Zum Tod von Dith Pran

Schreiendes Kambodscha

Von Verena Lueken

01. April 2008 Wahrscheinlich war Dith Pran einer der berühmtesten Kambodschaner in der westlichen Welt, berühmt geworden durch einen Film, in dem er nicht mitspielte, und durch einen Preis, den er nicht bekam. Der Film ist „The Killing Fields - Schreiendes Land“ (Doppel-DVD bei Arthaus) von Roland Joffe, und Pran ist eine der Hauptfiguren, gespielt von Haing S. Ngor. Doch es ist Prans Geschichte, die Joffe erzählt, verbunden mit der des Korrespondenten der „New York Times“ Sydney Schanberg, für den Pran als Kontaktbeschaffer, Rechercheur, Dolmetscher, ein wenig auch als Diener arbeitete.

Von 1972, als Schanberg zum ersten Mal aus Kambodscha berichtet, bis 1975, als Schanberg mit den letzten Ausländern das Land verlässt, haben die beiden zusammengearbeitet. Dass Pran nicht unter den Evakuierten war, hat sich Schanberg lange vorgeworfen - es war nicht gelungen, einen Pass für Pran zu fälschen, der den Zeitpunkt, mit seiner Familie das Land zu verlassen, aus Loyalität mit Schanberg hatte verstreichen lassen. Pran also musste bleiben, wurde von den Roten Khmer verschleppt, gefoltert, bis ihm nach dem Einmarsch der Vietnamesen die Flucht gelang.

Rätselhafte Geschichte

Für seine Berichterstattung, die ohne Prans Hilfe nicht möglich gewesen wäre, hatte Schanberg inzwischen den Pulitzer-Preis gewonnen, den er dem Freund widmete, ohne ihm helfen zu können. Der Film erzählt diese Geschichte mit dokumentarischem Duktus, so dass am Wochenende, als Prans Tod nach schwerer Krankheit in seinem amerikanischen Exil bekannt wurde, die Erinnerung sofort das Gesicht des Pran-Darstellers Haing S. Ngor abrief.

“New York Times“-Reporter Sydney Schanberg und Dith Pran im Oktober 1979 in T... Dith Pran im Jahr 1979 Als Gefangener der Roten Khmer hatte Dith Pran Frondienste leisten müssen Schanberg an Dith Prans Krankenbett in New Jersey (13. März) Haing S. Ngor spielte Dith Pran in dem Film “Killing Fields“ (1983) Sam Waterston übernahm die Rolle Sydney Schanbergs

Ngor hat seinerseits eine rätselhafte Geschichte. Für die Rolle des Pran gewann er neben vielen anderen Preisen auch einen Oscar und wurde 1996 in Los Angeles ermordet. Beide, Pran (der seit 1980 als Fotograf für die „New York Times“ arbeitete) wie Ngor, kämpften aus dem Exil heraus gegen die Roten Khmer, beide setzten sich für deren Opfer ein. Und es war Pran, der den Namen „Killing Fields“ für die Felder erfand, die mit Leichen seiner Landsleute übersät waren.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, CINETEXT, dpa

 
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