Kino

Die Streitbare: Die „Lollo“ wird achtzig

Von Michael Althen

04. Juli 2007 Der Name ist fast zu gut, um wahr zu sein. In Hollywood hätte sich ein Publicity Department darüber eine Woche lang den Kopf zerbrochen, in Italien wachsen solche Namen auf den Bäumen. Und die entsprechenden Mädchen dazu.

Luigina Lollobrigida wurde als Tochter eines Möbelschreiners im malerischen Subiaco in Latium geboren, nahm 1947 am Wettbewerb um die Miss Italien teil, den aber Lucia Bose gewann, und wurde zum Trost Miss Rom. Da das die Zeit war, als solche Titel noch was wert waren, schloss sich auch gleich eine Karriere beim Film an. Die Produzenten setzten damals auf Schauwerte und vertrauten einfach darauf, dass das mit der Schauspielerei dann schon noch kommen werde. Und so war es dann ja auch meistens.

„Die schönste Frau der Welt“

Es gibt das Gerücht, Howard Hughes habe sie schon 1947 nach Hollywood geflogen, aber erst sechs Jahre später sollte sie dort unter John Huston in „Beat the Devil“ spielen. Stattdessen heiratete sie einen jugoslawischen Arzt, bekam einen Sohn und spielte bei Lattuada, Lizzani, Soldati und Comencini, aber auch in Frankreich in René Clairs „Die Schönen der Nacht“ oder an der Seite von Gérard Philipe in „Fanfan, der Husar“. Ihrem Ruf war es natürlich enorm zuträglich, dass sie 1956 in „Die schönste Frau der Welt“ spielte, ein Titel, der fortan bereitwillig auf sie verwendet wurde. In Folge gewann sie gleich viermal hintereinander den Bambi, und gerüchteweise wurde sogar das Salatgewächs Lollo nach ihr benannt.

Sie war die Esmeralda im „Glöckner von Notre-Dame“, spielte zweimal an Rock Hudsons Seite, und als die Rollen rarer wurden, machte sie als Fotografin von sich reden und drehte 1975 einen Film über Fidel Castro, dem ihre Aufmerksamkeit schmeichelte. Als „Stammheim“ 1986 den Goldenen Bären gewann, äußerte sie als Jurypräsidentin ihren Unmut, und ein Jahr später versuchte sie erfolglos, ins Europaparlament einzuziehen. Die meisten waren von dieser Streitbarkeit überrascht, dabei zeigt es doch, dass sie eine Frau ist, die keine Lust hat, vergangenen Tagen nachzuweinen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, CINETEXT, CINETEXT Bild & Textarchiv, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/Morgan

 
“Wenn das Blut kocht“ (1959) 1965 in Berlin “Die Puppen“ (1964) Auch als Fotografin tätig - hier mit dem Schauspielerkollegen David Niven (1971) “Trapez“ (1956) Im Alter von vierzehn Jahren Die achtzehn Jahre alte Lollobrigida im Jahr 1945 Undatierte Porträtaufnahme “Die Puppen“ (1964) “Wo der heiße Wind weht“ (1958) “Die Strohpuppe“ (1964) Fitnessübungen im Jahr 1953 Mit Horst Buchholz und Regisseur Vincent Sherman bei den Dreharbeiten zu “Cer... Porträt von 1960 1955 während der Dreharbeiten zu “Trapez“ “Geh nackt in die Welt“ (1960) 1962 in Rom 1947 in Italien “Alina - Zwischen Liebe und Laster“ (1950) Noch etwas füllig: Lollobrigida als Baby “Salomon und die Königin von Saba“ (1959) “Brot, Liebe und Phantasie“ (1953) Mit Humphrey Bogart in “Schach dem Teufel“ (1953) 2003 beim Filmfestival von Cannes “Die Falle“ (1967) Als Lady Godiva in “Fremde Bettgesellen“ (1964) Die Schöne und das Biest: Mit Anthony Quinn in “Der Glöckner von Notre-Dame“ ...