Neues von Harry Potter

„Ein regelrechtes Blutbad“

Von Felicitas von Lovenberg

Joanne K. Rowling mit Mann bei der Premiere des neuen Potter-Kinofilms

Joanne K. Rowling mit Mann bei der Premiere des neuen Potter-Kinofilms

13. Juli 2007 Sie ist schmaler geworden in den zehn Jahren, die seit Erscheinen des ersten Bandes vergangen sind, auch auf dezente Weise eleganter. Wie unsicher die berühmteste Schriftstellerin der Welt im Umgang mit der medialen Aufmerksamkeit geblieben ist, zeigte sich erneut, als Joanne K. Rowling am letzten Freitag in der Show des britischen Unterhalters Jonathan Ross auftrat.

Ganz in Schwarz gekleidet, auf Zwölf-Zentimeter-Absätzen und mit dunkelrot lackierten Nägeln, bot ihr polierter Anblick einen interessanten Gegensatz zu ihren hingehauchten Antworten. Während der jovial dröhnende Komödiant dürre Witze vom Stapel ließ, lachte die Autorin, die höchst selten Interviews gibt, höflich, wie erleichtert darüber, dass sie selbst wenig zu Wort kam. Dabei wird jeder ihrer Sätze von ihrer Leserschaft frenetisch aufgesogen und in Internetforen millionenfach interpretiert und analysiert.

„Ich bin kein Schlussverräter“

Während sich in Großbritannien eine Buchhandelskette durch eine Petition zu profilieren sucht, mit der Tausende Leser J. K. Rowling dazu bewegen wollen, weitere „Harry Potter“-Bände zu schreiben, und eine Berliner Schulklasse vollmundig ankündigt, „auf jeden Fall“ Band acht verfassen zu wollen, sind die Neuigkeiten aus Rowlings Universum spärlich wie immer. Ihre Aussage, sie glaube wirklich nicht, noch einmal schriftstellerisch ins Zauberinternat Hogwarts zurückkehren zu wollen, aber man solle ja nie nie sagen, wurde in zahlreichen Online-Foren bereits als Bekenntnis zur Fortsetzung gedeutet.

Das Wort „scar“, Narbe, ist nicht mehr das letzte Wort des letzten Bandes - es falle aber dennoch gegen Ende. Und ja, zwei Charaktere, von denen sie eigentlich angenommen hatte, sie würden davonkommen, müssen sterben - in einem Kapitel, bei dessen Niederschrift sie Rotz und Wasser geheult habe. Das heißt jedoch nicht, dass nur diese zwei sterben; im Gegenteil, Band sieben sei ein regelrechtes „Blutbad“, war es ihr schon einige Zeit zuvor auf der Fernsehcouch des Buchpaares „Richard & Judy“ entfahren. Dort gab sie auch zu, dass die Idee, Harry sterben zu lassen, schon deshalb so verführerisch sei, weil dann eben nicht andere unautorisierte Fortsetzungen ihrer Geschichte schreiben könnten.

Dass „Harry Potter“ ihre Geschichte ist, und nur ihre, betont sie immer wieder - Harry, Ron und Hermine enthielten alle drei Facetten ihrer eigenen Persönlichkeit, und sie habe die Bücher auch nicht für ihre Tochter Jessica oder, später, für die Leser geschrieben, sondern in erster Linie für sich selbst. Bereits geschrieben hat sie ein Buch für kleinere Kinder, und in Planung ist eine Art Hogwarts-Lexikon, in dem alle Charaktere und Zaubersprüche verzeichnet und erklärt sind: ein Addendum, keine Fortsetzung. Was Harry angeht, so sei seine Geschichte mit dem letzten Band zu Ende erzählt. Am nächsten Samstag werden wir wissen, wie J. K. Rowling das gemeint hat. Der Carlsen Verlag, wo Ende Oktober die deutsche Übersetzung erscheinen wird, hat soeben vorsorglich T-Shirts mit dem Aufdruck „Ich bin kein Schlussverräter“ verschickt. Ein frommer Wunsch.

Text: F.A.Z., 13.07.2007, Nr. 160 / Seite 40
Bildmaterial: AP

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