Fernsehen

ZDF plant Late-Night-Show mit Gottschalk

Bald wieder spätabends? Thomas Gottschalk

Bald wieder spätabends? Thomas Gottschalk

13. Dezember 2004 Manfred Teubner ist seit September 2001 Unterhaltungsschef des ZDF. Ein Posten, der in der Branche als „Schleudersitz“ gilt. Teubner kümmert sich um Comedy-Formate, die Kerner-Show und „Wetten, daß..?“ Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Unterhaltung dynamischer zu gestalten. Damit muß er einen Spagat bewältigen, modernisieren, ohne angestammte Zuschauer zu vergraulen. Wir haben ihn bei „Wetten, daß ..?“ in Nürnberg getroffen und mit ihm über neue Sendungen, gescheiterte Shows und eine Late-Night-Show mit Thomas Gottschalk gesprochen. (F.A.Z.)

Das ZDF macht ein Programm, das vielen, aber nicht allen gefällt: Bei Zuschauern über 50 Jahren erreichen Sie rund zwanzig Prozent, bei den Jugendlichen nicht mal fünf Prozent Marktanteil. Ist das Schicksal oder gewollt?

Nein, der Fokus auf den Zuschauer über Fünfzig ist nicht gewollt. Wir müssen künftig die Anstrengung unternehmen, das Programm jünger und dynamischer zu machen. Wir haben ein Imageproblem, was wohl auch an der Volksmusik liegt. Den Anteil der Volksmusik in unserem Programm wollen wir reduzieren.

Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, daß Carmen Nebel zum ZDF gewechselt ist, die als Volksmusik-Moderatorin gilt.

Die „Carmen Nebel Show“ ist keine typische Volksmusik-Sendung. Dort treten neben den „Kastelruther Spatzen“ auch André Rieu oder Yvonne Catterfeld auf. Aber die Sendung zeigt die Tendenz, die wir anstreben: Volksmusik-Sendungen müssen einen Event-Charakter bekommen. Die reine Volkstümelei ist nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen lieber wenige Shows im Jahr machen, die dann aber am Wochenende zur Prime Time gesendet und richtig aufwendig produziert werden. Immerhin haben wir acht Millionen Gebührenzahler, die Volksmusik sehen wollen und deren Wünsche wir nicht einfach ignorieren können.

Wie passen Dieter Thomas Heck oder Carolin Reiber zur Ihrer Strategie?

Solange die beiden erfolgreich sind, werden sie weiter moderieren. Carolin Reiber wird im nächsten Jahr noch drei Shows machen und Dieter Thomas Heck wahrscheinlich sechs. Das ZDF hat den beiden viel zu verdanken, und außerdem haben gerade die Urgesteine der Branche die treuesten Fans. Es liegt allerdings in der Natur der Sache, daß auch Urgesteine nicht ewig weiter moderieren können und die beiden auf längere Sicht weniger Bildschirmpräsenz zeigen werden.

Die Sender neigen dazu, auf wenige Moderatoren zu setzen. Die ARD hat Jörg Pilawa, RTL Günther Jauch. Wer ist Ihr Kopf Nummer eins?

Ich bin ein großer Freund von wenigen Köpfen auf dem Bildschirm, wobei man allerdings nie aufhören darf, auch nach neuen Moderatoren zu suchen. Auch der Vorwurf, daß die Leute sich langweilen, wenn sie immer die gleichen Gesichter sehen, trägt nicht, wenn man auf die richtigen Gesichter setzt. Das ZDF wird sich in der Unterhaltungssparte noch stärker als bisher auf drei Personen konzentrieren: Das werden Thomas Gottschalk, Johannes B. Kerner und Carmen Nebel sein, und zwar in dieser Reihenfolge.

Wer könnten denn neue Gesichter sein? Die Barbara Schöneberger-Show ist gefloppt, ebenso „Die deutsche Stimme 2003“, die von Andrea Kiewel und Kai Böcking moderiert wurde.

Ich finde es persönlich sehr schade, daß die Show von Barbara Schöneberger nicht den gewünschten Erfolg hatte, weil ich sie nach wie vor für eine sehr gute Moderatorin halte. Leider haben bei ihrer Sendung die Rahmenbedingungen nicht gestimmt. Sie hat am Samstagabend nach dem „Sportstudio“ gesendet, und das war der falsche Sendeplatz. Außerdem hat das Format nicht zu ihr gepaßt. Aber wer weiß, vielleicht kommen das ZDF und Barbara Schöneberger noch einmal zusammen. „Die deutsche Stimme 2003“ war ein Paradebeispiel für eine mißglückte Programmverjüngung. Die Sendung hatte ein Super-Konzept, eine gute Moderation und tolle Kandidaten, aber wir haben damit ein Publikum angesprochen, das wir nicht haben und mit der Sendung auch nicht gewinnen konnten. Die Zuschauer von Casting-Sendungen sind meistens sehr jung. In deren Augen liegt die Kompetenz für dieses Programmformat vor allem bei RTL.

Und womit wollen Sie dann jüngere Zuschauer erreichen?

Wir wollen noch stärker auf gute Reality-Formate setzen. Die müssen vor allem wirklichkeitsnah und authentisch sein. Das Programmformat ist besonders interessant, wenn es dem Zuschauer die Möglichkeit bietet, Einblick in eine andere Welt zu erhalten. Wir haben gerade eine Reality-Sendung mit dem Titel „Die harte Schule“ gedreht, deren Protagonisten Internatsschüler sind, die unterrichtet werden wie vor 50 Jahren. Am Anfang und am Ende der Staffel findet eine Prüfung statt, um zu zeigen, wie sich die Leistungen der Schüler mit der anderen Schulform entwickeln. Ich könnte mir so eine Sendung auch sehr gut vor dem Hintergrund des SED-Regimes vorstellen. Außerdem möchte ich auf Comedy setzten. Die Comedy-Sendung „Nachgetreten“, die während der Fußball-Europameisterschaft lief, war eines der erfolgreichsten Comedy-Formate dieses Jahr. Eine solche Sendung könnte ich mir auf einem festen Sendeplatz vorstellen.

Und was passiert mit „Wetten, daß . . .?“? Thomas Gottschalk hat gesagt, daß er die Show nicht ewig machen will.

Natürlich will er nicht bis ans Ende seines Lebens „Wetten, daß . . .?“ moderieren, aber im Moment macht es ihm noch Spaß. Es gibt also keinen Grund, sich in nächster Zeit Gedanken über einen Nachfolger zu machen. Wenn er irgendwann nicht mehr weitermachen will, müssen wir uns überlegen, ob wir einen anderen finden oder die Sendung einstellen. Gottschalk und „Wetten, daß . . .?“, das ist eine Kombination, von der jeder Sender träumt, aber er hat auch mit anderen Formaten viel Erfolg. Es wird zum Beispiel oft vergessen, daß Thomas Gottschalk mal die erfolgreichste Late-Night-Show moderiert hat, die es je im deutschen Fernsehen gegeben hat.

Und deshalb geben Sie ihm jetzt eine?

Wir überlegen durchaus, mit Gottschalk im nächsten Jahr wieder Late-Night im ZDF zu machen. Der Programmdirektor Bellut und ich haben auch schon mit ihm darüber gesprochen und stehen im Moment in Verhandlungen. Es sieht gut aus. Mehr kann ich im Moment dazu nicht sagen, Anfang nächsten Jahres wird es sich konkretisieren.

Die Fragen stellte Judith Lembke.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2004, Nr. 292 / Seite 36
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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