Reaktionen

„Das ist für sie unheimlich bitter, ganz mies“

22. August 2004 Geschockt und mit Mitgefühl haben Sportler und Funktionäre auf die Aberkennung der beiden Goldmedaillen von Bettina Hoy und der Mannschaft der Vielseitigkeitsreiter reagiert.

Klaus Steinbach (NOK-Präsident und Chef de Mission): „Enttäuschung ist nicht das richtige Wort. Es tut mir unsäglich leid für die Athleten. Ich habe Bettina Hoy am Freitag bei der Anhörung erlebt, wie sie völlig aufgelöst und außer sich war, als sie versuchte, ihre Medaillen am Grünen Tisch zu verteidigen. Wir werden das jetzt in der Mannschaft verarbeiten müssen.“

Bettina Hoy (Ex-Doppel-Olympiasiegerin im Vielseitigkeitsreiten): „Wenn ich nur im Einzel die Medaille verloren hätte, wäre das ja zu verkraften gewesen. das Schlimmste ist, daß ich die anderen mit 'reingerissen habe. So ist es ein undankbarer vierter Platz durch einen Fehler der Ground Jury. In der Vergangenheit war das ein sehr fairer Sport, in dem man sich nicht gegenseitig angreift.“

Hinrich Romeike (Ex-Olympiasieger mit der Vielseitigkeits-Mannschaft): „Wir akzeptieren nicht, daß uns die Medaillen vom Hals gerissen werden wie Dopingsündern.“

Ingrid Klimke (Ex-Olympiasiegerin mit der Vielseitigkeits-Mannschaft): „Ich war sprachlos. Wir haben trotzdem verdient gewonnen. Wir haben alles gegeben. Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als die Medaillen zurückzugeben.“

Jürgen Thumann (Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung): „Ich halte es für eine fürchterliche Entscheidung. Aber ich kann sie nicht ändern. Wir müssen das akzeptieren. Tatsache ist, daß Bettina Hoy und die Mannschaft eine hervorragende sportliche Leistung erbracht haben.“

Henri Serandour (französischer NOK-Präsident): „Ich bin immer glücklich, wenn die Regeln eingehalten werden. Ich bin ebenso glücklich für die Reiter, die sich vorbildlich verhalten haben.“

Clemens Prokop (NOK-Vizepräsident): „Die Entscheidung ist zu respektieren, inhaltlich aber zu bedauern. Unsere Reiter sind hier Opfer eines Wirrwarrs bei der FEI geworden. Unter sportlichen Gesichtspunkten war Bettina Hoy zwei Mal die beste Springreiterin. Durch das zweimalige Überqueren der Startlinie hatte sie keinen sportlichen Vorteil. Jeder Athlet hat das Recht, seine Rechte voll auszuschöpfen.“

Sylvia Schenk (Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer): „Das ganze Ergebnis, das man nicht am Wettkampftag klären kann, wer gewonnen hat und das auch noch nach zwei Siegerehrungen, halte ich für eine Katastrophe für den Sport. Es gibt leider die Tendenz,
national wie international, daß immer mehr juristische Winkel ausgeleuchtet werden. Vor allem emotional ist das eine Katastrophe und für den Sport sehr schwierig.“

Reinhard Wendt (Chef de Mission der deutschen Reiter): „Wir müssen diesen Spruch akzeptieren, aber eer ist sehr zu bedauern. Das ist für unsere Reiter mehr als eine Katastrophe.“

Ralf Schumann (Olympiasieger mit Schnellfeuerpistole): „Ich kann mich in die Lage von Sportlern versetzen, denen Medaillen beim Größten, was es gibt, den Olympischen Spielen, wieder weggenommen werden. Das ist für sie unheimlich bitter, ganz mies.“

Text: dpa

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