura Linney („John Adams“)

Schauspieler Miniserie/Fernsehfilm: Paul Giamatti („John Adams“)

Beste TV-Nebendarstellerin: Laura Dern („Recount“)

Bester TV-Nebendarsteller: Tom Wilkinson („John Adams“)

Text: dpa
Bildmaterial: AP, Cinetext Bildarchiv, Concorde/Cinetext, ddp, dpa, Kinowelt/Cinetext, reuters, Senator/Cinetext, Universal Pict.Int.Ger./Cinetext, Warner Bros./Cinetext

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„Der Vorleser“ in Amerika

Das Grauen versinkt im Morgenlicht

Die Hochglanzästhetik und die Schuldappelle vertragen sich in der Verfilmung schlecht

Die Verfilmung von Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ ist in Amerika angelaufen. Doch die Balance von Schuld, Sex und Moral geht nicht auf. Das Grauen versinkt in Hochglanzästhetik. Aber der Amerikaner ist es gewöhnt, den Nationalsozialismus in alle Formate zu pressen. Von Lars Jensen

Filmpreis

Winslet und Boyles gewinnen Golden Globes

Die diesjährige Verleihung der „Golden Globes“ war eine der Überraschungen: Vor allem Regisseur Danny Boyle konnte mit seinem Film „Slumdog Millionaire“ überzeugen. Schauspielerin Kate Winslet gewann gleich zwei der begehrten Auszeichnungen: für die beste weibliche Haupt- und die beste Nebenrolle.

Filmfestspiele Venedig

Die eine tanzt, die andere weint

Szene aus “Les Plages d'Agnès“

Agnès Varda geht zum Strand, Jonathan Demme zu einer Hochzeit: Plötzlich kann das Festival von Venedig mit zwei Filmen aufwarten, die uns Menschen nahebringen, ihre Geschichten, ihre Hoffnungen, ihre Trauer, ihre Schönheit - alles eben, was sie als Figuren lebendig macht. Von Michael Althen, Venedig

Filmfestival in Venedig

„The Wrestler“ erringt den Goldenen Löwen

Der New Yorker Regisseur Darren Aronofsky hat beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Er erhielt den Preis für „The Wrestler“ mit Mickey Rourke in der Hauptrolle. Mit einem Spezial-Löwen für sein Gesamtwerk wurde der deutsche Regisseur Werner Schroeter ausgezeichnet.

Video-Filmkritik

Postkartenbilder: „Brügge sehen . . . und sterben?“

Spezial Zwei Auftragskiller machen Kurzurlaub in Brügge, wo der ältere (Brendan Gleeson) den jüngeren (Colin Farrell) umlegen soll. Martin McDonaghs „Brügge sehen . . . und sterben?“ ist erstklassig besetzt und doch ziemlich schal. Von Peter Körte

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Die Liebe springt im Dreieck: „Vicky Cristina Barcelona“

Spezial Jedes Jahr ein Film, aber nicht jedes Jahr eine neue Idee: Harmlos und onkelhaft erzählt Woody Allens „Vicky Cristina Barcelona“ die Liebesabenteuer zweier junger Amerikanerinnen in Spanien. Den feinen Unterschied machen Penélope Cruz und Scarlett Johansson. Von Peter Körte

Video-Filmkritik

Das Böse selbst: „The Dark Knight“

Spezial „The Dark Knight“, der zweite Batman-Film von Christopher Nolan, wird womöglich bald den Erfolg von „Titanic“ einholen. Der Film ist verdammt gut - und ein Denkmal für Heath Ledger, der als Joker alle Feinde dieser Welt in einer einzigen Figur vereinigt. Von Verena Lueken

Video-Filmkritik: „Kung Fu Panda“

Der Bär ist mehr als ein Berserker

Spezial Ein Trickfilm-Panda zieht gegen das Böse in der Welt zu Felde und müss dafür aber erst einmal seinen Körper in den Griff bekommen. „Kung Fu Panda“ ist eine zauberhafte Hommage an den amerikanischen Kung-Fu-Film der siebziger Jahre und ein Werk für den unambitionierten Massengeschmack zugleich. Von Andreas Platthaus

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Die Welt gehört den Robotern. Der Trickfilm „Wall-E“ zeigt eine Zukunft, in der wir auf die Liebe der Androiden angewiesen sind, um unser Überleben zu sichern. Er lässt aber auch auf ein besseres Amerika hoffen: voller Ökologie, Kultur und Pflichtbewusstsein. Von Andreas Platthaus

Video-Filmkritik

Polit-Porno: „Der Baader Meinhof Komplex“

Spezial Ein Film, der nur aus Höhepunkten besteht: „Der Baader Meinhof Komplex“ erzählt die Geschichte der RAF als Actionfilm - aber bei so viel Stoff bleibt kaum je Zeit, den Blick auch mal auf die Menschen hinter den Aktionen zu richten. Von Michael Althen

Berlinale-Wettbewerb

Die Nachhilfestunden des Lebens

Im wahren Leben wäre sie unerträglich: Sally Hawkins als Lehrerin in Mike Leighs “Happy-Go-Lucky“

Mike Leighs „Happy-Go-Lucky“ ist in einem Berlinale-Aufgebot aus erwürgten Tragödien und verstolperten Thrillern die wilde und fröhliche Ausnahme. Mit einer Hauptdarstellerin, die sich, wenn nicht alles täuscht, auf einen Silbernen Bären freuen darf. Von Andreas Kilb

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„Baader-Meinhof-Komplex“ greift nach Golden Globes

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