Da Vinci Code

„Es gibt ein Milieu, das diesen Film nicht möchte“

Hollywood am Louvre: Tom Hanks und Audrey Tautou

Hollywood am Louvre: Tom Hanks und Audrey Tautou

12. Mai 2006 Für Hauptdarsteller Tom Hanks ist der Film ein Spaß, „voll mit Unsinn“. Teile der Kirche aber wittern Blasphemie. Der „Da Vinci Code“ nach Dan Browns Bestseller kommt in die Kinos. FAZ.NET-Spezial mit Fakten, Hintergründen und Kuriosem zur Premiere des Films.

Sonderzug nach Cannes

Satte 125 Millionen Dollar (etwa hundert Millionen Euro) kostete die Verfilmung des Weltbestsellers „The Da Vinci Code“ („Sakrileg“). Um das riesige Budget wieder auszugleichen, müßte ein Großteil der mehr als 30 Millionen Buchkäufer auch ins Kino gehen. Um sie und auch mögliche Nicht-Leser zu locken, greift Hollywood für Cannes noch einmal tief in die Tasche. So sollen Hauptdarsteller Tom Hanks, Audrey Tautou und ihre Mitdarsteller von Jürgen Prochnow bis Paul Bettany und Jean Reno per Sonderzug aus London an die französische Mittelmeerküste rollen. In Cannes feiert der Film am 17. Mai seine Weltpremiere; er wird beim Festival außer Konkurrenz laufen. In die Kinos kommt der Film am Mittwoch in Frankreich, am Donnerstag in Deutschland und am Freitag in den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt.

„Pseudo-historische Kunst“

Der offizielle Prediger von Papst Benedikt XVI. hat die Karfreitagsliturgie für eine scharfe Kritik an „pseudo-historischer Kunst“ genutzt. Bestimmte Romane, Filme und wissenschaftliche Veröffentlichungen nutzten den Namen von Jesus Christus, um ihre Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben. Ohne den Bestseller Dan Browns beim Namen zu nennen, ging er mehrfach auf Inhalt und Erfolg des Romans über ein angeblich geheimes Liebesleben von Jesus ein. Die Menschen seien heutzutage fasziniert „von jeder neuen Theorie, nach denen Christus weder gekreuzigt noch gestorben ist, sondern mit Maria Magdalena davongelaufen ist“, sagte Raniero Cantalamessa, der das Amt des Predigers des päpstlichen Hauses innehat. „Niemand wird diese Welle an Spekulationen stoppen können, die sich mit dem bevorstehenden Start eines bestimmten Filmes noch steigern werden.“

Boykottaufruf

Angelo Amato, die Nummer zwei hinter Kardinal Ratzinger zu dessen Zeiten als Chef der Glaubenskongregation, hat in einer Rede an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz, welche von Opus Dei geleitet wird, erklärt: „Ich hoffe, Sie alle boykottieren diesen Film.“ Er sei voller „Beleidigungen, Verleumdungen, historischer und theologischer Irrtümer in bezug auf Jesus, das Evangelium und die Kirche“. Hätte man den Koran oder die Schoa derart behandelt, so der Priester weiter, würde das „eine weltweite Revolte“ ausgelöst haben.

Peinlicher Erfolg

Der Louvre meldet für das vergangenen Jahr einen neuen und spektakulären Besucherrekord: Die Zahl der verbuchten Eintritte stieg von 6,7 Millionen im Jahr 2004, das bereits das beste aller Zeiten war, auf 7,3 Millionen Besucher. Die Verantwortlichen nennen die zusätzliche Öffnung am Donnerstag abend, den Erfolg der Ausstellungen und den verbesserten Empfang der Besucher als Grund. Eher peinlich ist ihnen, daß die absolute Spitzenquote auch dem Modephänomen „Da Vinci Code“ zu verdanken ist. Dessen Einfluß spielen sie herunter: Er sei feststellbar, aber „nicht gigantisch“. Tourismusveranstalter organisieren Rundfahrten zu den Stätten, die in Dan Browns Bestseller als Orte der Handlung auftauchen. Einen noch stärkeren Boom erwartet man, wenn der Film in die Kinos kommt.

Kein Warnhinweis

Der Regisseur Ron Howard denkt nicht daran, auf die Forderung von Opus Dei einzugehen, seinen Film mit einem Warnhinweis zu versehen. Die erzkonservative katholische Organisation hatte Howard darum gebeten, im Vorspann des Kirchenthrillers zu erklären, daß es sich um eine frei erfundene Story handelt. „Es dreht sich hier weder um Religion noch um Geschichte“, empörte sich Howard in einem Zeitungsinterview, berichtete der Internetdienst „E!Online“ am Dienstag. „Spionage-Thriller fangen einfach nicht mit einer derartigen Erklärung an“, meinte Howard. Die Vorlage von Dan Brown zeige doch, daß ein erfundener Roman dem Film zu Grunde liege.

