26. Mai 2007 Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat Zweifel am Erfolg des G-8-Gipfels in Heiligendamm bekundet, weil die amerikanische Regierung eine Einigung auf gemeinsame Klimaschutzziele bisher nicht zulasse.
Die Verhandlungen werden mehr als schwierig, sagte Gabriel in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. In den zentralen Fragen des Klimaschutzes scheinen bisher vor allem die Amerikaner nicht bewegungsbereit zu sein. Auch in den Vereinigten Staaten wünschten sich viele eine andere Klimapolitik. Leider verschließt sich die Regierung in Washington noch dieser Bewegung. Deshalb werden Erfolge in Heiligendamm sehr schwer sein, sagte Gabriel.
Kritik an Russlands unverantwortlicher Atompolitik
Deutschlands Umweltminister griff im Vorfeld des Treffens der Staats- und Regierungschefs aus den acht wichtigsten Industrieländern auch Russland scharf an. Er verwahrte sich gegen Vorschläge aus Moskau, für den Klimaschutz den Atomausstieg in Deutschland zu überdenken.
Auf diesen Ratschlag ausgerechnet aus Russland kann ich verzichten - nicht nur wegen Tschernobyl, sagte Gabriel. Nirgendwo sonst auf der Welt wird so unverantwortlich mit Nuklearenergie umgegangen wie in Russland.
Klimaziele auch ohne Atomkraft erreichbar
Gabriel wies zudem mit scharfen Worten das Drängen von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) nach einer Verlängerung der Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke zurück: Das macht er doch seit dem ersten Tag als Minister. Wahrscheinlich hat er Angst, dass er sonst nicht in die Medien kommt.
In Energieszenarien des Kanzleramts sei nachgewiesen worden, dass wir die Klimaschutzziele in Deutschland bis 2020 auch ohne Atomkraft erreichen können, sagte Gabriel. Würden tatsächlich die teils alterschwachen Atomkraftwerke weiterlaufen, schafften wir lediglich knapp fünf Prozent zusätzliche CO2-Senkung. Dafür lohne es nicht, das hohe Risiko bei der Herstellung von Atomstrom zu verlängern.
Eine der großen Herausforderungen der Menschheit
In einer am Samstag im Internet verbreiteten Videobotschaft zum bevorstehenden G-8-Gipfel hat sich auch die Kanzlerin für den Klimaschutz stark gemacht. Die führenden Industriestaaten müssen nach ihren
Worten bei der Bekämpfung der Erderwärmung eine Vorreiterrolle einnehmen. Merkel verwies auf die Verantwortung der Industrieländer, dass die Welterwärmung gestoppt werden kann und dass nicht Millionen und Abermillionen von Menschen in Gefahr geraten und ihre Lebensgrundlage verlieren.
Nur wenn die führenden Industriestaaten an die Spitze gehen und als erste handeln, werde man auch die Schwellenländer wie China und Indien überzeugen, dass der Klimawandel eine der großen 'Herausforderungen der Menschheit ist.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung / ddp
Bildmaterial: dpa
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