21. Dezember 2007 Natürlich ging sie einem gelegentlich auf den Wecker durch den heiligen Ernst, den sie jeder ihrer Rollen angedeihen ließ, ganz gleich, ob sie die Welt durch Aerobic zu erlösen suchte oder gegen Vietnam protestierte. Aber erstens spricht das nicht unbedingt gegen Jane Fonda, dass sie sich nicht nur als Schauspielerin immer wieder neu zu erfinden wusste, und zweitens muss man nur mal Alan J. Pakulas Thriller Klute“ ansehen, um ihr jede Form von Nervensägerei sofort zu verzeihen.
Als Callgirl Bree Daniels ist sie nicht nur unfassbar cool, sondern schafft es, ein so aufregendes Geflecht von unterdrückter Wut und nagender Angst zu spinnen und aus einem intelligenten Genrefilm eine so komplexe Charakterstudie zu machen, dass sie dafür 1972 mit einem Oscar belohnt wurde. Womöglich bekam sie ihn auch dafür, dass sie es geschafft hatte, sich nach einer Imagekiller-Rolle wie Barbarella“ so vollständig neu zu erfinden. Aber das war eben das Drehbuch ihres Lebens: eine Rolle nach der anderen wie Kleider anzuprobieren, um die eine zu finden, die passt.
Die Fron bleibt sichtbar
Die erste war die als Tochter von Henry Fonda, und das war, nach allem, was man weiß, kein Vergnügen. Dass die Mutter sich den Hals aufgeschlitzt hatte, erfuhr Jane aus einer Filmzeitschrift. Sie floh nach Paris und fand in Roger Vadim ihren Pygmalion. Er verlieh ihr Sex, aber der fiel ihr nicht natürlich zu – wie Vadims anderen Ehefrauen Bardot und Deneuve –, sondern wirkte immer ein wenig zu hart erarbeitet. Vielleicht wirkt er deswegen in Klute“ so echt, weil stets die Fron dahinter sichtbar bleibt. Sie heiratete den Aktivisten Tom Hayden, engagierte sich gegen den Vietnam-Krieg und wurde dafür in Coming Home“ mit dem zweiten Oscar belohnt.
In den Achtzigern wurde sie dann zur Galionsfigur der Fitnesswelle und verdiente mit ihren Videos und Büchern Millionen: Workout“ war schließlich ohnehin Thema ihres Lebens. Dann heiratete sie den Mogul Ted Turner, zog sich vom Filmgeschäft zurück, trennte sich wieder, trat als Schwieger-Monster“ auf – wieder neue Rollen. Es werden nicht die letzten gewesen sein. Das ist nicht das Schlechteste, was man von einer Frau, die an diesem Freitag siebzig wird, sagen kann.
Text: F.A.Z.
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