28. April 2004 theu./miha. FRANKFURT, 28. April. Die Serie von Personalwechseln im Management des Münchner Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat.1 geht weiter. Nach Informationen dieser Zeitung wechselt Hubertus Meyer-Burckhardt (47 Jahre) vom Axel Springer Verlag in den Vorstand von Pro Sieben Sat.1. Er soll dort offenbar das Ressort von Jürgen Doetz (59 Jahre) übernehmen, der für die Medienpolitik zuständig war und aus dem Gremium ausscheidet. Doetz ist der wohl profilierteste Lobbyist für die Interessen der Privatfernseh-Unternehmen in Deutschland und zugleich Präsident des Branchenverbandes VPRT. Der Medienmanager und Fernseh-Journalist Meyer-Burckhardt ist bei Springer seit Ende 2001 für die elektronischen Medien verantwortlich.
Seinen Platz bei Pro Sieben Sat.1 räumen muß zum 1. Mai auch der Geschäftsführer des Senders Pro Sieben, Nicolas Paalzow. Der Spielfilm-Kanal ist der wichtigste Gewinnbringer des Fernsehkonzerns, aber im vergangenen Jahr gegenüber dem zu Bertelsmann gehörenden Hauptkonkurrenten RTL ins Hintertreffen geraten. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) des Senders brach 2003 um ein Drittel auf 133 Millionen Euro ein. Im ersten Quartal 2004 steigerte der Sender seine Brutto-Werbeeinnahmen dagegen leicht. Pro Sieben Sat.1 führt zur Zeit eine Kapitalerhöhung durch, mit der der Konzern seine hohe Verschuldung senken will. Die Abgänge von Doetz und Paalzow, über die in der Branche schon seit Monaten spekuliert wurde, sind die jüngsten in einer Reihe von Auswechslungen, seit der amerikanische Medienunternehmer Haim Saban im vergangenen Sommer Pro Sieben Sat.1 übernommen hat. Zum 1. Juni verläßt Vorstandschef Urs Rohner das Unternehmen und wird vom bisherigen Chief Operating Officer Guillaume de Posch, einem Vertrauten Sabans, abgelöst. Saban ist Aufsichtsratschef bei Pro Sieben Sat.1.
Bereits im vergangenen Herbst haben Programm-Vorstand Ludwig Bauer und der Geschäftsführer des Senders Sat.1 Martin Hoffmann ihren Hut nehmen müssen. Das Verhältnis von Rohner zu Hoffmann und Paalzow galt schon seit dem vergangenen Sommer als zerrüttet.
Der Wechsel von Meyer-Burckhardt zu Pro Sieben Sat.1 wird in Unternehmenskreisen als ersten Schritt einer engeren Kooperation von Springer und Saban gewertet. Das größte deutsche Zeitungshaus ist mit 11,5 Prozent an der Fernsehkette beteiligt. Saban und Springer arbeiten bereits bei der Auktion für die britische Zeitungsgruppe Hollinger zusammen. Springer ist dabei vor allem an der Tageszeitung "Daily Telegraph" interessiert, dem Flaggschiff von Hollinger in Großbritannien. Für Springer wäre eine Übernahme des "Daily Telegraph" eine Großinvestition und zugleich der erste Schritt auf den wichtigen britischen Zeitungsmarkt.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.04.2004, Nr. 100 / Seite 17