Julie Christie

Ein Golden Globe für die Legende

Von Andreas Platthaus

Golden-Globe-Siegerin: Julie Christie

Golden-Globe-Siegerin: Julie Christie

14. Januar 2008 Das hat Julie Christie nicht verdient, dass die vorläufige Krönung ihrer späten Karriere so lieblos inszeniert wurde wie diese streikbedingt zur Namensverlesung degradierte Golden-Globes-Verleihung (siehe auch: Ein Trauerspiel: Die Vergabe der Golden Globes). Für die Rolle der an Alzheimer erkrankten Fiona in dem Spielfilm „An ihrer Seite“ (im Original „Away From Her“, siehe: Video-Filmkritik: „An ihrer Seite“), die aus eigenem Entschluss nach mehr als vierzig Jahren Ehe ihren Mann verlässt und ins Pflegeheim geht, bekam die 1941 als Tochter eines Teeplantagenbetreibers im indischen Chabua geborene britische Schauspielerin jetzt ihren ersten Gloden Globe.

Es muss eine späte Genugtuung für einen der größten Filmstars der sechziger Jahre sein, mehr als vier Jahrzehnte nach ihrem Durchbruch noch einmal ganz oben zu stehen. Einen Oscar gewann sie bereits 1965, in jenem Jahr, das sie in der Filmwelt unsterblich werden ließ, weil sie die Lara in David Leans Verfilmung von „Doktor Schiwago“ spielte - eine Rolle, die Julie Christie zunächst ausgeschlagen hatte. Den Oscar erhielt sie damals für „Darling“, und danach war sie tatsächlich der Liebling von ganz Hollywood.

Komplizierter Liebling

Ein Liebling allerdings, der es der Traumfabrik nicht leichtmachte. Zwar lebte sie von 1967 an sieben Jahre lang mit ihrem Superstar-Kollegen Warren Beatty zusammen, doch sie dachte gar nicht daran, sich vom Filmgeschäft vereinnahmen zu lassen. Zahlreiche hochdotierte Rollenangebote in Historienstreifen lehnte sie ab; stattdessen drehte sie unter den Helden von New Hollywood wie Robert Altman, Nicolas Roeg, Hal Ashby und natürlich auch Beatty. Doch 1981 gab sie auch ihm einen Korb: für dessen Herzensprojekt „Reds“. Danach ging sie zurück nach Großbritannien, wo sie sich vor allem sozial engagierte.

Bei der Wahl ihrer Engagements wurde Julie Christie noch zurückhaltender. Für Alan Rudolphs „Liebesflüstern“ wurde sie 1998 zum dritten Mal als beste Darstellerin für den Oscar nominiert, aber selbst nach dieser Rückkehr ins Rampenlicht nahm sie überwiegend nur Nebenrollen an. Zwei davon jedoch („No Such Thing“ von 2001 und „Das geheime Leben der Worte“ von 2005) brachten sie an die Seite einer aufstrebenden Schauspielerin: Sarah Polley. Als die junge Kanadierin vor zwei Jahren ihr Debüt als Regisseurin vorbereitete, bat sie Julie Christie darum, die Hauptrolle darin zu spielen.

So kam sie zu ihrem nun mit dem Golden Globe ausgezeichneten Auftritt in „An ihrer Seite“. Herzzerreißend der letzte gemeinsame Weihnachtstanz des alternden Ehepaars zu Neil Youngs „Harvest Moon“. Diese Rolle wäre allemal auch einen Oscar wert. Vielleicht bekommt Julie Christie dann noch den großen Auftritt, den sie verdient.

Text: F.A.Z., 15.01.2008, Nr. 12 / Seite 38
Bildmaterial: AP, CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/Allstar, Majestic/Cinetext

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