Voll mit Unsinn

Hollywood-Star Tom Hanks hat sich unbeeindruckt von der Kritik kirchlicher Kreise an seinem neuen Film gezeigt. „Es war uns immer klar, daß es in der Gesellschaft ein Millieu gibt, das diesen Film lieber nicht aufgeführt sehen möchte“, sagte Hanks der britischen Zeitung „Evening Standard“. Die Kritiker aus der religiösen Ecke hätten den Film mißverstanden: Es gehe nicht um Blasphemie, sondern um „eine verdammt gute Story und viel Spaß“, sagte Hanks. „Der Film ist voll mit Unsinn und lustigen Schnitzeljagd-Szenen.“

Nichts läuft auf Faröer

Die Verfilmung des Bestsellers wird in den einzigen beiden Kinos auf den Färöer-Inseln nicht gezeigt. Die Besitzer der beiden Filmtheater hätten sich dazu entschlossen, keine Kopien des von Kirchenkreisen heftig kritisierten Streifens „The Da Vinci Code“ zu bestellen, berichteten Medien am Freitag. 90 Prozent der insgesamt 48.000 Einwohner auf den 17 bewohnten Felseninseln im Nordatlantik sind streng evangelisch. Der Film sei „gotteslästernd“, wurde einer der Kinobesitzer, Jakup Eli Jacobsen, zitiert. Browns Roman hatte sich auf den zu Dänemark gehörenden Inseln zwischen Island und Schottland aber gut verkauft, hieß es in den Zeitungen weiter.

Opus Dei will bloggen

Die katholische Vereinigung Opus Dei, der in Dan Browns Bestseller „The Da Vinci Code“ allerhand üble Machenschaften zugeschrieben werden, will die bevorstehende Filmpremiere des Sakralthrillers nicht passiv über sich ergehen lassen. Wie die „New York Times“ auf ihrer ersten Seite berichtet, plant die im Ruf des Dunkelmännertums stehende Organisation, nun im Licht der Öffentlichkeit das Bild, das Hollywood von ihr zeichnet, zu korrigieren. Dazu soll die Website benutzerfreundlich umgestaltet werden, ein römischer Priester des Opus Dei sich als Blogger bewähren und die Laienmitgliedschaft für ein liebenswertes Image sorgen. Doubleday, der Verlag, der mit dem „Da Vinci Code“ ein blendendes Geschäft gemacht hat, spekuliert derweil auch auf Profit von der Gegenseite: „Der Weg“, die geistliche Schrift des Opus-Dei-Gründers Josemaría Escrivá, ist neu ins Verlagsprogramm aufgenommen worden.

Wie bei Mohammed

Die tschechische katholische Kirche hat den „The Da Vinci Code“ mit den umstrittenen dänischen Mohammed-Karikaturen verglichen. Spekulationen, Jesus Christus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen und habe mit ihr ein Kind gehabt, seien ein „mindestens ebenso schwerwiegender Angriff“ auf die Überzeugung von Gläubigen wie die Karikaturen über den Propheten Mohammed, schrieb der Sprecher der Tschechischen Bischofskonferenz in einem Gastkommentar für die Tageszeitung „Mlada Fronta Dnes“. Der einzige Unterschied bestehe darin, „daß die Christen dank ihrer kulturellen Tradition deswegen nicht auf die Straße gehen, nicht gewalttätig werden oder zur Ermordung von Dan Brown aufrufen“. Die tschechische Übersetzung von Browns Thriller wurde seit 2003 schätzungsweise 250.000 Mal verkauft.

Inspiriert von Leonardo

Der niederländische Komponist Jan Kisjes ließ sich vom „Da Vinci Code“ dazu inspirieren, die Theorien Leonardo da Vincis in musikalische Klänge umzusetzen. Das Ergebnis heißt „Music Inspired By Da Vinci“ und ist als CD bei Sony BMG erschienen. Die Winning Moves Deutschland GmbH hat gleich drei Spiele, ein Brett-, ein Karten- und ein Steinspiel, zum „Da Vinci Code“ herausgebracht. Gleichsam reanimiert werden soll auch die gute, alte Schnitzeljagd, dieses Mal analog zur detektivischen Spurensuche in Buch und Film.

Christen vor Gericht

Eine Gruppe südkoreanischer Christen will per Gerichtsbeschluß verhindern, daß der Film in ihrem Heimatland gezeigt wird. Es handle sich um einen Film, „der das Christentum lächerlich macht und zu zerstören versucht“, sagte der Sprecher eines Dachverbands, in dem mehr als sechzig protestantische Denominationen zusammengeschlossen sind. Zugleich rief der Verband christliche Organisationen in aller Welt dazu auf, sich ihrem Vorstoß anzuschließen.

Auf den Spuren von Kreuzrittern

Beim Online-Reiseportal expedia.de. können sich Fans an die Fersen des von Hanks gespielten Symbolforschers heften und die wichtigsten Schauplätze des Thrillers in Paris erkunden. Im Louvre entschlüsselt der Forscher nämlich mit der Enkelin des ermordeten Museumsdirektors, die von der Französin Audrey Tautou verkörpert wird, verborgene Hinweise auf den Gemälden da Vincis. Im realen Paris klappert ein Luxus-Minivan für 163 Euro pro Nase inklusive Mittagessen in einer achtstündigen Rundfahrt die Stationen von den Champs-Elysées bis zum Quartier Latin ab. Kein Wunder, daß London da nicht zurückstehen will. Auf der Tour „Facts behind the fiction“ („Fakten hinter der Fiktion“) können Touristen auf den Spuren von Kreuzrittern wandeln. Besichtigt werden Sehenswürdigkeiten wie die Temple Church, der Leicester Square und die National Gallery, die im Thriller ein wichtige Rolle spielen.

Vom Kino ins Museum

Auch einige Museen dürften vom „Sakrileg“-Hype profitieren. So zeigt das Museum Industrion im niederländischen Kerkrade bis 4. September eine Ausstellung zu da Vincis berühmten Experimenten. Und in Bocholt im Münsterland ist noch bis 30. Mai die Ausstellung „Die Maschinen des Leonardo da Vinci“ zu sehen.

Text: FAZ.NET mit Material von J.A., J.M. / F.A.Z., der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dpa, AFP und ddp
Bildmaterial: AP, dpa, dpa/dpaweb

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