Mit nur 28 Jahren

Schauspieler Heath Ledger tot aufgefunden

Heath Ledger (1979-2008)

Heath Ledger (1979-2008)

23. Januar 2008 Der mit dem Westerndrama „Brokeback Mountain“ weltberühmt gewordene Schauspieler Heath Ledger ist tot. Der 28 Jahre alte Hollywoodstar australischer Herkunft wurde am Dienstagnachmittag in seiner Wohnung in New York von einem Hausangestellten aufgefunden.

Bei Ledger seien Schlaftabletten gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher der „New York Times“. Als Todeszeitpunkt wurde 15.30 Uhr Ortszeit angegeben. Die Beamten würden ein Fremdverschulden ausschließen. Die bei Ledger gefundenen Schlafmittel waren angeblich verschreibungspflichtig; die Rezepte seien auf seinen Namen ausgestellt gewesen. Illegale Drogen wurden nach Informationen der Onlineausgabe der „New York Times“ nicht gefunden. Eine Obduktion des Leichnams zur Klärung der genauen Todesumstände sei für den Mittwoch vorgesehen.

Keine Abschiedsbriefe

Ledgers Familie in Perth an der australischen Westküste sprach von einem „Unfalltod“. „Wir bestätigen den sehr tragischen und viel zu frühen Unfalltod unseres geliebten Sohnes, Bruders und vernarrten Vaters von Matilda“, sagte sein Vater Kim in Perth. „Er hat in seinem kurzen Leben so viele Menschen auf so vielfältige Weise berührt, das nur wenige das Vergnügen hatten, in wirklich kennenzulernen.“ Er bat die Reporter und Fotografen anschließend, die Familie in ihrer Trauer in Ruhe zu lassen. Auch Ledgers Sprecherin sprach von einem „Unfall“ und bat die Presse, aus Respekt vor den Angehörigen nicht über die Todesursache zu spekulieren.

Der Schauspieler hat nach ersten Angaben keine Abschiedsbriefe hinterlassen. Für Mittwoch war eine Autopsie geplant. Mehrere hundert Menschen versammelten sich nach Bekanntwerden von Ledgers Tod vor dem luxuriösen Loft-Wohnhaus im Stadtteil Soho, wo der Schauspieler vor einigen Monaten eingezogen war.

Für den Oscar nominiert

Ledger war vor allem mit dem Oscar-gekrönten Drama „Brokeback Mountain“ in der Regie von Ang Lee berühmt geworden. Das Drama über die Liebesbeziehung zwischen zwei Cowboys hatte weltweit für erhebliches Aufsehen gesorgt. Für die Rolle des homosexuellen Cowboys Ennis del Mar war Ledger im Jahr 2006 ebenfalls für einen Oscar nominiert worden. Im selben Jahr erhielt er den MTV Movie Award für den besten Filmkuss für eine Szene mit Jake Gyllenhaal in „Brokeback Mountain“.

Über Ledgers Leistung in „Brokeback Mountain“ schrieb Verena Lueken in der F.A.Z.: „Es ist Heath Ledger in der Rolle des schweigsamen Ennis, der den Film mit seiner ernsten Art beherrscht. Wie er seine Liebe zu Jack in sich verschließt und lange versucht, seine Familie vor sich selbst zu schützen; mit welch existentieller Gier er nach Jahren ohne Lebenszeichen von Jack diesen, als er endlich auftaucht, vom Hof in eine Seitengasse zieht, wo seine Frau sie nicht sehen kann; wie er Rotz und Wasser heult, weil sie keine Zukunft haben, und wie er gleichzeitig den traurigsten Satz des Jahres sagt - 'If you can't fix it, Jack, you gotta stand it' - und wie er am Ende mit zwei blutigen Hemden und einer Postkarte in einem Wohnwagen steht und auf die Berge blickt - das ist von so unendlicher Sehnsucht und so fern jeder Attitüde, dass es alle Preise verdient, die Ledger für diese Rolle gewonnen hat, auch wenn kein Oscar dabei war.“ (Video-Filmkritik: „Brokeback Mountain“)

Im Sommer 2007 hatte sich Ledger von seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Michelle Williams, getrennt. Beide hatten einander 2005 bei den Dreharbeiten zu „Brokeback Mountain“ kennengelernt. Mit Williams hat Ledger eine zweijährige Tochter.

Durchbruch als „Ritter aus Leidenschaft“

Heath Ledger wurde am 4. April 1979 in Perth in Australien geboren. Heath und seine ältere Schwester Katherine wurden nach den beiden Hauptcharakteren aus der Novelle „Sturmhöhe“ der britischen Schriftstellerin Emily Brontë benannt. Mit 17 Jahren verließ er die Schule und ging nach Sydney, wo er sich als Schauspieler Chancen erhoffte. Eine erste Nebenrolle hatte er 1992. Daneben spielte er auch in den Fernsehserien „Ship to Shore“ und „Sweat“ mit und ging später nach Hollywood.

Nach weiteren Rollen, darunter in den Filmen „Zehn Dinge, die ich an Dir hasse“ an der Seite von Julia Stiles und in „Der Patriot“ neben Mel Gibson, gelang Ledger 2001 mit der Hauptrolle in „Ritter aus Leidenschaft“ der Durchbruch. Er übernahm auch eine Nebenrolle in dem Südstaaten-Drama „Monster's Ball“ mit Halle Berry und Billy Bob Thornton. Einer seiner letzten Filme ist die Bob-Dylan-Biografie „I'm Not There“. Darin ist Ledger einer von sechs Schauspielern, die den Rockmusiker verkörpern. In der neuesten „Batman“-Verfilmung „The Dark Knight“ spielt Ledger die Rolle des Jokers. Der Film befand sich zum Zeitpunkt von Ledgers Tod in der Nachproduktion und wird voraussichtlich im Sommer 2008 in die Kinos kommen.

Trauer in Hollywood

Viele Hollywoodstars reagierten bestürzt. „Er war gerade dabei, berühmt zu werden. So jung aus dem Leben zu scheiden, ist ein tragischer Verlust“, sagte Ledgers Landsmann Mel Gibson. Die gebürtige Australierin Nicole Kidman sprach von einer „Tragödie“. Michelle Williams, die frühere Verlobte des Schauspielers, sei „am Boden zerstört“, berichtete der Internetdienst „tmz.com“. Der australische Ministerpräsident Kevin Rudd sagte, das Land habe einen seiner größten Schauspieler verloren.

Die führende australische Filmkritikerin Margaret Pomeranz, die Ledger zuletzt beim Filmfestival in Venedig traf, bezeichnete den Schauspieler als außerordentlich schüchtern. „Manche Leute haben von außen betrachtet alles, aber in Wirklichkeit sehnen sie sich im Innern nach Frieden, und dann suchen sie diesen Frieden auf falsche Art und Weise“, sagte sie.

Ledger fand sich mit seiner Rolle als Star nur schwer ab. So verkaufte er sein Haus in Sydney angeblich, um den Fotografen zu entkommen. Bei der Premiere von „Brokeback Mountain“ in Sydney bespritzten Fotografen ihn mit Wasserpistolen - um sich dafür zu rächen, dass der Schauspieler sie einmal angespuckt hatte.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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