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Dortmund

Wir hüten den Gral der SPD!



Unter den 14 Besorgten, die sich am Mittwochabend im Dortmunder Verdi-Gebäude direkt gegenüber dem Hauptbahnhof treffen, sind Genossen, SPD-Sympathisanten und Leute wie Eckhard Hagen aus Bonn, der einst unmittelbar nach dem gescheiterten Misstrauensvotum gegen Brandt in die SPD eintrat, später im Bundeskanzleramt, im Auswärtigen Amt und im Arbeitsministerium tätig war und nun nach einer Brandrede gegen den Neoliberalismus beklagt, ihm sei seine Partei abhandengekommen. "Die SPD ist durch die Agenda-Politik ins Mark getroffen. Davon wird sie sich Jahrzehnte nicht erholen." Peter Rath-Sanghakorn aus Bergkamen, Gastgeber dieses Abends, hat schon einen SPD-Austritt hinter sich, war vor Jahren bei der FDP und verzweifelt jetzt doch lieber wieder als Mitglied an der Sozialdemokratie. Deren Zustand erinnert ihn "an die Bundesärztekammer-Definition des Hirntods", wie er sagt.

Dennoch möchten die 13 aufrechten Herren und die eine aufrechte Kölnerin, die sich selbst als hauptberufliche Philosophin bezeichnet, nicht von der Partei lassen. An diesem Abend wollen sie eine Arbeitsgemeinschaft mit dem provokanten Titel "Sozialdemokraten in der SPD" gründen. Und es ist natürlich kein Zufall, dass das ausgerechnet in Dortmund geschehen soll. Die Stadt galt Herbert Wehner, dem früheren Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, als "Herzkammer der deutschen Sozialdemokratie". Im Selbstverständnis der Anwesenden ist die Herzkammer der Sozialdemokratie an diesem Abend Raum E im Verdi-Gebäude, der tagsüber Kita-Angestellten als Streiklokal dient.

Den Weg anderer Genossen, irgendeine Wahlalternative zu gründen, die dann von der PDS geschluckt wird, wollen die vierzehn nicht gehen. "Denn eine soziale Demokratie ohne SPD wird es nicht geben", sagt Hagen. Die Linkspartei brauche man allerdings dereinst "vielleicht" als Bündnispartner. So verliert man sich wortgewaltig im Ungefähren, gefällt sich als Selbsthilfegruppe zum Austausch über die Leiden an der Sozialdemokratie. Einer der Anwesenden meint, es müsse so viel Druck auf den Kessel, dass "die von oben rausfliegen", womit auf Nachfrage Müntefering und Steinmeier gemeint sind und auch Andrea Nahles, die links unten gestartet und rechts oben angekommen sei. REINER BURGER

Text: F.A.Z.