Deutscher Filmpreis 2007

„Vier Minuten“ schlägt „Das Parfum“

05. Mai 2007 Der Gefängnisfilm „Vier Minuten“ von Chris Kraus hat den Deutschen Filmpreis 2007 gewonnen. Das verkündete Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Freitagabend bei der Verleihung des 57. Deutschen Filmpreises in Berlin. Silberne Lolas gingen Tom Tykwers „Das Parfum“ und Marcus H. Rosenmüllers „Wer früher stirbt ist länger tot“.

Die Schauspieler Monica Bleibtreu und Josef Bierbichler wurden mit der goldenen Lola als beste Schauspieler ausgezeichnet worden. Bleibtreu wurde für ihre Rolle einer Klavierlehrerin in Chris Kraus' Gefängnisfilm „Vier Minuten“ ausgezeichnet und freute sich riesig über die Trophäe. Bierbichler wurde für seine Darstellung in dem Drama „Winterreise“ von Hans Steinbichler geehrt.

Autopanne stoppt Devid Striesow

Detlev Bucks „Hände weg von Mississippi“ wurde als bester Kinder- und Jugendfilm 2007 ausgezeichnet. Bester Dokumentarfilm wurde „Workingman's Death“ von Michael Glawogger - ein Film über Schwerarbeiter in aller Welt von Nigeria und Pakistan über die Ukraine bis nach China.

Hannah Herzsprung und Devid Striesow gewannen den Preis als beste Nebendarsteller. Herzsprung wurde für ihre furiose Rolle in dem Drama „Das wahre Leben“ von Alain Gsponer ausgezeichnet. Die 25-Jährige war für ihre Rolle in dem Gefängnisfilm „Vier Minuten“ von Chris Kraus auch als beste Hauptdarstellerin nominiert. Striesow erhielt die Auszeichnung als bester Nebendarsteller für seine Darstellung eines SS-Mannes in dem KZ-Film „Die Fälscher“. Da Striesow wegen einer Autopanne nicht rechtzeitig zur Preisverleihung nach Berlin kommen konnte, nahm der Regisseur des Films, Stefan Ruzowitzky, die Ehrung für ihn entgegen.

Glanz und Glamour mit 2000 Gästen

Schon vor der Verleihung hatte sich Glanz und Glamour in Berlin verbreitet: Unter den 2000 Gästen im Palais am Funkturm waren unter anderen Otto Sander, Maria Schrader, Uschi Glas, Mario Adorf und Senta Berger. Darüber hinaus schritten Vorjahressieger und Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck, Nadja Auermann, Eva Padberg, Barbara Rudnik, Jan Josef Liefers, Jürgen Vogel und Esther Schweins über den roten Teppich.

Aus der Politik kamen unter anderen der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und Grünen-Chefin Claudia Roth. Bei dem mit 2,845 Millionen Euro höchst dotierten deutschen Kulturpreis gab es in diesem Jahr gleich drei Favoriten: Tom Tykwers Romanverfilmung „Das Parfum“, das Gefängnisdrama „Vier Minuten“ von Chris Kraus mit je acht Nominierungen sowie mit sieben Nominierungen Stefan Ruzowitzkys KZ-Film „Die Fälscher“. Insgesamt sollten Preise in 15 Sparten vergeben werden. Armin Mueller-Stahl sollte den Ehrenpreis erhalten.

Deutscher Film „so gut wie lange nicht“

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) lobte den deutschen Film. „Es geht ihm so gut wie lange nicht mehr“, sagte er. „Er ist weltweit geachtet, und er feiert immer neue, überraschende Erfolge.“ Kritik an der Auswahl der Nominierten wies er zurück. Das seit 2005 praktizierte System, nach dem die 860 Mitglieder der Deutschen Filmakademie auswählen und nicht mehr ein unabhängiges Gremium, habe sich bewährt. „Alle bisherigen Nominierungen ergeben insgesamt ein differenziertes, ausgewogenes Bild des deutschen Films.“ Die Kritiker glauben allerdings, dass experimentelle und innovative Filme nur noch wenig Chancen haben, nominiert zu werden.

Bester Spielfilm: „Vier Minuten“ von Chris Kraus - Beste Schauspielerin, Hauptrolle: Monica Bleibtreu („Vier Minuten“) - Bester Schauspieler, Hauptrolle: Josef Bierbichler („Winterreise“) - Beste Schauspielerin, Nebenrolle: Hannah Herzsprung („Das wahre Leben“) - Bester Schauspieler, Nebenrolle: Devid Striesow („Die Fälscher“) - Beste Regie: Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“) - Beste Kamera: Frank Griebe („Das Parfum“) - Bester Schnitt: Alexander Berner („Das Parfum“) - Bestes Szenenbild: Uli Hanisch („Das Parfum“) - Bestes Kostümbild: Pierre-Yves Gayraud („Das Parfum“) - Beste Filmmusik: Gerd Baumann („Wer früher stirbt ist länger tot“) - Beste Tongestaltung: Stefan Busch, Dirk Jacob, Michael Kranz, Frank Kruse, Matthias Lempert, Hanse Warns, Roland Winke („Das Parfum“) - Bestes Drehbuch: Christian Lerch, Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“) - Bester Dokumentarfilm: „Workingman's Death“ von Michael Glawogger - Bester Kinder- und Jugendfilm: „Hände weg vom Mississippi“ von Detlev Buck - Ehrenpreis: Armin Mueller-Stahl



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa

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