17. Juni 2009 Die Fußballspieler mit der grünen Armbinde haben den Menschen zu Hause in Iran Mut gemacht. So hatte der unterlegene Kandidat bei der Präsidentenwahl, Mussawi, mit seiner täglichen Massenkundgebung abgewartet, bis das Spiel gegen Südkorea in Seoul abgepfiffen wurde. Dann strömten weit mehr Menschen auf den zentralen Platz Haft-e Tir und die umliegenden Straßen, als Mussawis Organisatoren erwartet hatten. Am Tag zuvor waren aufgrund der Androhung von Gewalt nur 100.000 Menschen erschienen.
Am Mittwochabend demonstrierten aber mehr als eine Million Menschen gegen Präsident Ahmadineschad. Wie die Spieler streiften sie sich die grüne Binde von Mussawi und dessen Oppositionsbewegung über. Die Spieler hatten Mut gezeigt, indem sie Partei ergriffen haben, und damit werden auch wir mutiger, sagt ein Iraner. Auf heftigen Druck aus Teheran mussten die Spieler in der Halbzeit die Armbinde in der Kabine zwar lassen. Die Botschaft aber war zu Hause in Iran angekommen.
Das ist eine nationale Niederlage
Nach FAZ.NET-Informationen haben sich neben dem für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga spielenden Mehdi Mahdavikia mindestens fünf weitere Mannschaftskameraden an der Aktion beteiligt. Vier der Spieler sind derzeit bei Klubs in Europa unter Vertrag, zwei Akteure, der ehemalige Bayern-Profi Ali Karimi und Hossein Kaebi, spielen für Vereine in Teheran. Unter gewöhnlichen Umständen wäre in Iran das Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft ein großes Thema für die fußballverrückte iranische Bevölkerung gewesen. Seit einer Woche diskutiert Iran aber über nichts anders als über die Präsidentenwahl vom vergangenen Freitag und über die Zukunft der Islamischen Republik.
Dieses Spiel in Seoul hatte damit nicht den Stellenwert, den es unter normalen Bedingungen gehabt hätte. Eine Schlappe für Ahmadineschad war das Auftreten iranischer Spieler, eine andere Schlappe war für seine Regierung die verpasste Qualifikation für die Weltmeisterschaft nach dem 1:1. Ahmadineschad ist ein unbelehrbarer Fußballnarr, und seine Regierung hat sich seit ihrem Amtsantritt 2005 in die Geschäfte des Fußballverbands eingemischt. Das ist eine nationale Niederlage, wettert ein untröstlicher iranischer Jugendlicher. Verantwortlich macht er die Regierung, die gegen den Willen des Verbands in einem Handstreich als Nationaltrainer den früheren Bundesligaspieler Ali Daei verpflichtet hatte.
Erstmals zwei koreanische Team bei einer WM
Nach einer Serie von Niederlagen musste er gehen, und der Verband verpflichtete den früheren Wunschkandidaten Afschin Kodschbi. Einige Jahre hatte er als Assistent des Nationaltrainers in Südkorea gearbeitet, in Iran war er der Meistertrainer des Spitzenvereins Persepolis Teheran. Fünf Punkte aus den drei Spielen, in denen er die Mannschaft führte, reichten aber nicht mehr. Bei der Weltmeisterschaft in Deutschland war Iran noch dabei, in Südafrika wird es zusehen müssen. Kodschbi hatte einen Vertrag für drei Spiele. Ob er einen neuen Vertrag erhält, wird auch davon abhängen, wie der Verband auf die grünen Armbinden reagieren wird und ob der Verband auch künftig unter politischem Einfluss stehen wird.
Ausgerechnet dank der Hilfe aus Südkorea feiert derweil der nordkoreanische Fußball den größten Erfolg seit 43 Jahren. Nach dem 1:1 der Südkoreaner war die zweite WM-Teilnahme des kommunistischen Landes durch das 0:0 der Nordkoreaner in Saudi-Arabien perfekt. Die Südkoreaner konnten zwar die ärgsten Konkurrenten Nordkoreas im Kampf um Platz zwei in Schach halten. Nordkorea aber sicherte sich aufgrund des besseren Torverhältnisses vor den punktgleichen Saudis in der Asien-Gruppe B den zweiten Platz hinter dem ungeliebten Nachbarn. Zum ersten Mal wird es damit zwei koreanische Teams bei einem WM-Turnier geben.
Text: dme./F.A.Z.
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