Gerhard Schröder

Der Berater, der die Türen öffnet

Von Michael Hanfeld

Schröders neuer Chef: Verleger Ringier

Schröders neuer Chef: Verleger Ringier

24. November 2005 Als Gerhard Schröder das letzte Mal bei seinem Freund Frank A. Meyer zu Gast war, bei dessen „Diner republicain“ am Rande des Filmfestivals von Locarno, Anfang August, da hieß es in den Meldungen, der Bundeskanzler mache einen „Abstecher vom Wahlkampfstreß“.

Heute wissen wir: Es war ein Abstecher mit Perspektiven. Denn Schröder, der vorgestern sein Bundestagsmandat niedergelegt hat, wird sich nicht, wie es gerade noch hieß, als Anwalt niederlassen. Er wird vom 1. Januar 2006 an als Berater des Schweizer Medienkonzerns Ringier fungieren. Dort ist Freund Meyer, wie Konzernchef Michael Ringier einst sagte, „das Hirn des Unternehmens“.

Gegen die deutschen Journalisten

Das paßt also, nicht nur in freundschaftlicher Hinsicht. Es finden sich zwei, die schon lange zusammenstehen. Unverbrüchlich gegen Gott und die Welt, vor allem aber gegen die Journalisten. Gegen die deutschen Journalisten. Gegen die „Flat-Tax-Generation der Journalisten“, die den ehemaligen Bundeskanzler, wie er glaubt, die Wiederwahl gekostet hat. In der Schweiz stieß er damit auf Verständnis, dort ist er immer wieder hingereist, zum Gespräch mit dem Freund, Berater und Großkolumnisten Frank A. Meyer.

Von Meyer stammt das Stichwort von der „Flat-Tax-Generation der Journalisten“, mit ihm hat Schröder sich immer wieder gern sehen lassen, ob zu Meyers sechzigstem Geburtstag in Berlin oder am Lago Maggiore. In seiner Heimat ist Meyer als Kolumnist gefürchtet, angeblich auch von den Chefredakteuren des Verlags, intern werde er „FAM“ genannt, schrieb die NZZ in einem launigen Porträt. Frank A. Meyer, hieß es da, „bewohnt heute eine Fabrikantenvilla im zürcherischen Kilchberg, er hat eine Zweitwohnung in Berlin und ein Haus in Südfrankreich, eine Suite im Hotel ,Bellevue' in Bern. Er ist eine Art Gutsherr, der gerne schöne Anzüge trägt, einen Jaguar fährt - kurz er führt ein aufwendiges, bürgerliches Leben. Und gleichzeitig schreibt und redet er gegen Manager an, gegen die ,Harvard-Bürschchen', gegen die Champagner-Society“.

Etwas zu deutlich geäußert

Zu seiner herausgehobenen Position bei Ringier bekannte sich Meyer in der NZZ: „Natürlich nehme ich Einfluß. Ich äußere mich zu Personen und Entwicklungen, und zwar ohne Umschweife.“ Im sogenannten Borer-Skandal um den inzwischen entlassenen ehemaligen Botschafter der Schweiz in Deutschland hatte sich Meyer freilich etwas zu deutlich geäußert. Der Ringier-Verlag verpflichtete sich nach der einschlägigen Berichterstattung über eine vermeintliche Affäre Borers mit einer Visagistin stillschweigend zu einer Geldzahlung, Meyer tauchte für ein paar Monate ab. Die Nähe zu Berlin und zum deutschen Kanzler aber trug Früchte, deren Ernte nicht nur Meyers Diktum von der „Niederlage der geschlossenen Journaille“ bei der Bundestagswahl war.

Den Berlin-Chef des „Stern“, Hans-Ulrich Jörges, nannte Meyer in einer „Cicero“-Kolumne, die davon handelte, daß die deutschen Journalisten dem Volk und vor allem dem Kanzler das Lachen verbieten wollten, „Liz Mohns Etagenkellner“. Überhaupt „Cicero“: Als das Magazin im Frühjahr 2004 auf den Markt kam, mit Sitz in Potsdam, herausgegeben vom Ringier-Verlag, zierte der Bundeskanzler den Titel, eine Fotostrecke zeigte ihn als einsamen Menschen an der Macht. Schröder sei nun mal „eine der interessantesten Persönlichkeiten in Deutschland“, also sei er für „Cicero“ ein Thema, sagte der Konzernchef Ringier damals im „Tagesspiegel“.

Wir sind politisch involviert

Inzwischen weist der Verleger seinem neuen Berater jedoch eine „Türöffnerfunktion“ für seinen Konzern zu. Schröder sei ohne Zweifel „einer der großen Staatsmänner der heutigen Zeit“, sagte Ringier gestern bei N24. „Wir sind sehr stark in Osteuropa, wir sind in China, sind in Vietnam. Wir sind politisch involviert. Und da, bin ich überzeugt, ist Gerhard Schröder ein hervorragender Berater für mich und für die Firma, damit wir uns dort auch richtig bewegen. Und er wird ganz bestimmt auch die eine oder andere Tür öffnen können.“ In Deutschland ist Ringier nur mit „Cicero“ vertreten. Doch wird in der Branche spekuliert, ob die Schweizer nicht im Verein mit anderen, der WAZ etwa, auf dem hiesigen Pressemarkt eine größere Rolle spielen wollen. In der Schweiz hält Ringier unter anderem das Boulevardblatt „Blick“, den „Sonntags-Blick“, das Wirtschaftsmagazin „Cash“ und die „Schweizer Illustrierte“.

Daß das Private in Schröders Fall schon immer das Politische war, daraus macht der Konzernchef Ringier heute keinen Hehl mehr. „Diese Verpflichtung basiert auf einer freundschaftlichen Beziehung, die es seit einigen Jahren gibt. Es war eigentlich immer irgendwie klar, daß wir mal was zusammen machen. Und jetzt ist eben der Zeitpunkt dazu gekommen“, sagte er bei N24: „Ich habe mich natürlich köstlich amüsiert über die ganzen Spekulationen, die da jetzt aufgekommen sind. Aber im Grunde genommen hat er ja genau jetzt all das gemacht, was er auch angekündigt hat.“

Im März 2004 hatte Ringier dem „Tagesspiegel“ noch auf die Frage, ob es nicht eine zu große Nähe Schröders und der SPD (die ja, dies nur nebenbei, auch einen Medienkonzern hat, mit dem Ringier im Zweifel etwas unternehmen könnte) zu seinem Konzern und insbesondere zu dem Chefberater Meyer gebe, gesagt: „Es gibt da eine enge Freundschaft zu Gerhard Schröder. Aber davon hat der Kanzler ja nichts.“

Text: F.A.Z., 25.11.2005, Nr. 275 / Seite 42
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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