Bond-Premiere in London

Die Königin ehrt ihren sechsten 007

Von Claudia Bröll

15. November 2006 Wenn der mutigste und berühmteste Geheimdienstagent Ihrer Majestät seinen großen Auftritt hat, darf die britische Königin nicht fehlen. Zur Premiere des neuen Bond-Streifens Casino Royale begrüßte die Königin Elisabeth II. ihren sechsten 007, der für das Vaterland gerade wieder Kopf und Kragen riskiert hatte, am Dienstag abend auf dem Londoner Leicester Square.

Standesgemäß fuhr James Bond alias Daniel Craig zur Filmmusik im silbernen Aston Martin vor. Tausende Fans jubelten, als er dem Wagen entstieg. Einige hatten den ganzen Tag auf dem Platz ausgeharrt. Ein Anhänger hielt ein Plakat hoch, auf dem zu lesen war „Blond, aber immer noch Bond. Viel Glück Daniel, Deine wahren Fans stehen hinter Dir“. Judi Dench, die wieder Bonds Chef M spielt, schwärmte, daß Craig ein wunderbarer Schauspieler sei. Elton John prophezeite ihm großen Erfolg.

Erst Boykottaufrufe, dann Lobeshymnen

Die Begeisterung ließ fast die erbitterten Proteste nach der Auswahl des 38 Jahre alten Schauspielers im vergangenen Jahr vergessen. Einen blonden James Bond könne es nicht geben, hatten enttäuschte Anhänger gewettert. Die „Sun“ warf Craig vor, das Macho-Image des Spions zu zerstören, weil er bei einer Presseveranstaltung auf einem Boot eine Schwimmweste getragen hatte. Ausführlich wurde darüber debattiert, ob Craigs Kopfform, seine Ohren, seine Statur und seine Haare zu dem waghalsigen Herzensbrecher paßten. Die Entrüstung gipfelte in einer Internetseite, die zum Boykott des Films aufrief.

Derartige Kritik war zum Start des Films nicht mehr zu hören. Statt dessen lobten die meisten britischen Zeitungen den Film und seinen Hauptdarsteller überschwenglich. Craig sei fantastisch, zeige stärkere physische Präsenz als seine Vorgänger, habe Bond wieder „cool“ gemacht. Craig wollte sich auf der Premierenfeier zu den früheren Anfeindungen nicht äußern. „Ich habe so hart gearbeitet, wie ich konnte. Als ich hörte, daß ich den Part bekommen habe, kippte ich erst einmal drei bis vier Wodka. Dann ging es nur noch darum, einen guten Film zu machen.“ Was die Königin nach der Vorstellung des 21. James-Bond-Streifens von dem Film hält, war nicht in Erfahrung zu bringen. Daß sie ihrem Spitzenagenten aber durchaus zugetan ist, demonstrierte sie nicht nur durch ihre Anwesenheit. In der vergangenen Woche ließ sie dem neuen Bond sogar ein Ständchen bringen. Zum Wachwechsel vor dem Buckingham Palace spielte die Militärkapelle „Goldfinger“. Craig wird es gefreut haben.



Text: F.A.Z., 16. November 2006
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

 
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