Hartes Training für diese schiefe Kopfhaltung: Benicio Del Toro als „Che”

Soderberghs „Che“ in Cannes

Kluge Sprüche bis zum letzten Gefecht

Da ging ein Herzensprojekt gründlich schief: Steven Soderberghs Kinobiographie „Che" langweilt - und das viereinhalb Stunden lang. Unmengen Text, starre Chronologie und wenig Spannung entschädigen den Zuschauer fürs Durchhalten nicht. Von Verena Lueken, Cannes

Lesermeinungen zum Beitrag

23. Mai 2008 12:49

Wer wird ihn sich anschauen?

Thomas Köhler (eis1859)

Ich sage alle die sich für das Thema interessieren werden sich den Film anschauen. Bei all den Süd-Amerika-Interessierten und denen die zu Ches Lebzeiten noch nicht geboren waren und sich dafür interessieren wären die deutschen Film-Verleiher gut beraten zu Potte zu kommen und den Film in die deutschen Kinos zu bringen.

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23. Mai 2008 11:19

Eigentlich nicht

Thomas Noller (tnoller)

"Naja, die Autorin ist mit ihrer Einschätzung des Filmes sehr, sehr allein" Keineswegs. Zumindest nicht im deutschsprachigen Feuilleton, wo man sich von der WELT über die FR bis hinüber zur TAZ ziemlich über den Film langweilt und nicht ganz nachvollziehen kann, aus welchem Grund er überhaupt gemacht wurde. Ehrlich gesagt finde ich das verklärende Getue um, und die naive Identifikation mit einer Person, die für zahlreiche dubiose 'Befreiungskämpfe', den eigenhändigen Ruin der kubanischen Volkswirtschaft und die Errichtung von Straflagern für Dissidenten verantwortlich zeichnet -- von den zahlreichen Todesurteilen mal ganz zu schweigen -- langsam ein wenig nervtötend. Letzte Woche gab es in der Presse Berichte über eine Frau, die gerade 90 (oder 100?) geworden ist, und von der erst jetzt bekannt wurde, dass sie ab 1941 durch ihre Hilfe unzählige Juden vor dem sicheren Tod bewahrt hat. Ihren Namen hab ich schon wieder vergessen. Da gibt es kein T-Shirt oder Filmepos. Das bärtige Konterfei unseres Lieblings-Revoluzzers Che (mitsamt den schönen Mythen) wird uns dagegen bis zum Sankt Nimmerleinstag erhalten bleiben.

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23. Mai 2008 10:52

Gut erkannt, Bertram von Steuben! Ein fataler Marketingfehler

Hisako Garanda (Hisako)

war das eigenhändige morden - denn wer nicht nur von linken Träumern geehrt werden möchte, sondern auch von vernünftigen Bürgern, der bleibt in seinem schicken Büro, verbreitet per TV seine hehren Ideen - und läßt seine Morde von HighTech-Bombern oder von Todessschwadronen des Geheimdienstes erledigen.

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23. Mai 2008 08:08

@ Peter Zentner (Caterwaul)

Bertram von Steuben (Elim_Garak)

Genau! Und laut der zuschauenden Presse wird auch nicht erwähnt, das dieser Mann zwar mit, aus seiner Sicht, heren Zielen kämpfte, aber sich nicht zu schade war, viele seiner Gegner eigenhändig zu erschießen!!! Aber auch in Deutschland darf ich mir das Portrait diese Mörders auf das T-Shirt drucken und in Lobpreisen. Wahrscheinlich wird dieser Film von genau dieser Klientel hier auch zum "epochalem Meisterwerk" hochstilisiert. ;)

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23. Mai 2008 01:25

Enttäuschung?

Jelena Henkel (Jelenaka)

Naja, die Autorin ist mit ihrer Einschätzung des Filmes sehr, sehr allein. Renommierte Filmkritiker sehen "Che" als Kandidaten für die Goldene Palme. Ob er es wirklich so weit bringt, ist eine andere Frage, aber die Qualität scheint vorhanden zu sein. "Che" als kaltblütigen Mörder zu bezeichnen, ist mehr als lächerlich. Jeder, der auch nur einen Funken geschichtliche Bildung hat, weiß wie man seine Bestrebungen für bessere Lebensverhältnisse einzuschätzen hat (und ich bin kein "Retromarxist", was auch immer das bedeutet...). Eins ist klar, wer "Che" hasst, weil er eine andere politische Haltung und eine andere Moralvorstellung hat, der wird einen Film, der "Che" nicht dämonisiert, nicht mögen können.

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22. Mai 2008 20:32

Wer wird sich diesen Film anschauen?

Peter Zentner (Caterwaul)

Gute Frage, schnell beantwortet: Die üblichen Spät- und Retromarxisten, sonst niemand. Vor allem niemand, der geschichtlich ein wenig bewandert ist. Che Guevara war ein sentimentaler Spinner, der völlig unsentimental über Leichen zu gehen pflegte. Ein kleiner Massenmörder, der posthum zu einem südamerikanischen Robin Hood hochstilisiert wurde.

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