26. Februar 2007 Oscar-Triumph für den deutschen Autor und Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck: Für den Stasi-Thriller Das Leben der Anderen, seinen ersten Spielfilm überhaupt, gewann der 33-Jährige am Sonntagabend (Ortszeit) in Los Angeles die renommierteste Filmauszeichnung der Welt. Für einen deutschen Film hatte es zuletzt vor vier Jahren einen Oscar gegeben - für Nirgendwo in Afrika von Caroline Link.
Das Leben der Anderen schlug in der Kategorie Bester nicht englischsprachiger Film die Konkurrenten Pans Labyrinth aus Mexiko, After the Wedding aus Dänemark, Days of Glory aus Algerien und Water aus Kanada. Henckel von Donnersmarck zeigte sich bei seiner Dankesrede tief bewegt über die Auszeichnung. Für ihn werde ein Traum wahr, sagte er. Er dankte seinen Teamkollegen und auch Arnold Schwarzenegger - dafür, dass er ihn gelehrt habe, die Wörter Ich kann nicht aus seinem Vokabular zu streichen. Nach Hollywood war er mit Ehefrau Christiane, die mit ihrem dritten gemeinsamen Kind schwanger ist, sowie den Hauptdarstellern Sebastian Koch und Ulrich Mühe gereist. Martina Gedeck hatte in letzter Minute noch eine Karte zur Verleihung bekommen, war aber nicht dabei.
Werbetour durch Amerika
Vom Roten Teppich aus grüßte Donnersmarck über den Sender Pro Sieben seinen Vater, der in Deutschland im Krankenhaus liege. Der 33-Jährige hatte schon seit Wochen in amerikanischen Städten für seinen Film geworben. Zur Oscar-Nominierung hatte er gesagt, er würde sie für Deutschland gewinnen, das wäre wie mit der olympischen Goldmedaille. Der Oscar ist die Krönung einer ganzen Reihe hoher Auszeichnungen für seine Geschichte Das Leben der Anderen, die von der Wandlung eines Stasi-Offiziers durch die Nähe zu einem bespitzelten Schriftsteller und seiner Frau, einer Schauspielerin, erzählt. Sieben Lolas holte der Film bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises, hinzu kamen der Bernhard-Wicki-Filmpreis, vier Bayerische Filmpreise und der Publikumspreis beim Internationalen Filmfestival in Locarno. In Warschau gab es drei Auszeichnungen mit dem Europäischen Filmpreis.
Die Produktion des Stasi-Dramas hatte immer wieder auf der Kippe gestanden. Wir hatten den Film Verleihern wie Sauerbier angeboten, sagte Donnersmarck vor kurzem in einem Interview. Er bezeichnete sich als Perfektionist, der am liebsten ein uneingeschränktes künstlerisches Letztentscheidungsrecht in allen Fragen hätte. An seinem Film, der nur 1,8 Millionen Euro kostete, hatte er insgesamt fünf Jahre gearbeitet. Zuvor hatte er nur Kurzfilme gedreht. Es ist sein Abschlussfilm an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF). Die Grundidee bezog er aus einem Buch von Maxim Gorki mit dem Titel Erinnerungen an Zeitgenossen. Während seines Studiums in Oxford absolvierte er bei dem Regieveteran Richard Attenborough ein Praktikum bei der Produktion des Films In Love and War. Der 2,06 Meter große Sohn eines Lufthansa-Managers, der aus einer alten Adelsfamilie stammt, wuchs in New York, Berlin, Frankfurt und Brüssel auf. In Leningrad erwarb er die Lehrbefähigung für die russische Sprache.
Text: AP
Bildmaterial: dpa, REUTERS
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